Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Fachkräftemangel: Wie man seine Mitarbeiter behält

Glückliche Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg.
Glückliche Mitarbeiter sind entscheidend für den Erfolg. ©rawpixels.com via pexels.com
Der Kampf um die besten Talente endet für Unternehmen nicht mit dem unterschriebenen Arbeitsvertrag. Fachkräfte langfristig zu halten ist eine Herausforderung für sich. Das neue Zauberwort heißt „Employee Experience“. Doch wie handhaben das österreichische Tech-Unternehmen?

Mehr als 160.000 Fachkräfte fehlten laut einer WKÖ-Studie Mitte 2018 in Österreich. Rund 10.000 sind es Schätzungen zufolge allein im IT-Bereich. Der vielzitierte “War for Talents” hat längst auch hierzulande begonnen. Und er wird an unterschiedlichen Fronten ausgetragen. Immer mehr Unternehmen setzen etwa im Marketing auf Employer Branding, also das Anpreisen der Vorzüge des Unternehmens für Mitarbeiter. Diese Vorzüge tatsächlich auch zu bieten ist aber eine andere Sache. Das neue Zauberwort im Umgang mit dem Fachkräftemangel heißt Employee Experience. Darüber, was man den Mitarbeitern tatsächlich bieten muss, um sie zu halten, scheiden sich aber die Geister. Auch bei aufstrebenden österreichischen Tech-Unternehmen verfolgt man unterschiedliche Ansätze.

Employee Experience

Weitgehende Einigkeit besteht darin, dass die Employee Experience mit dem Recruiting-Prozess beginnt. “Dabei gilt: Speed Kills. Hier haben wir durchaus auf harte Weise gelernt, dass es viel Übersicht und Fokus auf den Prozess braucht. Hier können Fehlleistungen einzelner gleich viel kaputt machen”, erklärt Michael Kräftner, Gründer und Geschäftsführer des oberösterreichischen IT-Unternehmens Celum, das mehr als 100 Mitarbeiter in fünf Ländern beschäftigt. Auch Peter Steinberger, Gründer und CEO des Wiener Startups PSPDFKit (ca. 40 Mitarbeiter), hat seinen Recruiting-Prozess über mehrere Jahre immer mehr ausgereift, wie er erzählt. Bei ihm bestehe zudem der Spezialfall, dass der Großteil des Teams weltweit verstreut arbeite, sagt Steinberger.

Ohne Recruiter und Agenturen

„Wir nutzen keine Recruiter oder Agenturen. Die Team-Leiter und die Geschäftsführung übernehmen den Prozess direkt”, erklärt der Gründer. Die wichtigste Frage stünde dabei gleich am Beginn: „Wie wichtig ist es den Bewerbern tatsächlich, die Position zu bekommen. Mit ein paar Fragen dazu können wir traurigerweise bereits ca. 90 Prozent sehr früh herausfiltern”. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Klaus Müller, CEO des Wiener Startups 123sonography (ca. 30 Mitarbeiter). “Mann muss sich für das Hiring Zeit nehmen. Im ersten Schritt versuche ich zu ergründen, für was an unserem Unternehmen die Bewerber brennen. Erst wenn wir eine gewisse Passion wahrnehmen, geht der Prozess nach einem ‚Acht-Augen-Prinzip‘ weiter. Dann gilt: Wenn bei irgendjemandem Zweifel bestehen, entscheiden wir uns gegen den Bewerber”.

Kulturelle Diversität in Unternehmen

Dieser Prozess sei der erste Schritt im wichtigsten Segment der „Employee Experience“ bei 123sonography: der Unternehmenskultur. „Culture eats strategy for breakfast“, zitiert Müller. Ein Teil dieser Kultur sei der Grundsatz der kulturellen Diversität im Unternehmen. Auf diese setzt man auch beim Wiener Startup TourRadar (ca. 150 Mitarbeiter in drei Ländern), wie Gründer und CEO Travis Pittman erzählt. Zugleich unterstützt man dort Mitarbeiter aus dem Ausland mit mehreren Maßnahmen. „Wir bieten etwa Gratis-Deutschkurse bei uns im Büro. Zum Start bekommen die Mitarbeiter einen ‚Onboarding Partner‘, der bei Dingen wie Visumsantrag, Kontoeröffnung und Wohnungssuche hilft“, erzählt Pittman.

“Chief Fun Officer” bei TourRadar

In Sachen Unternehmenskultur setzt der TourRadar-Gründer auch stark auf gemeinsame Aktivitäten. Dazu zählt ein wöchentliches Sport-Angebot ebenso wie gemeinsamer Kaffee und Kuchen am Freitag, bei dem sich das Team austauschen kann. Und der monatlich wechselnde “Chief Fun Officer” sorgt für die Organisation zusätzlicher firmeninterner Events, etwa auch zu Geburtstagen von Teammitgliedern. Einmal im Jahr findet ein zweitägiger gemeinsamer Trip statt. Gemeinsame Aktivitäten sind auch Michael Hirschbrich, Gründer und CEO des auf künstliche Intelligenz spezialisierten Unternehmens Updatemi, wichtig. „Wir gehen mindestens einmal pro Saison auf Firmenkosten Skifahren und versuchen zudem auch mal Kegeln, ins Kabarett oder Gokart-Fahren zu gehen. Das ist jedes Mal etwas anderes”, erzählt er.

