Euro-Finanzminister rechnen mit Normalisierung der Inflation

Das für Kochen und Heizen dringend nötige Gas wird zum teuren Gut
Das für Kochen und Heizen dringend nötige Gas wird zum teuren Gut ©APA/dpa
Die Finanzminister aus dem Euroraum rechnen mit einer Normalisierung der Inflation im nächsten Jahr. Die zuletzt deutlich angezogenen Steigerungsraten seien weitgehend temporärer Natur, hieß es nach einem Treffen der Finanzminister am Montag in Luxemburg. Im September war die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 3,4 Prozent überraschend hoch ausgefallen. Hauptgrund waren die deutlich höheren Energiepreise.

Die Inflation lag damit klar über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Eine Normalisierung im nächsten Jahr würde aber der Erwartung der EZB entsprechen. Eurogruppen-Chef Paschal Donohoe sagte, die steigende Inflation sei kein Argument gegen die Pläne der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden. Darüber habe im Kreis der Finanzminister Einigkeit bestanden.

Vor Beginn der Sitzung hatten mehrere Staaten EU-Maßnahmen gegen die steigenden Energiepreise gefordert. "Das ist kein Thema, das wir auf nationaler Ebene angehen können. Wir glauben, dass wir eine europäische koordinierte Antwort brauchen", sagte etwa die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calvino.

Spanien habe unter anderem vorgeschlagen, eine europäische strategische Energiereserve zu kreieren. Auch der griechische Finanzminister Christos Staikouras forderte "konkrete Maßnahmen auf dem europäischen Level." Der französische Finanzminister Bruno Le Maire verlangte ebenfalls ein stärkeres Eingreifen in den Energiemarkt, da seiner Ansicht nach Strompreise während der Energiewende weiter steigen dürften. "Es ist notwendig, die Situation des Energiemarktes anzugehen, denn er ist nicht für das gemacht, was wir erreichen wollen, und das ist der Kampf gegen den Klimawandel", sagte Le Maire. Man müsse Gasvorräte besser regulieren und den Strompreis vom Gaspreis entkoppeln.

Le Maire sprach sich in dem Kontext auch für Investitionen in die Atomenergie aus. "Wenn wir erfolgreich im Kampf gegen Klimawandel sein wollen, brauchen wir eine Atomproduktion, Atomkraftwerke und mehr Investitionen in Atomenergie", sagte er. Frankreich hat mehrfach gefordert, die Kernenergie von der EU als eine umweltfreundliche Technologie ansehen zu lassen. Deutschland hat sich strikt gegen ein solches Vorhaben gestellt. Die Diskussionen dazu dauern an. "Ich denke, dass es wichtig ist, die Rolle von Atomenergie - einer Energie mit wenig Kohlenstoffdioxid - in unserem gesamten Energiemix und den Anstrengungen zur Dekarbonisierung anzuerkennen", sagte EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis.

Energiepreise - besonders der Gaspreis - sind seit Anfang des Jahres rasant angestiegen. Laut Daten von Eurostat waren sie im September 17,4 Prozent höher im Euroraum als ein Jahr zuvor. Mehrere Mitgliedstaaten haben bereits auf nationaler Ebene eingegriffen, um Haushalte vor untragbaren Strom- und Heizungsrechnungen zu schützen.

Trotz der Forderungen nach EU-Maßnahmen gegen den Preisanstieg blieb unklar, wie und ob die Behörden in Brüssel kurzfristig eingreifen können. "Koordination ist der Schlüssel", sagte Paolo Gentiloni, der in der Kommission ebenfalls für Wirtschaft zuständig ist. Die Europäische Kommission will in den kommenden eine "Toolbox" vorlegen, um Mitgliedstaaten zunächst in ihren jeweiligen Maßnahmen zu unterstützen. Gentiloni sagte, die Vorschläge von Spanien, Frankreich und Griechenland zum gemeinsamen Einkauf oder Lagerung von Energie seien auch Teil der Diskussionen. Das Thema werde bei einem Gipfel der EU-Regierungschefs am 21. und 22. Oktober weiter diskutiert.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hatte im Vorfeld der Sitzung gesagt, man verfolge "die Entwicklung jedenfalls ganz genau". Blümel wollte gegenüber seinen Amtskollegen auch das Thema "europäische Schuldenpolitik" adressieren. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) befürchtet nämlich schon das Schlimmste in diesem Bereich, sollte es in Deutschland zur Bildung einer SPD-geführten Bundesregierung kommen.

(APA/Reuters/dpa)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Wirtschaft
  • Euro-Finanzminister rechnen mit Normalisierung der Inflation
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen