Existenziell menschliche Themen

Vasily Barkhatov, ein Regisseur mit beeindruckendem Portfolio, inszeniert „Sibirien“ von Umberto Giordano.

In der Region ist Vasily Barkhatov durch Insze­nierungen von „Chowanschtschina“ von Mussorgsky, „Der Spieler“ von Prokofjew und „Madama Butterfly“ von Puccini am Theater Basel bekannt. An der Deutschen Oper in Berlin war er Regisseur der Uraufführung von „L’Invisible“ von Aribert Reimann. 1983 in Moskau geboren, wurde er am Institut für Theaterkunst ausgebildet, absolvierte aber auch einen Studienaufenthalt bei Peter Konwitschny in Berlin. Es folgten sehr rasch Arbeiten an Theatern in Moskau und St. Petersburg wie dem Mariinski- und dem Michailowski-Theater.

Sein breites Repertoire, dem zu Beginn auch Schauspielproduktionen angehörten, verdeutlicht auch ein Blick in die Zukunft. Nach der Inszenierung von „Sibirien“ von Umberto Giordano, die nach der Premiere in Bregenz im Theater Bonn auf den Spielplan kommt, ist er unter anderem am Theater an der Wien tätig, wo im kommenden Jahr „Der Idiot“ von Mieczyslaw Weinberg Premiere hat.  An der Deutschen Oper Berlin folgt „Simon Boccanegra“ von Verdi. In „Sibirien“ spielen filmische Elemente eine wesentliche Rolle, für die Inszenierung von „Simon Boccanegra“ sind sie angekündigt. Mit zeitgenössischem Musiktheater sei er durch Aufzeichnungen von Aufführungen von Willy Decker, Peter Konwitschny, Calixto Bieito, Jossi Wieler und Sergio Morabito in Berührung gekommen, die seine Berufswahl bestärkten.

Auf das Publikum zugehen

Mit Barkhatov eine wesentliche Frage zu erörtern, nämlich, wie der Tatsache zu begegnen ist, dass Opernhäuser nur von bestimmten Publikumsschichten frequentiert werden, ist aufschlussreich. Wer keine gute Produktion sieht, werde wohl kaum wiederkommen. Seine erste Begegnung als Kind mit „Fürst Igor“ von Borodin in Moskau sei ein Desaster gewesen, aber schließlich konnte er später erfahren, welche existenziell menschlichen Themen mit diesem Genre zum Ausdruck gebracht werden. Als 18-jähriger Student in Berlin sah er noch viele junge Leute in den Opernhäusern. Bei Recherchen im Archiv des Michailowski-Theaters hatte er festgestellt, dass einst viel Zeitgenössisches –  etwa auch „Jonny spielt auf“ von Krenek – auf dem Programm stand und die Publikumsränge dabei voll besetzt waren.

In der Konkurrenzsituation durch den Film, das Fernsehen und nun durch die digitalen Angebote gelte es, auf den Bühnen Qualität zu zeigen und auf das Publikum zuzugehen. CD

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Jetzt im Fokus 2
  • Existenziell menschliche Themen
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.