"Flut" auch bei Arbeitslosigkeit

Höchster August-Wert in Österreich – höchste Zunahme wieder in Vorarlberg. Als Folge des Hochwassers gab es zwar erst 45 Kündigungen im Ländle - einige Firmen könnte aber zu weiteren Kündigungen gezwungen sein.

Den höchsten August-Wert seit Beginn der Arbeitslosenzählungen bedeuten die offiziell 219.277 Arbeitlosen in Österreich. Diesem Anstieg um 6,1 Prozent in 12 Monaten steht einmal mehr der höchste Anstieg aller Bundesländer in Vorarlberg um 15,1 Prozent gegenüber: Wir haben schon 9194 Arbeitslose bzw. eine Quote von 6,1 Prozent.

Das ist nur die halbe Wahrheit. Ein weiterer Teil der Wahrheit ist, dass bei uns Ende August 1296 Personen in Orientierungs-, Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen des AMS standen, also in der Statistik gar nicht als Arbeitslose aufscheinen. „Ein dritter Teil der Wahrheit ist schließlich, dass es bisher als Folge des Hochwassers zwar erst 45 Kündigungen gab, dass aber eine Reihe schwer betroffener Firmen wohl noch zu Kündigungen gezwungen sein könnte, weil für sie das spontan ermöglichte Instrument der Kurzarbeit zu kurz greift“, erläuterte heute auf Anfrage AMS-Vorarlberg-Chef Dr. Werner Schelling.

Immerhin, so der AMS-Landesdirektor, sei dem Arbeitslosigkeits-Zuwachs etwas von seiner Schärfe genommen worden (im Juli betrug das Plus noch 17,5 Prozent), immerhin hätten 13 Prozent der 9194 Vorgemerkten eine Einstellzusage oder stünden vor der Einberufung bzw. im Mutterschutz. Als „reichlich sonderbar“ empfindet er die Situation in der Baubranche. Dort stieg in 12 Monaten die Zahl der Arbeitslosen um 81, die der Beschäftigten um 451 an. „Hier findet offensichtlich eine Verdrängung von Vorarlbergern durch deutsche Mitarbeiter statt“, interpretierte Schelling. Schlimme Arbeitslosigkeitsanstiege gab es bei Hilfsberufen (+ 23,8 Prozent), im Handel (+ 14,3), auch im Tourismus. „Letzterer weist 973 Arbeitslose aus, denen ein Saisonnierkontingent von 385 Arbeitsplätzen gegenüber steht, von dem aktuell 363 Genehmigungen ausgenützt sind“, wusste Schelling.

Geradezu Schwindel erregend stellt sich die Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit dar. Bei den über 6 Monate Arbeitslosen betrug sie 37,7 Prozent, bei den 6 bis 12 Monate Suchenden 38,1 und bei den über ein Jahr Arbeitslosen 36,8 Prozent. Über Dramatik oder Entspannung bei der Jugendbeschäftigung wolle er erst Ende September ein Urteil fällen, weil es einerseits Mehrfachbewerbungen gibt, andererseits Unternehmen noch am „Aussieben“ sind, und weil auch das „Programm 06“ (Förderung zusätzlich offerierter Lehrstellen) erst Anfang d. M. zu laufen begann. Im August betrug die Arbeitslosigkeitszunahme der 15- bis 20-Jährigen jedenfalls 14,5, jene der 20- bis 25-Jährigen 13,1 Prozent. Viel zu viel für ein Land, in dem Verantwortliche immer wieder die Bedeutung qualifizierten und motivierten Nachwuchses beschwören.

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