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Finanzierungsfalle Lebensversicherung: Anwalt aus Vorarlberg vertritt Hunderte verzweifelte Kläger

Der Vorarlberger Anwalt nimmt Lebensversicherungen genau unter die Lupe.
Der Vorarlberger Anwalt nimmt Lebensversicherungen genau unter die Lupe. ©DPA
Feldkirch. Mit einer fondsgebundenen Lebensversicherung den Frankenkredit finanzieren - was lange nach einer guten Idee klang, wird nun ein Fall für das Gericht. Der Vorarlberger Rechtsanwalt Hans-Jörg Vogl will die nächsten Tage wegen arglistiger Täuschung im Namen von 600 Klienten klagen.

Im Laufe der nächsten Woche dürfen einige Versicherungen mit Post vom Feldkircher Rechtsanwalt Hans-Jörg Vogl rechnen. Der Inhalt: Eine Vertragsanfechtung wegen arglistiger Irreführung von Klienten beim Verkauf von Lebensversicherungen. “Die Lebensversicherer haben die Kunden arglistig mit Renditen getäuscht, die nie haltbar waren”, ist der Anwalt überzeugt. Er vertritt über den Prozesskostenfinanzierer “Erste Allgemeine Schadenshilfe AG” laut eigenen Angaben an die 600 Mandaten mit an die 850 Lebensversicherungsverträgen. Davon hätten gut ein Viertel die Versicherung als Tilgungsträger in Verbindung mit einem Frankenkredit genutzt.

Verluste statt Kapitalgarantie

Im Dezember 2015 erhielten jedoch viele Anleger eine unangenehme Überraschung per Post. Eine namhafte Versicherung informierte ihre Kunden, dass jede weitere Einzahlung in ihre Lebensversicherung einem Verlust gleichkomme. Der Grund: Die laufenden Kosten des Fonds wären höher als die Rendite. Die Versicherten hatten damit am Ende der Laufzeit nicht nur keinen Kapitalerhalt, sondern einen Verlust.

Österreich als Land der Lebensversicherungen

Kein Pappenstiel für viele Österreicher, vertraute man hierzulande lang auf diese Anlageform. In Österreich gibt es mehr Lebensversicherungsverträge als Einwohner. Der gesamte Schaden beläuft sich daher allein schon auf 40 Milliarden Euro, wenn jeder Österreicher an die 5.000 Euro Verlust verzeichnet, rechnet Vogl vor. Der tatsächliche Schaden der Anleger könne man jedoch nur im Vergleich mit anderen, sicheren Anlageformen und deren Entwicklung feststellen.

Unerfüllbare Renditeversprechungen

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Andreas Brandstetter, Uniqa (Foto: APA)

Bereits 2013 räumte Uniqua-Chef Andreas Brandstetter gegenüber dem Kurier ein, dass man bei der Lebensversicherung Renditen versprochen habe, “die jenseits von Gut und Böse waren”. Vogl geht noch weiter. Aus seiner Sicht seien die fondsgebundenen Lebensversicherungen von vornherein nicht zur Gewinnung von Renditen geeignet gewesen. Schuld seien die hohen laufenden Kosten auf Seiten des Fonds und der Versicherung, die nur mit astronomischen Renditen die versprochenen Erwartungen hätten erfüllen können. Mit den versprochenen Renditenentwicklung habe man daher bewusst Kunden und Makler über die Eignung der Veranlagung getäuscht.

Anfechtung statt Rücktritt

Von einer Anfechtung verspricht sich Vogl mehr als von einem Vertragsrücktritt. “Eine Rücktritt bringt den Geschädigten nicht mehr als eine Kündigung”, betont der Anwalt. Wenn die Versicherung als Tilgungsträger genutzt werde, sei der Rücktritt ausgeschlossen. Zudem drohen den Versicherungsnehmern zusätzlich auch finanzielle Nachteile durch Zinsanpassungen und Fondswertverlusten. Bei einer arglistigen Täuschung könne man jedoch den entstandenen Schaden im Verhältnis zu einer sicheren Anlagemöglichkeit einfordern.

Anwalt prüft strafrechtliche Klage wegen Betrug

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Einer außergerichtlichen Einigung gibt Vogl wenig Chancen. Seiner Erfahrung nach würden Versicherungsunternehmen erst reagieren, wenn eine Klage auf dem Tisch liege. Derzeit würden die einzelnen Fälle nach Art der Versicherung kategorisiert. Ab dem Wochenende will Vogl die Klagsandrohungen den Versicherungen zustellen lassen. Nach einer zweiwöchigen Begutachtungsfrist gehen diese dann an das Gericht. Neben den zivilrechtlichen Klagen prüft der Feldkircher Anwalt auch eine strafrechtliche wegen Betrug aufgrund der unerfüllbaren Renditeversprechungen.

Erfolg im VW-Skandal

Mit großen Prozessen hat der Feldkircher Anwalt Erfahrung: Gerade erst erstritt Vogl im VW-Skandal die Auflösung des Kaufvertrags und die beinahe vollständige Erstattung des Kaufpreises aufgrund der geschönten Abgaswerte.

VOL.AT-Livechat mit Rechtsanwalt Vogl

EAS will die Kläger kostenlos beraten und vor Gericht vertreten, anschließen kann man sich über die Webseite Geldkämpfer.com. Als Prozesskostenfinanzierer ist dies kostenlos, im Fall eines Sieges erhält sie dafür einen im Vorfeld vereinbarten Anteil des erstrittenen Betrages. Am Montag um 14 Uhr stellt sich Rechtsanwalt Vogl den Fragen der VOL.AT-Nutzern im Livechat. Wenn Sie eine Frage rund um die Verluste durch Lebensversicherungen haben, senden Sie uns diese per Mail an redaktion@vol.at oder via WhatsApp. Wir werden so viele Fragen wie möglich weiterleiten.

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