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FC Lustenau: Das traurige Ende vom Lied

Laut Informationen der "Neue am Sonntag" hat die Vorarlberger Gebietskrankenkasse vor Tagen den Insolvenzantrag gegen den FCL gestellt.
Laut Informationen der "Neue am Sonntag" hat die Vorarlberger Gebietskrankenkasse vor Tagen den Insolvenzantrag gegen den FCL gestellt. ©VOL.AT/Philipp Steurer
Der FC Lustenau steuert unwiderruflich seinem Ende entgegen. Die Vorarlberger Gebietskrankenkasse hat mittlerweile den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt.

Das 1:1 gegen BW Linz könnte einer der letzten Auftritte der Blau-Weißen gewesen sein. Nach Informationen der Neue am Sonntag hat die Vorarlberger Gebietskrankenkasse bereits vor Tagen den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gegen den FC Lustenau gestellt. Es ist dies wohl der administrative Auftakt zur engültigen Abwicklung des Vereins. Dessen Schicksal liegt nunmehr in den Händen des Landesgerichts Feldkirch. Dieses entscheidet bis frühestens Ende nächster Woche, ob die Zahlungsunfähigkeit bzw. Überschuldung gegeben ist. Im Falle des FC Lustenau wohl nur ein Formalakt, an ein Wunder, ergo die Begleichung der ausständigen Forderungen, wagen nicht einmal notorische Optimisten zu glauben.

Ist das Konkursverfahren erst einmal eröffnet, obliegt es der Verantwortung eines Masseverwalters, über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Die für den FC Lustenau bestmögliche Option wäre ein Ausgleichsverfahren, ein erfolgreicher Abschluss desselben würde bedeuten, dass der Verein FC Lustenau 1907 erhalten bliebe und mitunter gar die Saison zu Ende gespielt werden könnte. Grundvoraussetzung: Der Konkursverwalter findet genügend liquide Mittel, um eine Fortsetzung des Spielbetriebs zu garantieren.

Ein Fass ohne Boden

Ob beim FC Lustenau diese Voraussetzung gegeben ist, darf zum gegenwärtigem Zeitpunkt als äußerst unwahrscheinlich bezeichnet werden. Dem Vernehmen nach hat der Verein so gut wie keine Eigenmittel mehr, die Hoffnung auf externe Geldgeber ist praktisch inexistent. Und dass Präsident Dieter Sperger nochmals einen großen Auftritt als Mäzen hat, darf aus diversen Gründen nahezu ausgeschlossen werden. Auch langjährige Sponsoren haben sich in den letzten Wochen zunehmend abgewandt und öffentliche Mittel zur Rettung eines Profivereins sind zumindest in Vorarlberg nicht vermittelbar. Die Bedenken sind allesamt nachvollziehbar, schließlich will niemand Gelder in einem bodenlosen Fass versenken.

Auflösung des Vereins

Viel wahrscheinlicher ist ein anderes Szenario, auch wenn diesem einiges an Schrecken innewohnt: Da nicht mit einem tragfähigen Sanierungsplan zu rechnen ist, wird am bitteren Ende des Konkursverfahrens wohl die Liquidation des FC Lustenau stehen.

Handlungsunfähig ist der FCL aber schon jetzt: Denn der Antrag der Gebietskrankenkassa bedeutet auch, dass der Verein derzeit – mit Ausnahme sogenannter „Zug um Zug-Geschäfte“ keine offenen Forderungen (etwa Löhne) bedienen kann, schließlich könnte ein solcher Akt den Interessen anderer Gläubiger zuwiderlaufen. Wie lange sich die Spieler mit der für sie unbefriedigenden Situation abfinden werden, ist offen. In deren Haut möchte man nicht stecken: Angestellte eines Vereins, der die Gehälter nicht zahlt und ohne Handlungsspielraum, denn auch die Statuten der Bundesliga meinen es nicht gut mit ihnen: Zwar dürfen vertragslose Spieler grundsätzlich auch außerhalb der Transferperiode wechseln, im Frühjahr allerdings nur bis zum ersten Spieltag.

