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Finanzjongleur verzockt Anleger-Millionen

St. Gallen (CH) - Statt satter ­Gewinne müssen mehrere Vorarlberger einen ­Totalverlust verbuchen. Sie hatten ihr Geld der e.brokerline.com AG anvertraut.

Aus Schaden wird man klug. Zu dieser bitteren Erkenntnis sind in den letzten Wochen gleich mehrere Vorarlberger gelangt. Sie hatten ihr sauer Erspartes der Firma e.brokerline.com AG, mit Sitz in St. Gallen, anvertraut. Zwischen 30.000 und 100.000 Euro hatten sie ab dem Jahr 2004 in das ZeroTwo Hedge Fund-Projekt gesteckt bzw. dieser Firma zur Vermögensverwaltung übergeben. Sie alle hofften auf satte Gewinne, wollten zum Teil für ihre Pension vorsorgen. Am Anfang lief alles einigermaßen gut. Kleinere Gewinne wurden ausbezahlt. Doch Anfang Juli mussten sie ihre Hoffnungen auf das große Geld auf einen Schlag begraben. Denn die e.brokerline.com AG hatte sich mit Beschluss der Generalversammlung am 8. Juli aufgelöst. Die Firmen-Verantwortlichen hatten sich verspekuliert, das gesamte Geld verzockt.

Zu viel Risiko

In einem Schreiben an die verunsicherten Investoren, einen Tag vor der Firmenauflösung, hat das der Geschäftsführer sogar indirekt selbst bestätigt. Wegen der Finanzkrise und der damit verbundenen hohen Verluste habe man entschieden, in risikoreichere Anlageformen zu investieren, ist da zu lesen. Doch die Aktienmärkte hätten sich nicht erholt. Statt der erhofften Gewinne war das Geld plötzlich futsch. Deshalb habe man seit 30. Juni 2009 keine Auszahlungen mehr tätigen können.

Ermittlungen laufen

Nun ermittelt das Untersuchungsamt St. Gallen gegen den ehemaligen Geschäftsführer der e.brokerline.com AG. Ihm wird vorgeworfen, dass er den Anlegern trotz hoher Verluste des ZeroTwo Hedge Fund-Projekts und in der Vermögensverwaltung weiterhin eine gute Performance vorgetäuscht habe. Offensichtlich sollten laut Untersuchungsamt die Investoren davon abgehalten werden, aus diesen Investments auszusteigen. Diese schmerzliche Erfahrung musste auch ein Investor aus Vorarlberg machen. Er hatte laut seinem Anwalt, Martin Mennel, im Oktober 2007 über das Dornbirner Büro der e.brokerline.com AG 70.000 Euro in bar einbezahlt. Im April dieses Jahres wollte er 17 der insgesamt 20 Fonds-Anteile wieder verkaufen. Der errechnete Wert damals: 84.000 Euro. Der Geschäftsführer sicherte ihm diese Auszahlung Ende Juli zu. Doch dazu kam es nicht mehr. Denn die Firma hatte sich inzwischen aufgelöst.

Noch weitere Geschädigte?

Rechtsanwalt Mennel, der mehrere Anleger aus Vorarlberg vertritt, glaubt, dass es noch weitere Geschädigte gibt. Er empfiehlt diesen dringend, sich ebenfalls anwaltlich vertreten zu lassen. Für den ehemaligen Geschäftsführer der e.brokerline.com AG gilt übrigens die Unschuldsvermutung. Die Homepage der Firma e.brokerline.com AG ist nach wie vor online. Dort wird nach wie vor um das Vertrauen der potenziellen Kunden geworben. Wörtlich heißt es: „Ihr Interesse an unserem Unternehmen freut uns sehr. Um die Zukunft der e-brokerline.com AG zu sichern, brauchen wir den Willen zum Erfolg. Von diesem Willen muss ganz besonders unser tägliches Handeln getragen sein. Wer auf Erfolgskurs bleiben will, muss den Weg kennen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Wir versichern Ihnen, für Sie am Ball zu bleiben!“, ist da zu lesen.

Bittere Ironie

Und wenn im Untertitel dann noch zu lesen ist „We keep your money in motion“ (Wir halten Ihr Geld in Bewegung), entbehrt das angesichts der konkreten Umstände nicht einer gewissen Ironie. Und die schmeckt für die geschädigten Anleger verdammt bitter.

(Frank Andres/Neue am Sonntag)

 

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