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Europa hielt im Gedenken an die Flutopfer inne

Millionen Menschen haben Mittwochmittag in Europa mit drei Schweigeminuten der Flutopfer in Asien gedacht. In vielen Städten standen Busse und Bahnen still, Rundfunkstationen unterbrachen das Programm.

Zu den Schweigeminuten hatte der EU-Ministerrat aufgerufen.

Zu dem Gedenkakt der EU-Institutionen in Brüssel versammelten sich die Kommissare Joaquin Almunia, Danuta Hübner, Dalia Grybauskaite und Stavros Dimas sowie EU-Parlamentspräsident Josep Borrell im Zentrum des EU-Viertels. Vor den Gebäuden der EU-Institutionen wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Auch die öffentlichen Transportmittel in der belgischen Hauptstadt und EU-Metropole unterbrachen ihren Dienst.

Auch Österreich gedachte der Opfer, Flaggen auf zahlreichen öffentlichen Gebäuden wehten auf Halbmast. Die Radio- und Fernsehprogrammen des ORF unterbrachen ihre Sendungen. Bei den ÖBB erinnerten auf den größeren Bahnhöfen und in den Zügen Durchsagen an die Schweigeminuten, zudem gab es entsprechende Hinweise in den Wiener U-Bahnen, die ebenso stehen blieben wie die Autobusse und Straßenbahnen. Ein ähnliches Bild bot sich in anderen Städten Österreichs. In vielen Betrieben hielten die Menschen für ein paar Minuten inne.

In Berlin unterbrach die Regierung laufende Konferenzen, Besuche und Gespräche. In vielen deutschen Städten stoppten Busse und Bahnen für drei Minuten. Auch Reisende in Zügen und auf Bahnhöfen gedachten der Opfer der Flutkatastrophe in Asien. Um 12.00 Uhr wurden Fahrgäste und Bahnhofsbesucher bundesweit mit Durchsagen um ein kurzes Schweigen gebeten.

Die großen deutschen Fernsehsender zeigten in den drei Minuten Bilder der Flutkatastrophe. Die Musiksender MTV und Viva strahlten während der Schweigeminuten Standbilder aus, während der österreichische Musiksender gotv ein flottes Video von Destiny’s Child zeigte. Die großen Radiosender spielten getragene Musik.

Griechenland wehte die Fahne auf der Akropolis, dem Wahrzeichen Athens, auf Halbmast. In Italien schlossen viele Geschäfte während der Trauerminuten die Türen. In Spanien liefen im Fernsehen Schwarz-Weiß-Bilder der Katastrophe, im Hörfunk Trauermusik. Auch die Börse stellte ihren Betrieb drei Minuten lang ein. In der Schweiz läuteten eine Viertelstunde lang die Kirchenglocken.

Auf unterschiedliche Weise gedachten die Bürger der skandinavischen Länder der Flutopfer. Während in ganz Schweden das öffentliche Leben für drei Minuten still stand, wurden in Dänemark lediglich alle Flaggen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt. Die Regierung lehnte die in allen anderen 24 EU-Ländern angesetzten Schweigeminuten ab, weil man bereits am Montag national zwei Gedenkminuten angesetzt hatte.

Gedenkminuten in Wien

In drei EU-weiten Schweigeminuten wurde am Mittwoch um 12.00 Uhr der Opfer der Flutkatastrophe in Asien gedacht. Die Österreichische Öffentlichkeit hielt den Gedenkakt recht unterschiedlich ein. Wo man die öffentlichen Aufrufe akustisch verstehen konnte, zeigte sich große Betroffenheit in den Gesichtern der Menschen. Bei den Wiener Linien wurden Straßen-, U-Bahnen und Autobusse für eine Minute lang angehalten. Am Stephansplatz läutete drei Minuten lang die „Stephanus-Glocke“.

Nur teilweise erfuhren die Passagiere am Wiener Westbahnhof, dass es sich bei der Durchsage um 12.00 Uhr um einen Aufruf zu einer Schweigeminute hielt. Der Hall verschluckte Teile der Botschaft. Für internationale Reisende gab es keine Ansage auf Englisch. Jene, die den Aufruf verstanden hatten, verharrten tatsächlich schweigend. Man sah Menschen vor den Rolltreppen abrupt stehen bleiben. Gesenkte Köpfe, betroffene Gesichter und vor dem Körper gefaltete Hände zeigten, dass die Trauer über die Katastrophe tief sitzt und die Anteilnahme ernst gemeint ist.

In der Passage zwischen U-Bahn und Westbahnhof ging das Leben auch während der Schweigeminute weiter. Man hätte keine besondere Veränderung gemerkt, meinte ein „Amnesty-Spendensammler“. Er und seine herbeigeilte Kollegin finden jedoch eine Andacht sinnvoll: „Natürlich soll man gedenken, wenn 200.000 Leute sterben“, so der junge Mann zur APA.

Ähnlich sahen es die Leute auf dem Stephansplatz. „Man geht ohnehin viel zu schnell zum Alltag über. Eine solche Aktion lässt uns wenigstens für ein paar Minuten inne halten“, meinte ein ältere Dame. Ihr Begleiter meinte: „Aber viel wichtiger ist es, den Betroffenen jetzt zu helfen.“

Die Wiener Linien hielten für eine Minute ihre Straßen-, U-Bahnen und Autobusse an. Ein Fahrer der Straßenbahnlinie D berichtete, in seinem Zug sei es ganz still gewesen. „Keiner hat geredet oder gefragt, warum nicht weitergefahren wird.“ Und für den Zeitplan sei es auch kein großes Problem gewesen, man sei einfach in die nächste Station eingefahren und habe gewartet. Auf den Straßen sei jedoch sonst nicht viel zu merken gewesen. An Autolenkern und Fußgängern dürften die Schweigeminuten vorbeigegangen sein.

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