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Feuerwerk und Eleganz: Mark Minkowski bei der Mozartwoche

Es gibt im Moment wohl weltweit kein Ensemble klassischer Musik, das geschlossener und homogener an einem Strang zieht wie Les Musiciens du Louvre aus Grenoble.

Mark Minkowski hat dieses Orchester im Jahr 1982 gegründet und seither mehr oder weniger permanent am Klang der “Musiciens” gearbeitet. Mit ihren alten, darmsaiten-bespannten Streichinstrumenten, historischen Paukenkesseln oder hölzernen Blasinstrumenten sorgen die Franzosen seither zunehmend für exemplarische Interpretationen alter Musik. So auch heute, Montag, Vormittag bei der Mozartwoche in Salzburg.

Schon im ersten Takt der Ballett-Pantomime “Don Juan ou Le Festin de pierre” von Christoph Willibald Gluck stellten Minkowski und sein Orchester klar, dass es heute mehr zu hören gibt als konventionell wiedergegebene Musik der Klassik. Mit samtig-schlankem Klang und meist ohne Vibrato, dabei dynamisch alle Facetten vom krachend-derben Fortissimo bis zum innig gehauchten Piano nützend, mit fetzig-federnden Rhythmen und körperlich spürbarem Spaß am Musizieren fegten die Musiker durch die Partitur. Wie aus einem Guss wurden die Bögen geführt, perlende Flöten-Kaskaden wechselten mit lyrisch-weichen Klarinetten-Gesängen, und die bauchige Pauke brachte das Feuerwerk auf den Punkt ohne der Eleganz ein Haar zu krümmen.

Jede Phrase ist da mit Sinn und Leben erfüllt, alles pulsiert und atmet. Und im Wirbelsturm sinnlichen Musizierens gelingt es diesem Team wie kaum einem anderen, die Struktur der Werke deutlich zu machen. Plötzlich tauchen aus der so oft gehörten Jupiter-Symphonie KV 551 Seitenmotive auf, die bisher kaum wahrgenommen wurden. Nicht weil sie bequem liegen und daher gut klingen, sondern weil andere Instrumentengruppen plötzlich in halber Lautstärke spielen, ohne dabei Tempo zu verlieren. Zwar ändert auch Minkowski immer wieder die Tempi und knüppelt nicht in einer sturen Metronom-Zahl durch die selten oder auch viel begangene musikalisch Landschaft. Aber immer stehen die Tempi in organischer Proportion zueinander, selbst wenn sich der eine oder andere Lauf im halsbrecherisch wirbelnden vierten Satz der C-Dur Symphonie dann technisch beim besten Willen nicht mehr ausgeht.

Dazwischen überließen die Franzosen der schwedischen Mezzo-Sopranistin Anne Sofie von Otter den Fokus der Aufmerksamkeit, und diese setzte auf zwei Mozart-Arien vor und drei Gluck-Arien nach der Pause. Otters großes Vibrato raubte ihr – wie jedes Vibrato jeder Sängerin – einiges von der Klarheit ihrer Melodieführung. Und doch, mit ihrem Weltklasse-Piano, das sie organisch mit dem dramatisch-eruptiven Gestus verband ohne je die stimmliche Kontrolle zu verlieren, reihte sie sich würdig ein in ein exemplarisch vitales Orchesterkonzert.

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