Hört ihr Leut und lasst euch sagen...

Über Geschichten, Sagen und Kurioses erzählte Nachtwächter Markus Pastella  und berichtete, was sich im Laufe der Jahrhunderte an Freud und Leid in Feldkirch zugetragen hat
Über Geschichten, Sagen und Kurioses erzählte Nachtwächter Markus Pastella und berichtete, was sich im Laufe der Jahrhunderte an Freud und Leid in Feldkirch zugetragen hat ©Helmut Köck
Nachtwächterführung

Auf verschlungenen Pfaden führte der Nachtwächter und erzählte Geschichten über die historische Montfortstadt.

Feldkirch. Bereits seit 2006 sind diese Stadtführungen der etwas anderen Art fixer Bestandteil im Rahmen der Erlebnisführungen. Geschichten, Sagen und Kurioses über die Montfortstadt werden dabei erzählt und historische Plätze aufgesucht.

So trafen sich zahlreiche Gäste und Einheimische und wollten die Stadt erkunden. Und es wartete schon “Nachtwächter” Markus Pastella, ausgerüstet mit Laterne, Horn und Hellebarde. Die Blicke der Teilnehmer richteten sich auf sein mittelalterliches Gewand und sie lauschten gespannt auf seinen Nachtwächterruf “Hört ihr Leut und lasst euch sagen…’.

Im Mittelalter

“Die Stellung eines Nachtwächters war nicht von besonderem Rang, jedoch im Mittelalter sehr wichtig”, berichtet der begeisterte Hobbyhistoriker Markus Pastella, welcher auch ausgebildeter Fremdenführer ist. “Man versetze sich in diese Zeit, wo es kein elektrisches Licht, keine Kanalisation gab und wo sich auch ungebetenes Gesindel herumtrieb. Es gab immer wieder Brände und auch Krankheiten”, so Pastella weiter.

bedeutenden Sohn der Stadt

Der historische Rundgang begann beim Katzenturm bei den Resten der Stadtmauer und führte weiter zum Domplatz. Auch da erfuhren die Teilnehmer Geschichte über den Dombau. Besonderes Interesse zeigten die beiden Jungs Luis und Felix, die im Geschichteunterricht gut aufgepasst hatten und spontan den Baumeister Hans Sturn nennen konnten. Ausführliche Erklärungen gab es über den wohl bedeutendsten Sohn Feldkirchs, Georg Joachim Rheticus, der 1514 in Feldkirch geboren wurde und die Welt veränderte: Wäre er nicht gewesen, hätte Nikolaus Kopernikus sein revolutionäres Hauptwerk über das neue, heliozentrische Weltbild weder vollendet noch veröffentlicht.

Weiter ging es zum Rathaus, der früheren Kornkammer der Stadt. Feldkirch war damals wichtige Handelsstadt. Jung und alt folgten begeistert dem “Nachtwächter”, der die Geschichte sehr lebhaft und launig vermitteln und so Manchen in diese Zeit versetzen konnte. Interessantes wurde über Kaiser Maximilian berichtet, dessen Bildnis an der Rathauswand verewigt ist. Er liebte Feldkirch, den Wein und die Frauen. Und der Feldkircher Wein mundete ihm besonders, da er sich erlaubte, sich hier immer wieder mal ein “Räuschchen” anzutrinken.

Entenbachgasse

Selbst überrascht war Markus Pastella über den momentan offenen Graben in der Entenbachgasse, wo zur Zeit Leitungen verlegt werden. Eine kuriose Geschichte dazu durfte nicht fehlen. Im Mittelalter diente der Entenbach dazu, jeglichen Unrat aus den Fenstern in die Gasse zu schütten. Sonntags war dies jedoch verboten. Ein Anwohner entsorgte jedoch seinen Nachttopf und traf einen feinen Bürger, der zu Gericht ging. Der Täter wurde verurteilt und der Richter meinte “Nicht gezielt, aber gut getroffen”.

Traumhaft eröffnete sich dann der Blick von der Neustadt zur Schattenburg, dem damaligen Sitz der Montforter. Über verschlungene Gässchen ging der nächtliche Rundgang zur Marktgasse, zum Johanniterhof, wo auf die “Schwurhand” an der Laubendecke verwiesen wurde. Zum Abschluss gab es noch Geschichten vor dem Zeughaus. Die Bürger verwahrten ihre leichten Waffen zuhause, schwere Waffen wie Hackenbüchsen, kleine Geschütze samt Munition, verwahrte die Stadt im Zeughaus.

“Mir hat es sehr gut gefallen , besonders der geschichtliche Hintergrund hat es mir angetan”, so Maria Böckle aus Levis. “Wir haben im Jahr 2006 mit den Nachtwächterführungen im Rahmen der Erlebnisführungen Feldkirch begonnen. Im ersten Jahr hatten wir 5 Nachtwächterführungen. In den letzten Jahren fanden diese Führungen großen Anklang, sodass wir bis heute 49 Nachtwächterführungen verbuchen können an denen 833 Personen teilgenommen haben”, schildert Angelika Tschug vom Stadtmarketing. Nach über 1,5 Stunden Rundging ging es zum Weihnachtsmarkt , wo die Teilnehmer den Abend, gemütlich bei einer Tasse Punsch oder Glühwein, gespendet vom Stadtmarketing, ausklingen ließen.

Wer in den Genuss dieser originellen Stadtbesichtigungen kommen möchte, sollte sich unbedingt beim Stadtmarketing und Tourismus Feldkirch unter Tel. 05522 73467 Tourismusverband rechtzeitig anmelden.Die 50. Nachtwächterführung ist am 16. Dezember 2010, Treffpunkt um 17 Uhr beim Sparkassenplatz.

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