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"Führt ganzen Wettbewerb ad absurdum"

©VN/Roland Paulitsch
"Rechtlich ändert die Nachjustierung am Hafenprojekt nichts an der Gültigkeit des Architekturwettbewerbs", stellte Helmut Dietrich (von Dietrich/Untertrifaller), seines Zeichens der Repräsentant des Wettbewerbs­ausschusses, gestern auf "VN"-Anfrage fest.

Grundsätzlich seien kleinere Veränderungen an Projekten üblich, es gebe kaum Siegerprojekte in Architekturwettbewerben, die Eins zu Eins umgesetzt würden, so Dietrich.

„Projekt zerzaust“

Allerdings, und diese Aussage treffe er nicht als Repräsentant des Wettbewerbsausschusses, sondern als Architekt, goutiere er diese nachträglich durch einige wenige forcierte Änderung an dem Projekt keineswegs: „Ich persönlich hätte das nicht mit mir machen lassen. Der Wettbewerb war ordentlich ausgeschrieben, es gab eine Fachjury und einen klaren Sieger. Dass das Siegerprojekt im Nachhinein dermaßen zerzaust wird, halte ich für problematisch“, so Dietrich. Eine Bürgerbeteiligung müsste seiner Ansicht nach am Anfang eines Entwicklungsprozesses stehen. „So wie die Entwicklungen der letzten Zeit waren, wird es künftig problematisch in Bregenz. Da braucht es im Endeffekt keinen Wettbewerb und keine Architekten mehr“, meint er konsterniert.

Transparent und offen

Auch Architekt Helmut Kuess, derzeit in den städtebaulichen Planungsprozess an der Seestadt Bregenz eingebunden, ortet im Hafen-Prozedere „katastrophale Entwicklungen“: „Im Endeffekt wird damit das gesamte Wettbewerbswesen ad absurdum geführt. Man muss sich die Frage stellen, welche Funktion man als Architekt überhaupt noch hat – sowohl, wenn man an so einem Wettbewerb teilnimmt, wie auch, wenn man in der Jury sitzt“, sagt Kuess. Er plädiere für maximale Transparenz und Offenheit gegenüber der Bevölkerung – so wie sie derzeit in der Planung der Seestadt bereits vorherrschten. Die Entscheidungen müssten aber von Fachpersonen getroffen werden. „Sonst geht es am Ende nur noch darum, ob ein Bänkchen nun rot oder blau gestrichen wird. Das entbehrt doch jeder fachlichen Grundlage. Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass Stadtplanung und Architektur doch Fachgebiete sind“, befindet er.

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