Immerhin zeichnet sich für die Akteure ein Silber­streif am Horizont ab: Über den Insolvenz­ausgleichfonds sind zumindest vier Monatsgehälter gesichert, im Endeffekt werden sie also für ihre Mühen auch entlohnt werden.

Neugründung geplant

Angsichts der drohenden Vereinsauflösung wird im Hintergrund bereits eifrig an Alternativlösungen gebastelt. Vorrangigstes Ziel ist es, dem Nachwuchs und den Amateurmannschaften bei einer etwaigen Liquidierung des FC Lustenau auch in Zukunft eine Heimat zu bieten.

Soll heißen: Ehemalige FCLer basteln schon jetzt an einer Neugründung des Vereins, die Gemeinde Lustenau und auch der VFV sind in die Gespräche eingebunden.

Kassasturz

Persönlich involviert ist auch Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer, der in der derzeitigen Situation ebenfalls nicht zu beneiden ist: „Die Lage um den FC Lustenau ist schlicht undurchschaubar. Uns fehlt der Einblick in die genauen Zahlen.“ Diese sollen aber nun auf Druck der Gemeinde endlich auf den Tisch, das Steuerbüro des Vereins erarbeitet aktuell einen Statusbericht. Nach offizieller Lesart will die Gemeinde erst diesen Kassasturz abwarten, inoffiziell rechnet man mit dem schlimmsten Fall.

Bis dieser eintrifft, bleiben Dilemmaentscheidungen nicht aus, wie auch folgendes Beispiel belegt: Natürlich will die Kommune insbesondere dem Nachwuchs und den Amateuren auch in der laufenden Saison mit Fördergeldern einen reibungslosen Spielbetrieb garantieren, allerdings birgt die jetzige Situation so manche Tücke: Beim FC Lustenau ist die Profiabteilung nicht ausgegliedert, sondern der Verein als Ganzes ein Rechtsubjekt. Es ist also faktisch unmöglich etwaige Zahlungen zweckzubinden – es grüßt das alte Lied von der Gläubigerbegünstigung.

Doppelte Spielerverträge

Aufgrund der dramatischen Entwicklungen der letzten Tage, ist ein Thema mit ordentlich Zündstoff ein wenig in den Hintergrund gerückt: Die Rede ist von den doppelten Spielerverträgen. Das Adjektiv „angeblich“ darf man wohl sich schenken, selbst Sperger soll deren Existenz in verschiedenen Gesprächen (unter anderem mit der Gemeinde Lustenau) schon durchblicken lassen und den strafrechtlich relevanten Rahmen auf etwa 60.000 Euro beziffert haben. Was nach den sprichwörtlichen Peanuts klingt, akkumuliert sich mit Strafzahlungen zu einer Summe, die der FC nicht einmal im Traum stemmen könnte.

Ob Spergers Angaben sich mit der Realität decken, ist im Übrigen keineswegs gesichert. Für gewöhnlich gut infomierte Quellen malen zumindest ein ganz anderes Schreckensbild: Demzufolge soll der Aktenordner tatsächlich so prall gefüllt sein wie ursprünglich kolportiert und Doppelverträge aus den Jahren 2002-2010 enthalten. Mit Kopfrechnen kommt man angesichts der Dimension nicht weit, auf den FC Lustenau könnten gar Forderungen im siebenstelligen Bereich zukommen. Sei’s wie’s sei, die Staatsanwaltschaft wird beizeiten für Aufklärung sorgen, viel Staub in der Asservatenkammer ansetzen wird der ominöse Ordner wohl nicht.

Sperger schweigt

In Summe bleibt ein un­überwindbarer Berg an Problemen, den der Verein höchstwahrscheinlich nicht abtragen wird können. Bleibt nur noch eine Frage offen: Was sagt eigentlich Präsident Dieter Sperger zu all dem? Zumindest der Neue am Sonntag gegenüber wollte er sich zur Causa nicht äußern, auf telefonische Anfrage am Samstag meinte er nur lapidar: „Ich bin derzeit in Lech am Skifahren und habe andere Sorgen.“ Das mag man ihm – angesichts der Gerüchte, die sich derzeit insgesamt um seine Person ranken – auch glauben.

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