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Faschingsende

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Im Fasching könnten sich die MenschInnen Eigenschaften zulegen, die ihnen das ganze Jahr über nicht eigen sind: Witz, Kritik, Humor, Mut, Radikalität. Das zumindest läge nahe. Das Gegenteil aber ist der Fall. Das Kostüm, in das der die das BürgerIn schlüpft, repräsentiert den dekadenten Abklatsch jenes Narrentums, das einmal, wenn’s nicht eine Mär ist, der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten hat.

So verlassen in der Fasnat die BürgerI ihre Ikea-Stuben und Dan-Küchen, um sich den deutschen Narrenhut aufzusetzen und eine von GemeindeplotikerI subventionierte Narrenuniform überzustülpen. Weil sich die meisten aber allein nicht auf den Weg trauen, benötigen sie eine Organisation, die kollektiv Mut macht und die Belastung, luschtig sein zu müssen, abnimmt. Fasnatzunft, Funkenzunft und Faschingsgilde sind die Formen der Vorallembergler Luschtigkeit, kopiert nach Rheinischem Vorbild. Hell? Au! Der Anschluss wurde mit der Narrenkappe a bitzele wieder hergestellt. Übersehen wurde dabei, dass sich der den RheinländerI angestammte Karnevalshumor auf die VorallemberglerI kaum übertragen lässt.

Den VorallemberglerI liegt die organisierte Luschtigkeit nicht. Egal. Dann eben halb luschtig, aber wenigstens ganz durchorganisiert. Die Adaption des höfischen Zeremoniells befriedigt die immerwährende Sehnsucht nach Krone & Zepter, Thron & Orden, Promi & Macht. Alljährlich wird ein biederes Pärchen mit Geld, dessen wichtigste Eigenschaft darin bestehen muss, nicht allzu klug zu sein, zum Prinzen-, Ritter- oder Grafenpaar von und zu ghöriger Lächerlichkeit ernannt. Statt sich die Anarchie des Narren anzueignen, sucht man Zuflucht in der höfischen Hierarchie ebenso wie im Gleichschritt beim Umzug. Was beim Friseur im Boulevardblatt bewundert wird, darf man jetzt kurz selber sein. Vorsicht! Als Trump gehen ischt luschtig, als Greta aber nicht. Ich geh drum heuer als Schneekanone, mein Bruder als Eisbär. Wir kommen gleich nach dem KlimaschützerInnenzug. Die sogenannten Karnevals-Sitzungen, in denen die Kappenfunktionäre mit schlechten Reimen die PlotikerI lieblich necken, man ist ja in der gleichen Partei, werden dem Mainzer Vorbild nachgeholpert.

So setzt sich der Narrenkappler das Hirschgeweih, das sonst auf seinem Balkon hängt, im Fasching selber auf.

Und weil der Luschtige im Winter nicht Rasenmähen kann, entlädt sich der seit Oktober aufgestaute Ordnungstrieb in Vereinsmeierei. Die Einfallslosigkeit findet im Wiederholen eines selbst erfundenen Fasnatsrufes den stupiden Höhepunkt: „Leata-Leata. Spälta, Spälta. Duri, Duri. He. Wo. A Wildsau. Ore, Ore. Nafla-Nafla. Rollolo. Hocky-Hocky-Umor-Hocky. Bäzo-Aho. Jöri. Jöri. Stierle-Stierle-Hoch“. Hat man je Dümmeres vernommen?

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