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Flüchtlings-Odyssee – Von Tunesien nach Vorarlberg

Beinahe täglich erreichen uns Meldungen von Flüchtlingsbooten aus Nordafrika, die auf der kleinen italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa landen. Immer wieder bezahlen Menschen ihren Wunsch, der Armut in Afrika zu entkommen, mit ihrem Leben. Im VOL.at-Exklusiv-Interview berichtet ein Flüchtling in mehreren Teilen von seiner Odyssee aus Tunesien bis nach Vorarlberg.
Teil 1: Flucht aus Tunesien überlebt
Flucht aus Tunesien in Bildern
Berlusconi besucht Lampedusa
Flüchtlinge strömen auf Insel Lampedusa
Lampedusa kommt nicht zur Ruhe
1.700 Tunesische Flüchtlinge in Italien

Offizielle Bilder aus Lampedusa gibt es zur Genüge, doch was wirklich hinter den Mauern der Lager passiert, lässt sich bislang nur erahnen. Die Situation der Flüchtlinge ist dramatisch und die italienischen Behörden stehen den Flüchtlingsströmen hilflos gegenüber. Nur wenn die Einwohner der Insel selbst – so passiert vor einigen Wochen  – auf die Straße gehen und zum Teil mit den Flüchtlingen gegen die Bedingungen protestieren, tauchen vereinzelt Bilder auf.

Schon oft haben die italienische Regierung und die EU eine rasche Lösung versprochen, doch passiert ist nichts. Selbst Italiens Staatspräsident Silvio Berlusconi hat vor vier Monaten in einem grotesken Fernsehauftritt auf Lampedusa versprochen, dass das Lager binnen 60 Stunden geschlossen werde. Doch auch das waren nur leere Worthülsen.

Dramatische Zustände in den Flüchtlingslagern

VORARLBERG ONLINE zeigt nun erstmals exklusives Bildmaterial des Tunesiers Ahmed* (30), der seine Flucht von Tunesien bis nach Europa mitgefilmt hat. Die Bilder zeigen, wie dramatisch die Zustände in den Lagern sind und wie hilflos Europa mit der Situation umgeht. In einer mehrteiligen Serie erzählt er,  warum er seiner Heimat den Rücken gekehrt hat und wie seine Reise von Tunesien über Italien und Frankreich bis nach Vorarlberg verlaufen ist.

Teil 1: Keine Zukunft in Tunesien

Wir treffen Ahmed an einem geheimen Ort in Vorarlberg. Vor zwei Monaten fasste er den schweren Entschluss, seine Freunde und Familie hinter sich zu lassen um sein Glück in Europa zu suchen. Nach den politischen Umwälzungen in Tunesien war es für den 30-jährigen promovierten Informatiker unmöglich Arbeit zu finden. „Seit dem Sturz von Präsident Ben Ali herrscht das Chaos, die wirtschaftliche Situation ist schlecht, Arbeit ist fast nicht zu bekommen und auch die Behörden funktionieren nur sehr bedingt“, schildert der junge Tunesier die Situation in seiner Heimat.

Kein legales Visum erhältlich – Ahmed kontaktiert einen Schlepper

„Ein Freund, der bereits in Europa lebt, gab mir die Telefonnummer eines Schleppers und versprach mir, dass ich hier Arbeit und Papiere bekommen könnte“, erzählt er VOL.at im Interview. 

Auf legalem Weg war es für Ahmed unmöglich ein Visum zu bekommen, weshalb er den Schlepper kontaktierte. „1100 Euro musste ich für den Platz auf einem Schiff bezahlen und nur wenige Tage später ging es in der Früh los.“ Bei der Abfahrt war die Stimmung auf dem Boot noch gut, doch das sollte sich schnell ändern. Schon nach kurzer Zeit merkten die Flüchtlinge, dass die 24-stündige Überfahrt keine Ausflugsfahrt wird. Insgesamt waren es drei Schlepperboote, die sich den Weg über das Meer bahnten, wobei nur eines über ein GPS verfügte. Auf jedem der Boote waren etwa 120 Menschen, die ungeschützt vor Wind und Wetter zusammengekauert an Deck saßen, ohne etwas zu Trinken oder zu Essen. „Viele Menschen wurden seekrank und mussten sich ständig übergeben“, beschreibt er die Überfahrt.

Drama auf hoher See fordert dutzende tote Flüchtlinge

Wirklich dramatisch wurde die Situation, als eines der Boote in Seenot geriet und mitten auf dem Meer sank. Der junge Mann wird diese Szenen nie mehr vergessen: „Wir mussten hilflos mit ansehen, wie die Menschen ertranken. Nur  vier Personen konnten von einem Hubschrauber der italienischen Küstenwache später noch lebend geborgen werden.“ 

Schon jetzt stiegen in Ahmed erste Zweifel auf, ob er das Richtige getan hatte. Durchgefroren und von den Strapazen der Reise gezeichnet, wurden sie nach rund 24 Stunden schließlich von den italienischen Behörden aufgegriffen. Die Italiener überstellten die Flüchtlinge ins Lager auf Lampedusa, das 800 Menschen Platz bieten sollte, in dem aber tatsächlich mehr als 3000 leben müssen. VOL.at

* Name von der Redaktion geändert

Sehen Sie morgen: Katastrophale Bedingungen im Flüchtlingslager Lampedusa. Einzelfall oder System?

Flucht-Odyssee über das Mittelmeer

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