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Flüchtlinge lernen in Kurs österreichische Werte kennen

©VN
In mehreren österreichischen Bundesländern werden mittlerweile Wertekurse für Flüchtlinge angeboten.
Wertekurse mit Flüchtlingen

“Ihr habt noch fünf Minuten”, lacht Kursleiterin Stephanie Gasche. “Ihr” – das ist eine Gruppe von 17 Männern aus Syrien und dem Irak. Gasche bringt ihnen im Rahmen eines “Wertekurses” bei, wie Österreich tickt. Obwohl die Pause erst in fünf Minuten vorbei ist, sitzen die anerkannten Flüchtlinge auf ihren Stühlen in der Arbeiterkammer Feldkirch. Es ist der erste derartige Kurs in Vorarlberg.

Teilnahme-Pflicht

17 Männer sind am Donnerstag da, drei sind nicht gekommen. Was mit denen passiert? “Es gibt im März wieder einen Kurs”, lächelt Sicherheitslandesrat Erich Schwärzler (ÖVP), der auf einen Lokalaugenschein vorbeischaut. Am “Werte- und Orientierungskurs”, so die offizielle Bezeichnung, soll keiner der Konventionsflüchtlinge vorbeikommen. Bis Jahresende werden in Vorarlberg noch 20 weitere dieser Schulungen stattfinden. Die Teilnahme ist für anerkannte Flüchtlinge Pflicht – wer die Einladung ausschlägt, bricht die mit dem Land Vorarlberg eingegangene Integrationsvereinbarung und riskiert damit Einbußen bei seinen Sozialleistungen.

“Er hat eine Idee”

Es geht weiter mit dem Kapital Gesundheit – vor der Mittagspause brachte Gasche den Teilnehmern die Themen Geschichte und Geografie sowie Recht und Verfassung näher. Jetzt beginnt sie mit einem Auflockerungsspiel: “Kennt ihr Mozartkugeln?”, fragt sie in die Runde. “Ja, aus Linz”, antwortet einer. Gasche lächelt. “Nein, diesmal nicht”, sagt sie freundlich.

Sie macht Gesten und lässt die Männer aus Vorderasien raten, was diese Bewegungen in Österreich bedeuten könnten. Manche der Syrer und Iraker sprechen gebrochenes Deutsch, andere vorerst nur Arabisch. Dolmetscher Ahmed ist behilflich. Gasche unterrichtet ausschließlich in Deutsch. Wer als Erster den “Scheibenwischer” auflösen kann (“Du bist verrückt”), bekommt eine Mozartkugel. Als nächstes erklärt Gasche ein mit Schmatzgeräuschen kombiniertes Kopfschütteln als etwas sehr Unhöfliches: “Du nervst, ich verliere die Geduld mit dir”. Zuletzt zeigt sie den Männern den Vogel. “Er hat eine Idee”, mutmaßt einer als Lösung. Nach vielen falschen Vorschlägen klärt die Kursleiterin auf: “Das ist dasselbe wie der Scheibenwischer”.

Ärzte und Notfälle

Dann will die Gasche wissen, wer schon eine E-Card hat: “Kann ich die mal sehen?”. Sie empfiehlt, die Karte immer bei sich zu tragen. Drei der 17 waren in Österreich bereits beim Arzt. “Musstest du bezahlen?”, fragt sie das Trio, es schüttelt den Kopf. “Wer hat bezahlt?”, hakt sie nach. Vorschläge kommen: die österreichische Regierung, die Versicherung, die Caritas. “Es ist der österreichische Steuerzahler”, stellt Gasche schließlich fest. Wer arbeite, bezahle Geld in einen Topf ein, aus dem die Finanzierung erfolge. Manche der Männer nicken.

Das Gesundheitsthema wird vertieft. Es geht um die Notfallnummern von Rettung (144), Polizei (133) und Feuerwehr (122) und wie man sie sich am besten merken kann. Es geht um die Unterscheidung, in welchem Fall man zum Hausarzt geht und in welchem ins Krankenhaus. Gasche betont, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu beherrschen: “Bei einem Anruf bei der Rettung fragt man euch, wo ihr seid und was passiert ist. Es gibt große Probleme, wenn ihr das nicht beantworten könnt”.

“Du musst aufwachen”

Zwischendurch heitert sie auf, lobt und motiviert. “Ihr könnt das”, sagt sie spontan und lächelt, als die Gruppe gut reagiert. “Ihr seid privilegiert, weil ihr die ersten in Vorarlberg seid, die das hören. Erzählt es euren Freunden weiter”, ermuntert Gasche. “Du musst aufwachen”, sagt sie hingegen in nettem Ton zu einem, der einen abwesenden Eindruck auf sie macht. Dolmetscher Ahmed soll auch das übersetzen. Anschließend wird der Mann ins Geschehen eingebunden, indem er eine Aufgabe gestellt bekommt.

Vieles ist klar, anderes nicht. Ob er auch zu einem anderen Arzt als zu dem in seinem Dorf gehen darf, fragt einer. Ein anderer beklagt sich über grässliche Zahnschmerzen, die ihm den Schlaf rauben. Der Zahnarzt aber gebe ihm keinen kurzfristigen Termin. Was tun?

“Viele Aha-Momente”

Gasche erfährt in ihren Kursen (in sechs anderen Bundesländern wurden die ersten schon gehalten) immer wieder “offene Gesichter”, stellt bei den Teilnehmern “viele Aha-Momente” fest. Die Bereitschaft sei groß. Ihr Ziel ist es, “dass am Ende des eintägigen Kurses jeder weiß, wie Österreich tickt”. Zur Unterstützung gibt es die Lernunterlage “Mein Leben in Österrich. Chancen und Regeln” auf Deutsch, Arabisch, Farsi/Dari und Englisch.

Bei diesem Kurs scheint ihr das zu gelingen. Ein 23-jähriger Syrer, von Beruf Schweißer, glaubt, das österreichische System nun verstanden zu haben. Er schätzt die Freiheit im Land und dass es Arbeit gibt. Ein 30-Jähriger – ebenfalls aus Syrien – möchte in einem Staat leben, in dem kein Krieg herrscht. Über die Menschen in Österreich sagt er: “Sie sind sehr freundlich”. (APA)

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