EU-Beschwerde von Vogelschützern wegen Kormoran-Abschussverordnung

Bregenz - Die Naturschutzorganisation BirdLife Österreich und die Naturschutzanwaltschaft haben gegen den Abschuss von Kormoranen im Vorarlberger Natura 2000-Gebiet Rheindelta Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Die von der BH Bregenz im Dezember 2008 erlassene Verordnung hebe für das Schutzgebiet wesentliche Verbote einfach auf, begründete die Vorarlberger Naturschutzanwältin Katharina Lins.
LR Egger hält an Abschussplan fest

Die Vogelschützer, die eine Verlängerung der Verordnung fürchten, fordern stattdessen eine Verträglichkeitsprüfung, bei der auch Organisationen außerhalb der Behörde Parteienstatus haben.

Durch die derzeitige Regelung würden etwa das Befahren der gesperrten Wasserflächen, das Betreten der gesperrten Landflächen und das Verbot der Lärmerzeugung und der Jagd aufgehoben, “und das, obwohl für den vielzitierten fischereiwirtschaftlichen Schaden durch Kormorane bis heute keine nachvollziehbaren, wissenschaftlich erhobenen Zahlen vorliegen”, bemängelten die Vogelschützer. Zudem beeinträchtigten die Vergrämungsabschüsse der Nest bauenden Kormorane andere geschützte Arten beim Brut- und Aufzuchtgeschäft.

Die beanstandete Verordnung sieht drei Möglichkeiten eines Abschusses des fischfressenden Wasservogels vor. Zielsetzung ist es, den Bau weiterer Kormorannester außerhalb der etablierten Kolonie im Naturschutzgebiet Rheindelta zu verhindern und so Schäden für die Fischerei zu verringern. Als Koordinationsstelle wurde der Naturschutzverein Rheindelta eingesetzt. Dort war am Dienstag zu erfahren, dass bisher alle Maßnahmen “ordentlich abgewickelt” wurden, und das “möglichst schonend”. Zahlen werde es erst in einem Zwischenbericht geben, der in etwa drei Wochen vorliegen soll.

Laut der Verordnung war die Bejagung des Kormorans bis zum 31. Jänner 2009 analog zur Jagd auf andere Wasservögel im Naturschutzgebiet vom Land aus erlaubt. Um die Bildung weiterer Brutkolonien zu verhindern, waren mit Zustimmung des Naturschutzvereins zudem Vergrämungsabschüsse möglich. Im Nahbereich neuer Kolonien durften die Vögel etwa bis 31. Mai 2009 während der Zeit des Nestbaus geschossen werden, wenn die Nester noch nicht belegt waren. Einzelabschüsse vom Boot aus waren erlaubt, wenn Kormorane Schäden an Netzen der Berufsfischer anrichteten. Diese Maßnahme ist bis zum 31. Oktober 2009 befristet, auch hier ist die Zustimmung des Naturschutzvereins nötig.

Der zuständige Landesrat Erich Schwärzler (V) erklärte, die Verordnung sei eine notwendige Maßnahme gewesen. Es gebe ein klares Ja zum Kormoran am Bodensee, aber eine weitere Ausbreitung gehe auf Kosten der Vielfalt. Man habe sofort alle Unterlagen auch nach Brüssel geschickt, bisher aber keine Rückmeldung erhalten. In den kommenden Wochen werde man wie angekündigt eine breit angelegte Evaluierung durchführen und auf Basis der Ergebnisse über eine Verlängerung entscheiden, so Schwärzler. Er sei für ein “offenes und transparentes Verfahren”.

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