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Flammeninferno auf den Kanaren

Flammeninferno auf den "Inseln des ewigen Frühlings": Mitten in der Hauptsaison erleben die Kanaren eine der schlimmsten Umweltkatastrophen ihrer jüngeren Geschichte.  

Allein auf Gran Canaria und Teneriffa wüteten die Waldbrände am Dienstag auf einer Fläche von rund 30.000 Hektar. Etwa 10.000 Einwohner und Urlauber mussten vor den Flammen fliehen, Dutzende Häuser brannten nieder.

Wo einst riesige Pinienwälder zum Wandern einluden, stehen mancherorts nur noch verkohlte, qualmende Baumstümpfe. „Die Feuerbestie verschlingt alles, was ihr vor die Augen kommt“, schrieb eine kanarische Zeitung.

Entsetzen herrscht auch unter Insulanern und Touristen. „Verlassen Sie sofort Ihre Häuser, nehmen Sie nur das Nötigste mit!“, schrien Polizisten über Megafon in Mogan im Südwesten von Gran Canaria. Die Flammen hatten die Ortschaft umzingelt und bereits mehrere Häuser erfasst – auch das von Bürgermeister Francisco Gonzalez. „Wie durch ein Wunder ist nicht mehr passiert. Materielle Dinge lassen sich ersetzen, viel wichtiger ist, dass Menschen nicht zu Schaden kamen“, sagte er.

Einige verloren ihr gesamtes Hab und Gut: „Mein Haus und mein Hof sind abgebrannt, alle meine Tiere sind tot. Ich habe nur noch das, was ich am Leib trage“, sagte eine Frau. „Die Lage ist dramatisch“, räumte der kanarische Regierungschef Paulino Rivero ein.

Geräumt wurde auch der beliebte Zoo und botanische Garten „Palmitos Park“. Die Feuerwehr brachte rund 600 Besucher in Sicherheit. Die Tiere wurden frei gelassen, viele von ihnen verbrannten. Die Anlage wurde von den Flammen schwer beschädigt.

Ähnliche Szenen spielten sich auf Teneriffa ab. „Das Feuer hat sich den Berg hinaufgefressen“, sagte der deutsche Besitzer eines Hotels in Puerto de la Cruz. Der Vulkan Teide, mit 3.718 Metern Spaniens höchster Berg, sei wegen der Rauchentwicklung kaum noch zu sehen gewesen. „Ich hatte Angst, sehr große Angst“, erzählte ein Einwohner von Icod de los Vinos. Die Löschtrupps kämpften bei mehr als 40 Grad Hitze gegen die Flammen. Zuweilen schien ihr Einsatz aussichtslos, der starke Wind fachte die Feuer immer wieder an. Zudem wirkt das Harz der Pinien wie ein Brandbeschleuniger. „Die Zapfen explodieren wie Handgranaten und tragen so ebenfalls zur Ausbreitung der Flammen bei“, erklärte ein Feuerwehrmann.

In die Verzweiflung mischt sich immer wieder auch Wut. Zum einen, weil Brandstiftung hinter der Katastrophe steckt: Auf Gran Canaria wurde ein 37-jähriger Forstarbeiter verhaftet, der gestand, das Feuer aus Verärgerung über seine bevorstehende Entlassung gelegt zu haben. Ihm drohen nun bis zu zehn Jahre Haft. Und auch auf Teneriffa sind sich die Behörden ziemlich sicher, dass ein „Feuerteufel“ am Werk war.

Zum anderen werfen die Insulaner den Behörden vor, sie seien schlecht koordiniert vorgegangen und hätten nicht genügend Mittel zur Brandbekämpfung bereitgestellt. „Eine Zeit lang konnte nur ein einziger Löschhubschrauber eingesetzt werden, weil die anderen nicht für Flüge bei großer Rauchentwicklung ausgerüstet sind“, beklagte ein Bürgermeister. Die kanarische Regierung hätte viel früher Hilfe vom spanischen Festland anfordern müssen, sagen andere. Die Tourismusbranche fürchtet um das Image der Inseln. Jedes Jahr kommen rund zehn Millionen Urlauber auf die Kanaren.

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