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Exklusives Gespräch: Proteste in Hong Kong werden immer brutaler

Zahlreiche Menschen protestieren in Hong Kong gegen die Regierung.
Zahlreiche Menschen protestieren in Hong Kong gegen die Regierung. ©AP
Chaos und Gewalt bestimmen den Alltag der Bevölkerung in Hong Kong. Ein Ende ist nicht in Sicht. VOL.AT im Exklusivinterview mit Al, einem Studenten aus Hong Kong.
Welle der Gewalt in Hongkong
Hong Kong versinkt in Gewalt
Ausschreitungen in Hong Kong

Von: Aida Omerovic (VOL.AT)

"Ich habe Angst um mein Leben, die Lebensgefahr ist allgegenwärtig", sagt der 22-Jährige Al (bleibt zum persönlichen Schutz anonym). Er ist Chinese, studiert Medizin und lebt in Hong Kong. Im Zuge eines sozialen Projekts war er einige Zeit als Praktikant in Vorarlberg und meint im Interview sogar: "Vorarlberg ist das schönste Bundesland der Welt! Die Menschen, die ich kennengelernt habe, haben mein Leben bereichert."

Im exklusiven VOL.AT-Interview berichtet er über die massiven Proteste in Hong Kong. Zur Anmerkung: Dieses Gespräch wurde vor den Bezirksratswahlen in Hong Kong am 24. November geführt.

Keine Spur von Demokratie

„Die Lage in Hong Kong fühlt sich für mich einfach nur unrealistisch an. Es ereignen sich Dinge, die ich in meiner Stadt niemals für möglich gehalten hätte", sagt Al. Seit bereits fünf Monaten bebt die Sonderverwaltungszone Hong Kong unter Protesten. Was mit einer friedlichen Demonstration begann, hat über die Monate hinweg an Brutalität zugenommen.

„Ein Land, Zwei Systeme“ - das Grundgesetz der Regierung Hong Kongs versprach bis zum Jahr 2047 dem Volk die allgemeinen Menschenrechte und Demokratie einzuhalten – nur ein Versprechen. Die Kommunistische Partei Chinas interpretiert dieses Gesetz nun vollkommen anders und behauptet, es sei nur ein "historisches Dokument". Genau wie Al fühlt sich ein Großteil der Bevölkerung nun betrogen und unfair behandelt. Das führte dazu, dass zwei Millionen Menschen seit 16. Juni 2019 immer wieder auf die Straßen gingen. Damit riefen sie bei der Regierung Widerstand hervor.

Situation drastisch verschlimmert

Al fürchte sich in die Öffentlichkeit zu gehen: "Ich riskiere es geschlagen, festgenommen oder vergiftet zu werden. Die Regierung hetzte Polizisten und etliche Gangster auf die Zivilisten", sagt Al. Die Bürger würden mit scharfer Munition, Tränengas und Blendgranaten attackiert. Zudem seien sie massiven Prügelattacken, wahllosen Verhaftungen und langem Aufenthalt in Polizeistationen ausgesetzt. Von einer Stadt, die einst der Wohlstand prägte, sei nun nicht mehr viel übrig geblieben. "Bisher wurden mehr als 4.400 Menschen verhaftet. 521 Menschen strafrechtlich verfolgt. 9124 Kanister Tränengas verwendet. Und kein einziger Polizist für irgendeine Tat verantwortlich gemacht", berichtet der Student.

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Zu Beginn friedlich protestiert

"Ich bin froh darüber, dass wir einen der größten und friedlichsten Proteste weltweit veranstaltet haben, in denen wir von der Regierung nicht mehr verlangten als Freiheit und Demokratie", teilt Al mit. Er nahm selbst teil an einigen friedlichen Protesten und Versammlungen, unter anderem an der mit zwei Millionen Teilnehmern. "Ich möchte der nächsten Generation keine Gesellschaft hinterlassen, die das Unrecht der Regierung über sich ergehen lässt und voller Akzeptanz still bleibt", sagt der Student aus Hong Kong.

Nach skandalösen Aktionen der Regierung, hätten die Bürger mit noch friedlicheren Protesten "zurückgekämpft" und sich vor der Brutalität der Polizei geschützt. Trotz allem wurde den Protestierenden die Schuld zugeschoben. Laut Al reflektiert die Regierung somit einen Mangel an Respekt und erhöht die Spannung zwischen den Bürgern und der Polizei.

"Dennoch bin ich stolz darauf Hongkonger zu sein. Wir haben beispiellose Tapferkeit, Kreativität und Zusammenhalt im Laufe der bisherigen Proteste demonstriert und viele verschiedene Methoden entwickelt, um die Bewegung aufrechtzuerhalten", ergänzt der Student.

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"Hong Kong war einst eine der sichersten Städte weltweit."

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Gewaltbereiter Widerstand

"Hong Kong war einst eine der sichersten Städte weltweit. Nun ist das nicht mehr der Fall", erwidert Al. Unschuldige Bürger, die sich in der Nähe eines Protests aufhalten, würden es riskieren, grundlos geschlagen oder verhaftet zu werden. Die Gefangenen teilen der Öffentlichkeit gezwungenermaßen und vor laufender Kamera mit, dass sie keinen Suizid begehen würden oder keine erkennbaren Verletzungen am Körper hätten. "Manche Menschen, die von der Polizei verhaftet wurden, verschwinden jedoch spurlos bevor es überhaupt zum Prozess kommt", sagt Al und ergänzt: "Spekulationen besagen, dass die Verhafteten Suizid begehen, in dem sie von Hochhäusern oder in Seen springen. Es ist einfach entsetzlich."

Humanitäre Krise

Die Situation in der Stadt sei vor allem außer Kontrolle geraten, als die Polizei dachte, dass viele der Protestierenden Studenten seien. Sie versuchten die Chinesische Universität Hongkong zu stürmen und belagerten die Polytechnische Universität. Al berichtet: "Viele Studenten litten an enormen Verletzungen, da sie von der Polizei mit Tränengas, Gummigeschossen, Blendgranaten und Pfefferspray angegriffen wurden. Nahrungsmittel, Wasser sowie ärztliche Versorgung wurde den Schwerverletzten der Polytechnischen Universität nicht gewährleistet."

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"Die Szenen waren absolut chaotisch."

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Laut Al steht Gewalt bereits auf der Tagesordnung. Das schlimmste Ereignis, welches er miterlebte war, als ein Polizist zwei Jugendliche mit scharfer Munition angeschossen hat. Der Hongkonger arbeitete in der Nähe und verfolgte das Geschehen per Live-Stream übers Internet mit. "Der bewaffnete Beamte schoss ohne Vorwarnung auf die beiden Teenager. Die Szenen waren absolut chaotisch. Als der angeschossene Junge fliehen wollte, wurde er von dem Polizeibeamten auf den Boden gedrückt. Am Ende lag der Junge leblos auf dem Boden in einer Lache von Blut."

Für die Zukunft hofft Al auf internationale Unterstützung und ist der Überzeugung: "Wir haben etwas besseres verdient, und ich glaube schwer daran, dass sich die Dinge ändern werden, wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen."

(Red.)

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