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"Ex und Hopp" fordert Weiterentwicklung des Drogenkonzepts

Bernhard Amann, Obmann des "Ex und Hopp"
Bernhard Amann, Obmann des "Ex und Hopp" ©VOL.AT
Dornbirn - Inzwischen ist das letzte Drogenkonzept des Landes  zehn Jahre alt. Die Kontakt- und Anlaufstelle "Ex- und Hopp" fordert von der Politik eine Adaptierung in der Suchthilfe.

Bernhard Amann, Obmann des “Ex und Hopp”, äußert sich kritisch über die Vorarlberger Drogenpolitik. Diese würde sich aus dem öffentlichen Leben verabschieden, so die Meinung von Amann. Er bemängelt den fehlenden Mut der Politiker sich  “mit Themen zu beschäftigen, die einer Lösung bzw. Minimierung der Probleme harren, jedoch nicht dem vorherrschenden Politmaistream entsprechen”.

Unterstützung statt Kontrolle gefordert

Amann kritisiert, dass nicht die Unterstützung der betroffenen Menschen im Vordergrund stünde, sondern deren Kontrolle und Überwachung. Zudem würde laut Amann zusätzliches Antragswesen und die Weitergabe von persönlichen Daten an die Landesregierung den Zugang für eine kontinuierliche Begleitung und Betreuung erschweren. Viele Hilfesuchende seien aus nachvollziehbaren Gründen nicht bereit, ihre Daten und die Beschreibung ihrer persönlichen Problematik an die Landesregierung preiszugeben.

Infrastruktur und Einrichtungen verbessert

Amann ist zwar erfraut darüber, dass die Infrastruktur der Suchthilfeeinrichtungen verbessert wurde, wie beispielsweise der Neubau der Kontakt- und Anlaufstelle Ex & Hopp, oder jene der Entzugsstation Lukasfeld. Der fachliche Bereich hätte jedoch einen erheblichen Reformbedarf.

Der Obmann des “Ex und Hopp” fordert daher in einer Aussendung , folgende Adaptierungen in der Suchthilfe zu etablieren:

1. Drogengebrauchsräume:
Seit Beginn der 90er Jahre fordern wir die Implementierung von Räumen, in denen unter sterilen Bedigungen mit fachlicher Aufsicht Drogen konsumiert werden. Das Ziel dabei ist es, problematischen bzw. hochriskanten Drogenkonsum und einher gehende Folgeschäden bei Suchtkranken oder Suchtgefährdeten zu verringern. Dazu gehören insbesondere Infektionskrankheiten und Überdosierungen. Nur wenn drogenabhängige Menschen ihre Sucht mit geringstmöglichen Folgeschäden überleben, besteht überhaupt die Chance einer erfolgreichen Behandlung. Unsere Stelle hat im vergangenen Jahr 180.000 Spritzen abgegeben. Ein Teil der KonsumentInnen sind gezwungen, an öffentlichen Örtlichkeiten unter untragbaren hygienischen Bedingungen die Substanzen intravenös zu konsumieren. Da ja der Konsum in unserer Stelle verboten ist kommt es vor, dass im Umfeld konsumiert wird und vereinzelt Spritzen gefunden werden. Dies fordert auch die BürgerInneninitiative Ex & Hopp, ein Zusammenschluss unserer neuen Nachbarschaft, welche für ein solches Projekt bereits Unterschriften gesammelt haben.

2. Kontrollierte Heroinabgabe
Die kontrollierte Heroinabgabe ist in unseren Nachbarstaaten wie Schweiz und Deutschland eine anerkannte Substitutionstherapie. Die gesundheitlichen Nebenwirkungen sind weitaus geringer als jene der in Österreich praktizierten Substitutionsmittel wie Methadon, Subutex, Substitol uvm. Auch der Beikonsum von Medikamenten zur Minimierung der negativen Nebenwirkungen wie beispielsweise Benzodiazepine wird erheblich reduziert.

3. Entbürokratisierung und Persönlichkeitsschutz
Die Abschaffung des Antragswesens und der Ausbau der anonoymen Beratung, Betreuung und Begleitung. Damit ist ein niedrigschwelliger Zugang für Betroffene garantiert und das Angebot wird deutlich stärker genutzt. Mit dem Abbau der Bürokratie kann frei gewordene Zeit für die so wichtige Beziehungsarbeit verwendet werden. Weiters ist diese Massnahme ganz im Sinne des Persönlichkeits- und Datenschutzes.

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