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Flexibel und nicht flexibel

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Es war eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse aus der traditionellen Befragung von Maturakandidatinnen und -kandidaten durch die Industriellenvereinigung sowie die Wirtschaftskammer wenige Monate vor Beginn der Reifeprüfung: 22 Prozent der 1377 Befragten wussten noch nicht, was sie nach der Matura machen wollen.

Sind unsere akademisch vorgebildeten Jugendlichen etwa Zauderer geworden? Unentschlossene und orientierungslose junge Menschen, die keinen Plan haben?

Eine genaue Analyse der repräsentativen Studie zwingt zu anderen Schlüssen. Und zwar zu folgenden: Die jetzigen Absolventen durften sich in einer Zeit boomender Konjunktur reif erklären lassen. Der Aus- und Weiterbildungsmarkt bietet eine fast unüberschaubare Fülle von Möglichkeiten, der Arbeitsmarkt detto. Den Jugendlichen stand ein gutes Angebot von kompetenten Berufsberatungsstellen zur Verfügung, auch wenn sie diese – ein weiteres Ergebnis der Studie – nicht entsprechend nutzten. Kurzum: Den jungen Menschen mit Maturazeugnis in der Tasche steht eine komplexe Welt mit einem vollen Sortiment an Chancen offen. Die im Gegensatz zu früher deutlich gestiegene Bereitschaft zur Mobilität in einer vernetzten Welt multipliziert diese Chancen zudem.

Dass man angesichts solcher Umstände ins Zweifeln kommt und eine Weiterbildungs – bzw. Berufswegentscheidung nach hinten schiebt, ist nachvollziehbar. Probieren geht über Studieren: Da gewinnt wohl ein altes Sprichwort neue Aktualität. Auch wenn es dann letztlich Probieren mit Studieren heißt. Ausgang offen. Während ein Studienfachwechsel früher doch eher als Scheitern interpretiert wurde, stellt sich das heute anders dar. In einer sich immer schneller verändernden Welt sind verschiedenartige Erfahrungen nur dienlich. Die zur Flexibilität verdammten Berufstätigen von morgen können gar nicht vielseitig genug ausgestattet sein.

Die Berufswelt von heute rät zu mehreren Optionen in der Ausbildung.

Wer die Bereitschaft zu Umorientierungen nicht mitbringt, verringert seine Chancen. Trotzdem muss ein Maturabschluss auch heute immer noch mehr sein, als ein erster Schlüssel zum Eintritt in die Weiterbildungs- und Berufswelt. Gerade Maturanten sollten mehr denn je auch jene Grundwerte in unsere Gesellschaft tragen, die immer mehr unter Druck geraten: Respekt, Toleranz, Humanität, die Bereitschaft zum Dialog mit Andersdenkenden. Diese Werte dürfen keine Flexibilität kennen und auch kein Zaudern und Zögern bei der Anwendung.
Klaus Hämmerle
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