Flüchtlingsproteste: Frauen auf Lampedusa im Hungerstreik

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Nach dem Ausbruch mehrerer 100 Immigranten aus dem Flüchtlingslager auf Lampedusa bleibt die Lage auf der italienischen Mittelmeerinsel gespannt. Im Auffanglager traten 16 nordafrikanische Flüchtlinge in Hungerstreik. 

Sie protestierten somit gegen die geplante Abschiebung in ihre Heimatländer. Die italienische Regierung plant in den nächsten Tagen die Ausweisung von 1.200 der rund 1.300 Migranten, die sich derzeit auf der Insel befinden.

Dutzende von Polizisten wurden auf die 20 Quadratkilometer große Insel zwischen Sizilien und Tunesien entsendet. Die italienische Regierung befürchtet Revolten im Auffanglager der Insel. Am Samstag hatten sich rund 650 Flüchtlinge die Öffnung der Lagertore erzwungen und waren protestierend zum Stadtzentrum gegangen. Sie marschierten zum Gemeindeamt Lampedusas auf dem Hauptplatz und skandierten Slogans wie “Freiheit!” und “Helft uns!”. Die Flüchtlinge wurden von den Bewohnern der Insel mit Applaus begrüßt.

Acht Immigranten, die am Samstag aus dem Lager geflüchtet und nicht mehr zurückgekehrt waren, wurden am Montag von der Polizei lokalisiert. Sie versteckten sich in einigen leeren Gebäuden der Insel. Sie wurden in das Auffanglager zurückgebracht.

Für Dienstag ist ein weiterer Streik der Bewohner Lampedusas gegen die Immigrationspolitik der Regierung Berlusconi geplant. Sie protestieren gegen die von der Regierung geplante Errichtung eines zweiten Auffanglagers zur Identifizierung der Flüchtlinge. Die neue Einrichtung soll neben dem bereits bestehenden und chronisch überlasteten Auffanglager etabliert werden. Die Regierung will, dass von jetzt an alle auf Lampedusa ankommenden Einwanderer dort bleiben, um all jene dann direkt wieder nach Nordafrika abschieben zu können, denen kein Asylrecht in Italien gewährt wird. Bisher wurden die auf Lampedusa eingetroffenen Migranten in Auffanglagern auf Sizilien oder in anderen italienischen Regionen gebracht.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni will am morgigen Dienstag seinen tunesischen Amtskollegen treffen, um die Prozeduren zur Abschiebung 1.200 tunesischer Flüchtlinge zu beschleunigen, die sich auf Lampedusa befinden. Die italienische Regierung bemüht sich um den Abschluss bilateraler Abkommen mit den Ländern, aus denen die meisten Immigranten stammen.

Die kleine Insel Lampedusa, die rund 200 Kilometer südlich von Sizilien liegt, ist ein Hauptanlaufpunkt für Bootsflüchtlinge aus Afrika. Im vergangenen Jahr trafen dort nach Angaben des italienischen Innenministeriums knapp 31.700 Flüchtlinge ein und damit 75 Prozent mehr als im Vorjahr. Die zum Großteil aus Afrika stammenden Flüchtlinge fahren meist in nicht hochseetauglichen Booten über das Mittelmeer, um in die Europäische Union zu gelangen. Dabei kamen 2008 nach Schätzungen der Hilfsorganisation Fortress mindestens 1.500 Menschen ums Leben.

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