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Fall um Serien-Vergewaltiger erschüttert Londoner Polizei

Der Fall eines Serienvergewaltigers erschüttert Großbritannien.
Der Fall eines Serienvergewaltigers erschüttert Großbritannien. ©Jonathan Brady/PA via AP
Der Fall eines Serien-Vergewaltigers in den eigenen Reihen erschüttert die Londoner Polizei: Ein britischer Polizist hat vor Gericht 24 Fälle von Vergewaltigung und zahlreiche weitere sexuelle Übergriffe gestanden. Die Londoner Metropolitan Police räumte am Montag Versäumnisse im Umgang mit dem Fall ein. Der Mann hätte demnach früher gestoppt werden können.

Der 48-jährige David Carrick, der einer Einheit zum Schutz von Abgeordneten und Diplomaten angehörte, erschien am Montag vor einem Londoner Gericht und bekannte sich schuldig, im Jahr 2003 eine 40-jährige Frau vier Mal vergewaltigt zu haben. Bei einer Anhörung im Dezember hatte er bereits 20 weitere Vergewaltigungen eingeräumt.

Eine Vertreterin der Londoner Metropolitan Police entschuldigte sich im Namen der Behörde bei Carricks Opfern. "Wir hätten sein Verhalten bemerken müssen, und weil wir das nicht getan haben, haben wir die Gelegenheit verpasst, ihn aus dem Verkehr zu ziehen", gestand sie ein. Carrick habe seine Stellung als Polizist dazu missbraucht, "schreckliche, entwürdigende Verbrechen" zu begehen.

Der Polizist war im Oktober 2021 nach einer Anzeige wegen Vergewaltigung festgenommen worden. Wie die Polizei jetzt einräumte, stellte sich bei einer gründlichen Überprüfung seiner Akte heraus, dass bereits Vorwürfe wegen häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und Belästigung gegen den Ex-Soldaten vorlagen, bevor er in den Polizeidienst eintrat. Auch während er im Polizeidienst war, gab es demnach weitere Beschwerden gegen Carrick. Dennoch wurden lange Zeit keine strafrechtlichen Ermittlungen und auch kein internes Disziplinarverfahren gegen Carrick eingeleitet.

Neben den vier Vergewaltigungen räumte Carrick am Montag ein, die Frau ihrer Freiheit beraubt und sexuell genötigt zu haben. Im Dezember hatte er bereits sexuelle Übergriffe gegen elf weitere Frauen in einem Zeitraum von 16 Jahren bis September 2020 eingestanden, darunter 20 Vergewaltigungen.

Chefinspektor Iain Moor sagte am Montag vor Reportern, er rechne damit, dass sich weitere Opfer melden. Carrick habe seine Stellung als Polizist ausgenutzt, um den Frauen zu verstehen zu geben, "dass es nutzlos sei, Hilfe zu suchen, weil ihnen niemand glauben würde". Seine Opfer habe er "auf zerstörerischste Weise" behandelt. Staatsanwältin Jawant Narwal sprach von einem "der schockierendsten Fälle", mit denen die Ermittlungsbehörde je zu tun gehabt habe.

Die Metropolitan Police steht nach einer Reihe von Skandalen bereits massiv in der Kritik. Für Empörung sorgte vor allem die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der Londonerin Sarah Everard durch einen Polizisten im März 2021. Der inzwischen entlassene Beamte Wayne Couzens, der ebenfalls in einer Einheit zum Schutz von Abgeordneten und ausländischen Diplomaten diente, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich "angewidert und entsetzt" über den neuen Fall. "Die Londoner sind zu Recht schockiert, dass dieser Mann so lange für die Met arbeiten konnte, und es müssen ernste Fragen beantwortet werden, wie er seine Position als Polizist auf diese schreckliche Weise missbrauchen konnte", sagte er.

Nach Angaben der Ermittler lernte Carrick seine Opfer über Dating-Apps oder in Bars kennen und nutzte seine Position als Polizist aus, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Anschließend kontrollierte, attackierte und erniedrigte er sie. Das Gericht will Anfang Februar das Urteil gegen Carrick verkünden.

Innerhalb der Metropolitan Police läuft derzeit eine großangelegte Untersuchung zu möglichem Fehlverhalten oder Straftaten von Beamten. Laut Met gehören dazu mehr als 1.600 Fälle von mutmaßlichen Sexualstraftaten oder häuslicher Gewalt.

In einem im November vorgelegten Bericht war Teilen der britischen Polizei zudem ein weitverbreitetes frauenfeindliches und rassistisches Verhalten vorgeworfen worden. Für Bewerber sei es "zu leicht, in den Polizeidienst zu gelangen und dort zu bleiben".

(APA/AFP)

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