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Flimm macht die Kommerzialisierung nicht mehr mit

©wildbild
Salzburg - "Ich habe das Gefühl, dass die Festspiele sich weiter kommerzialisieren sollen, und das mache ich nicht mit." So begründet Jürgen Flimm, Intendant der Salzburger Festspiele, warum er seinen Vertrag bis 2011 erfüllen, danach aber nicht verlängern will.

Die Tendenz des Kuratoriums der Festspiele sei, die Einnahmen noch
weiter in die Höhe zu treiben, “aber dann wären wichtige Aufführungen
wie Nonos Oper oder eine Uraufführung von Rihm nicht mehr möglich”,
so Flimm in der deutschen Wochenzeitung “Die Zeit”.

Flimm verweist auf das hervorragende Ergebnis des vergangenen
Sommers. 2008 bilanzierten die Festspiele mit einer Viertelmillion
Gästen und Einnahmen von 25 Mio. Euro. Das Kuratorium habe die Frage,
was bei einem wirtschaftlich derart positiven Ergebnis noch weiter
kommerzialisiert werden sollte, nicht beantwortet, so der Intendant.

Mit dem Konflikt mit Schauspieldirektor Thomas Oberender hingegen
habe seine Entscheidung, in Salzburg nicht zu verlängern, nichts zu
tun. “Herr Oberender weiß seit eineinhalb Jahren, dass wir uns
trennen wollen.” Ausschlaggebend seien organisatorische Gründe
gewesen. Oberenders Vertrag sehe vor, “dass er sein Programm in
Übereinstimmung mit dem Intendanten macht – nicht als
Befehlsempfänger, sondern als Partner. Diese Art der Zusammenarbeit
wollte er nicht; er empfand jegliches Gespräch, wie es im Theater
gang und gäbe ist, als Einmischung.”

Oberender hatte Flimm in einem Brief an das Kuratorium seelische
Grausamkeit vorgeworfen. Der Intendant hätte ihn gedemütigt und von
2007 an jeglichen persönlichen Kontakt verweigert, so der
Schauspielchef, der nach dem Sommer 2009 Salzburg verlassen wird.
Dazu Flimm: “Oberender verwechselt Auseinandersetzungen über das
Programm, also Kritik, mit Mobbing. Ansonsten kann ich anhand meines
Kalenders zeigen, wie oft wir miteinander gesprochen haben.” Nach
einer lauten Auseinandersetzung habe er sich einmal schriftlich
entschuldigt, “darauf bekam ich einen mehrseitigen Brief voller übler
Unterstellungen zurück.”

Den Einwand, dass Flimm Oberender von der Ruhrtriennale her ja
hätte kennen müssen, ließ Flimm im “Die Zeit”-Interview nicht gelten.
“Ich dachte, er würde mir die Türen zu einer Welt öffnen, die ich
nicht mehr so gut kenne: junge Theaterleute, junge Stücke.” Aber da
habe Oberender nicht reüssiert. “Ich habe mich sehr um Oberender
bemüht, ihm stets meine Hilfe angeboten. Er unterstellt mir, dass ich
eifersüchtig auf ihn sei. Das ist der albernste Vorwurf meiner
Karriere.”

Auch er habe die Schwierigkeiten auf dem “schweren Pflaster”
Salzburg unterschätzt, stellte der Intendant fest. “Salzburg ist
jeden Sommer wie ein überhitzter Suppentopf. Da klappert immer der
Deckel”, so Flimm, der noch vor Weihnachten seine nächste
Karriere-Station bekanntgeben will: “Ich habe mehrere Optionen. Ich
gehe wieder an eine Institution – Theater, Oper. Oder als Regisseur
und Lehrer nach Amerika, nach New York. Oder in die Kulturpolitik.”

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