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Ex-Frau ins Koma getreten - 14 Jahre Haft für 33-Jährigen

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Weil er seine Ex-Frau im April dieses Jahres ins Koma getreten hatte, ist ein 33-Jähriger am Freitag im Wiener Landesgericht von einem Schwursenat (Vorsitz Andreas Böhm) zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Die Geschworenen befanden den angeklagten gebürtigen Iraker mit 7:1 Stimmen des versuchten Mordes schuldig.

Die Frage, ob er eine schwere Nötigung an der Freundin des Opfers begangen hatte, bejahten alle acht Geschworenen.

Der Beschuldigte, der sich nicht geständig im Sinne der Anklage verantwortet hatte, nahm den Richterspruch ruhig auf. Er verzichtete auf Rechtsmittel. Dennoch ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.


Vorbericht:

33-Jähriger prügelte Ex-Frau ins Koma – Prozess

Ein Streit um ein Handy oder Eifersucht oder eine Auseinandersetzung, weil er die Füße auf dem Tisch hatte: So genau ließ sich das Motiv für einen unfassbaren Gewaltexzess eines 33-Jährigen nicht mehr eingrenzen, bei dem er seine Ex-Frau Mitte April diesen Jahres ins Koma geprügelt haben soll.

Sie befindet sich seither in Spitalsbehandlung. Es ist zweifelhaft, ob sie je wieder voll hergestellt sein wird. Ihr Ex-Mann musste sich am Freitag wegen versuchten Mordes vor einem Schwursenat im Wiener Landesgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) verantworten.

Die Ehe der beiden, sie war Serbin, er Iraker, war im September 2005 einvernehmlich geschieden worden: „In Wahrheit war es eine Scheidung für die Familie. Wir waren noch zusammen“, sagte der Angeklagte. Als er für ein paar Monate in Amerika war, sei seine Frau bei seiner Rückkehr wie ausgewechselt gewesen. Er zog aus, sah aber die Kinder, wenn er wollte. „Ihr Papa hat mir gesagt, sie wird heiraten, sie hat einen Freund, sie macht Gruppensex und so“, schilderte der 33-Jährige die Vorgeschichte.

Als sie am 15. April dieses Jahres von einem Heimaturlaub in ihre Wohnung in Floridsdorf zurückgekehrt war, kam er zu ihr, um seine Sachen abzuholen. Eine 19-jährige Freundin der Frau war ebenfalls anwesend. Zunächst ging es um die Füße auf dem Tisch, die zu einer Auseinandersetzung führten. Die Freundin wurde mit den Kindern in den Hof spielen geschickt. Wenig später kam auch die zum Tatzeitpunkt 35-jährige Mutter, weinend und bereits verletzt, dazu. So war es zumindest laut Aussage der 19-Jährigen. Der Angeklagte sagte, sie sei in die Knie gegangen, aber noch nicht verletzt worden.

Wenig später kehrten die Frauen mit den Kindern in die Wohnung zurück. „Ich habe Angst gehabt, ich wollte nicht zurück“, sagte die Zeugin. Die Darstellung des 33-Jährigen: Es habe sich ein Streit um sein Handy entwickelt, außerdem habe ihm seine Ex-Frau gesagt, dass sie wieder heiraten wolle. Nachdem die 35-Jährige noch einmal mit seinem Mobiltelefon weggelaufen sei, kam es zu der Auseinandersetzung. „Ich stieß sie weg.“ Dann habe er ihre Hände festgehalten, sie sei zu Boden gegangen. Mit der rechten Hand habe er ihre Brust niedergedrückt, um ihr sein Handy zu entreißen.

Dann sei er aufgestanden, seine Ex-Frau blieb liegen. „Sie war 100 Prozent wach“, schilderte er dem Gericht. Da habe er sie getreten, „drei Mal, 100 Prozent“. Nach dem ersten Tritt habe sie ihn „noch ein bisschen angeschaut“. Nach dem dritten Mal nicht mehr: Sie habe geschnarcht. Er kümmerte sich nicht weiter um das Opfer, sondern holte die Freundin zum Koffer packen. „Ich habe gedacht, sie lügt schon wieder“, begründete er seine Teilnahmslosigkeit gegenüber seiner Ex-Frau. Der 19-Jährigen beschied er nur: „Du sollst nicht die Polizei rufen.“ Bedroht habe er sie nicht.

Die Version der Zeugin klang etwas anders. Ihre Freundin sei zu Boden gegangen, weil ihr Ex-Mann sie gewürgt habe. Die 35-Jährige sei durch das Würgen bewusstlos geworden. Dann habe er sich mit einer Hand an der Wand angehalten und gerade von oben gegen ihren Kopf getreten. „Sehr oft, mit voller Wucht“, sagte die 19-Jährige. Dann habe er die Vorzimmertür zugemacht. „Ich habe geglaubt, jetzt ist es aus“, erklärte sie dem Gericht ihre eigene Angst.

Als sie ihre Freundin mit einem Fuß leicht anschubste, um festzustellen, ob diese noch lebt, soll er gesagt haben: „Lass sie in Ruhe, sie ist noch bewusstlos, sie wird wieder aufstehen.“ Dann kam eine Drohung: „Wenn ich die Rettung oder die Polizei rufe, wird er uns alle umbringen, hat er gedroht“, schilderte er dem Gericht. Deshalb holte sie erst Hilfe, als der 33-Jährige bereits weg war.

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