EU will Landwirten und Gärtnern Einheits-Saatgut vorschreiben

EU bringt Anbau von Kultursorten in Gefahr.
EU bringt Anbau von Kultursorten in Gefahr. ©VOL.AT/Stiplovsek
Die Europäische Union will den Anbau von Obst und Gemüse in Gärten regulieren: Alte und seltene Sorten haben kaum eine Chance auf eine Zulassung, ihr Anbau soll strafbar werden - sogar, wenn er im privaten Garten erfolgt.

Das dürfte das Herz der Agrar-Multis höher schlagen lassen: Ihre Lobbyisten in Brüssel haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Schon seit längerem ist den Saatgut-Großkonzernen der freie Handel und Austausch von Saatgut, insbesondere jener alter Kultursorten – in Österreich etwa durch das Arche-Noah-Netzwerk betrieben – ein Dorn im Auge. Dieser hat Gärtner bisher unabhängig gemacht. Schließlich kann aus den alten Sorten stetig neues Saatgut gewonnen werden, welches in unveränderter Stärke keimt. Ein klarer Vorteil gegenüber den Hybrid- oder gar Terminator-Sorten, die die Multis so gerne konkurrenzlos auf den Markt werfen würden.

Kommt Mega-Saatgut-Kartell?

Dieses neue, “designte” Saatgut kann patentiert werden, der Anbau also ganz klar eingeschränkt oder gar verboten werden. Das Ziel hinter diesen Plänen: Ein gewaltiges Saatgut-Kartell bestehend aus wenigen Großkonzernen, welches die gesamte Lebensmittelproduktion kontrolliert. Schon heute werden kleinere Konkurrenten mittels Anzeigen von Monsanto und Co. dazu gezwungen, ausschließlich ihr Saatgut zu kaufen. In Zukunft drohen nun auch Verwaltungsstrafen.

Ziel: Nur mehr amtlich zugelassenes Saatgut

Schon in der Vergangenheit wurde der Versuch gestartet, den Handel mit alten Kultursorten einzuschränken – oder im günstigsten Falle sogar gänzlich zu verbieten. Doch jetzt fährt Brüssel die ganz großen Geschütze auf: Wie “deutsche-wirtschafts-nachrichten.de” berichtet, arbeitet die EU-Kommission an einer Neuregelung des europäischen Saatgut-Marktes in Form einer Verordnung. Damit wird eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2012 verrechtlicht: Landwirte dürfen nur mehr amtlich zugelassenes Saatgut verkaufen. Bisher waren alte und seltene Saatgut-Sorten ausgenommen, die in althergebrachter Tauschwirtschaft gezüchtet und in meist kleinen Mengen gehandelt wurden.

Saatgut-Tausch: Es drohen Strafen

Setzt die Kommission “ihre” Vorstellungen durch, dürfen Kleinbauern oder Privatleute selbst gezüchtetes Saatgut in Zukunft nicht einmal mehr verschenken. Weiters wird die verpflichtende Registrierung aller Sorten zu einer kompletten Vereinheitlichung führen. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft ist damit vollständig von der Saatgut-Weitergabe ausgeschlossen, heißt es im Begleittext zu einer gemeinsamen Petition von Arche Noah und Global 2000. Für sie sei das Zulassungsverfahren für Saatgutarten mit unüberwindbaren bürokratischen und finanziellen Hürden verbunden. Zudem befürchten die Umweltschützer eine strenge amtliche Überwachung. Beim Tausch nicht zugelassener Saatgut-Sorten drohen hohe Strafen. Auch für den Konsumenten wäre diese Verordnung von klarem Nachteil. Er hätte kaum mehr Wahlfreiheit, was auf seinem Teller landet.

Die Zeit läuft

Umweltschutzorganisationen laufen nun Sturm gegen die geplante Regelung. Doch ihr Protest dürfte ohne Wirkung verhallen. Vielmehr müssten mehrere Mitgliedsstaaten gegen die geplante Verordnung auftreten. Noch ist Zeit: Die EU-Kommission soll am 6. Mai “ihren” Entwurf vorlegen, danach muss sich das EU-Parlament damit beschäftigen. Sollte das Parlament die Verordnung durchwinken, dürften Privatleute ihre Obst- und Gemüseprodukte nicht mehr verbreiten, wenn sie nicht den EU-Normen entsprechen.

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