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Flüchtlinge, Schlepper und Polizisten

Der renommierte Schweizer Journalist Stefan Keller  aus Zürich
Der renommierte Schweizer Journalist Stefan Keller aus Zürich ©Helmut Köck

Ruggell. Der renommierte Schweizer Journalist Stefan Keller hielt im Küefer-Martis-Huus einen Vortrag über Flüchtlinge, Schlepper und Polizisten und nannte interessante Details zur Schweizer Grenze von 1933 bis 1945.

Der Vortragssaal war zum Bersten voll, als Stefan Keller, welcher aus Zürich angereist war, das Wort ergriff: “Die offizielle Schweizer Flüchtlingspolitik orientierte sich mehr oder weniger an den nationalsozialistischen, antisemitischen Rassenbestimmungen und so verhängte der Bundesrat eine Einreisesperre in die Schweiz.” Keller nannte viele Namen und Zahlen und schockierte einige seiner Zuhörer mit bislang wenig bekannten Fakten. Etwa dass durch das bilaterale Abkommen mit Deutschland am 4. Oktober 1939 der Bundesrat unter Johannes Baumann Nazi-Deutschland verpflichtete, alle Juden mit einem “J” im Reisepass zu brandmarken.

Schweizer wussten Bescheid

Auch dass die Schweizer Behörden über die Vernichtungslager der Nazis längst Bescheid wussten. “Je schlimmer die Lage der Verfolgten wurde, desto mehr Fluchthelfer und Retter finden wir”, so Keller weiter. Er nannte auch zwei Vorarlberger Namen: Den des Fluchthelfers Karl Rummler sowie des Gemüsehändlers und Schleppers Edmund Fleisch aus Altach. Dass das Gasthaus Ochsten in Feldkirch für viele Flüchtlinge eine Anlaufstelle war und dass der Kellner Paul Geier aus Feldkirch dort aktiv war, war vielen neu.

schicksalhafte Zeit

“Wurden die Fluchthelfer und Schlepper ertappt, drohten ihnen hohe Bußen und Gefängnisstrafen”, erklärte Stefan Keller über die Schicksale der meisten Helfer. Keller wurde bekannt über seine Recherchen über Paul Grüninger, welcher tausende Flüchtlinge aus Vorarlberg kommend, nicht in den sicheren Tod zurück wies und im April 39 fristlos entlassen wurde.

Zum Schluss seines Vortrags sprach Keller über den Israelit Hans Weinberg, welcher das Konzentrationslager Sachsenhausen überlebte und als Eli Karmel in die Schweiz zurück kam, wo er 2003 verstarb. Dieser war der einzige, welchen der Kanton Basel bis heute offiziell um Verzeihung gebeten hatte. Zwischen 2004 und 2008 wurden 120 Fluchthelfer rehabilitiert.

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