Autonomie und Vertrauen

Am wichtigsten ist Hirschbrich in Sachen Employee Experience jedoch etwas anderes: Individualität positiv zu nutzen. „Wir machen ein monatliches Meeting, bei dem Mitarbeiter dem Team über ihre spannendsten Themen erzählen können. Vom Hobby, bis zu Künstlicher Intelligenz in Spezialgebieten, Games oder auch Politik ist alles erlaubt. Daraus entstehen auch mal kleinere Projekte und der Wissensstand in der ganzen Firma hebt sich”. Generell sollen sich bei Updatemi die “besten und klügsten Ideen und Inputs” durchsetzen – “völlig gleich von wem sie kommen”. Es ist ein verwandtes Thema, das Peter Steinberger von PSPDFKit knapp zusammenfasst: “Autonomie und Vertrauen sind die wichtigsten Anreize”.

Spiel-Möglichkeiten im Büro

Da Steinbergers Team aber eben auf der ganzen Welt verteilt arbeite, würden bei ihm auch Maßnahmen wie Sport-Aktivitäten oder der in Startups klischeehafte Tischfußballtisch im Büro automatisch wegfallen. Das ist etwas, das bei TourRadar durchaus eine Rolle spielt. „Wir haben verschiedene Spiel-Möglichkeiten und etwa auch einen Hometrainer im Büro, die jederzeit genutzt werden können”, erzählt Travis Pittman. Celum-Gründer Michael Kräftner sieht die Thematik differenziert: „Bei den Anreizen vom Tischfußballtisch bis zur Playstation gilt eher, dass Mitarbeiter einen gewissen Level an ‚Entertainment‘ zwar erwarten, aber skeptisch werden, wenn man es übertriebt”, sagt er.

“CELUMians” sollen sich wohlfühlen

Kräftner legt in der Employee Experience besonderen Wert auf die Ausgestaltung des Büros. „Bei den Büros geht es uns im Kern darum, eine Umgebung zu schaffen, in der sich ‚CELUMians‘ wohl fühlen. Warmes Holz, Klimatisierung und eine einzigartige Umgebung, etwas ab von der klassischen Google-, Startup- oder 0815-Umgebung. Außerdem bieten wir ‚role based working‘ – also Großraum oder kleinere Arbeitsräume je nach Arbeitsprozess. In jedem Fall gibt es überall viele Rückzugsmöglichkeiten, um einmal den Kopf frei zu kriegen”, sagt der Celum-Gründer.

Viel Raum für die Mitarbeiter

Michael Hirschbrich sieht diese Frage noch etwas radikaler: „Wir legen besonders viel Wert auf einen völligen Gegentrend zum ‚Open Office‘-Konzept, wo möglichst viele Menschen auf möglichst kleinem Raum arbeiten. Wir versuchen, unsere Büros so zu gestalten, dass pro Mitarbeiter möglichst viel Raum zur Verfügung steht”. Man habe bei der Gestaltung auch die Mitarbeiter stark eingebunden. „Das ging von der Tischwahl, bis zu den technischen Geräten und Gadgets”, erzählt Hirschbrich.

Prämien für Mitarbeiter

Und wie sieht es mit den klassischen finanziellen anreizen aus? “Die sind im Startup halt schwer”, räumt 123sonography CEO Klaus Müller ein. Und Peter Steinberger meint lapidar: „Man muss die Leute einfach besser bezahlen”. Travis Pittman hingegen setzt auf Prämien. Und zwar in Form von TourRadar-Gutscheinen: 1575 Euro pro Jahr sind es für jeden Mitarbeiter – auch für Teilzeit-Kräfte.

Finanzielle Sondervergütungen?

Michael Kräftner hat mit dem Thema bereits intensive Erfahrungen gemacht: “Bei finanziellen Sondervergütungen ist es wirklich spannend. Einerseits sollen sie bei uns Partizipation am Unternehmenserfolg erlauben andererseits wollen wir überragende Leistungen auch direkt ‚belohnen‘. Gerade bei Letzterem gab es aber durchaus, trotz größter Transparenz, auch Situationen wo – nennen wir es beim Namen – Neid aufgekommen ist. Das hat uns überrascht und wir haben den Prozess nachgebessert”.

Text von Gastautor Dominik Perlaki / der brutkasten.com

 

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Startups
  • Fachkräftemangel: Wie man seine Mitarbeiter behält
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen