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Filzstift soll Fehler verhindern

Nachdem im LKH Feldkirch eine Oberländerin am falschen Knie operiert wurde, hat das Landeskrankenhaus nun verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in der Unfallchirurgie erlassen.

Körperteil wird markiert

Rund 15 Operationen werden täglich in der Unfallchirurgie durchgeführt, mit einem einfachen Vorgang sollen Eingriffe an Armen und Beinen noch sicherer werden: „Wir markieren seit dem Vorfall alle an Extremitäten zu operierenden Patienten mit einem Filzstift. Ohne Markierung kommt niemand in den Operationssaal“, erklärt Chefchirurg Karl P. Benedetto.

Das System soll Verwechslungen verhindern: Ein Filzstift-„L“ für „linkes Bein“, ein „R“ für „rechtes Bein“.

Benedetto hatte in der gestrigen „VN“-Ausgabe erklärt, die Verwechslung sei „in der Hektik vor der OP“ passiert. Sind Spitalsärzte überlastet?

Benedetto und der Vize-Chefarzt Peter Kompatscher verneinen. „Aber es gibt natürlich Urlaubsphasen und Krankenstände – deshalb kann es hin und wieder zu Engpässen kommen“, schränkt Benedetto ein.

Feldkirch sei das einzige Krankenhaus in Österreich, das ein Krisenmanagementprogramm aus der Flugtechnik habe, so Kompatscher. Das so genannte „Schweizer Käse-Modell“ (CIRS) soll Fehler und Beinahe-Fehler über Abteilungen hinweg analysieren.

Die Ärztekammer sieht Spannungssituationen im Personalbereich. „Wir hätten immer gern mehr Personal. Man muss aber auch sehen, dass mehr Personen beschäftigt sind als noch in den 90 er-Jahren. Aber natürlich gibt es immer wieder Spannungssituationen, wo man am Limit arbeitet“, sagt der zuständige für Spitalsärzte in der Vorarlberger Ärztekammer, Dr. Burkhard Walla.

Fehler-Management

Handlungsbedarf sieht die Ärztekammer beim Fehler- und Beschwerdemanagement. Walla fordert „Checklisten wie in der Flugindustrie“. Das bestehende CIRS habe „nichts mit wirklich geschehenen Fehlern zu tun“. Man brauche wesentlich weitläufigere Fehlervermeidungssysteme.

Auch Patientenanwalt Alexander Wolf schlägt in diesselbe Kerbe: „Ich will, dass es automatisierte Abläufe gibt, wenn ein Fehler passiert ist. Es gibt ein ausgearbeitetes Konzept und ich möchte nun von Landesstatthalter Bischof wissen, ob es umgesetzt wird – oder nicht.“

Fünf Behandlungsfehler

Man werde nie eine Null-Fehler-Quote erreichen, sagt Primar Kompatscher. „Aber wir können sie so klein wie möglich halten.“ Im vergangenen Jahr seien fünf Behandlungsfehler aus dem LKH Feldkirch vor Gericht gelangt, alle seien „positiv für den Patienten“ ausgegangen. „In Relation: Pro Jahr führen wir im Haus 20.000 Operationen durch“, so der Vize-Chefarzt.

Das Krankenhaus dokumentiert seinen Standpunkt unter www.lkhf.at.

Die Primare Kompatscher und Benedetto mussten Journalisten-Fragen beantworten.

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