Ethik-Tagung am LKH Rankweil

Viele Interessierte verfolgten den Vortrag.
Viele Interessierte verfolgten den Vortrag. ©KHBG/Dietmar Mathis
Wenn eine nahestehende Person krank wird, sind es auch oft die Angehörigen, die eine tragende Rolle in der Behandlung und als seelische Stütze im Heilungsprozess oder Krankheitsverlauf haben. Deshalb hat die AG Viaticum sie nun bei der diesjährigen Ethikveranstaltung am LKH Rankweil in den Mittelpunkt gestellt. Namhafte Ethikexperten beleuchteten das Thema „an-gehörig“ aus verschiedenen Perspektiven für die über 200 interessierten Ärzte, Pflegepersonen, Seelsorger und Hospizmitarbeiter im Publikum.

Ins LKH Rankweil geladen waren bekannte Referenten, sodass die Fachtagung bereits seit langem ausgebucht war. Die Eröffnung nahmen Dir. Dr. Gerald Fleisch, Vlbg. Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H., und Chefarzt Prim. Dr. Jan Di Pauli sowie Veranstalter DGKP Arthur Bertsch, Viaticum, vor.

Wider die Übertherapie – das Leben ist endlich!

Im Anschluss referierte Medizinethikerin Univ.-Prof. Dr. Barbara Friesenecker von der Medizinischen Universität Innsbruck über medizinethische Herausforderungen am Lebensende. „Wenn Patienten, die von uns Ärztinnen und Ärzten und Pflegepersonen aufwendig betreut waren, sterben, macht uns das Angst. Denn: Wir werden in unserer Ausbildung darauf trainiert, Leben zu retten und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln technisch oder medikamentös zu erhalten“, fasst sie die Konfrontation mit dem Tod eines Patienten zusammen. „Wenn aber der Zustand von Patienten sich trotz unserer maximalen therapeutischen Bemühungen verschlechtert und er oder sie verstirbt, denken wir an ärztliches Versagen, statt anzuerkennen, dass das Leben endlich ist und die gute ärztliche Begleitung eines Sterbenden eine sehr erfüllende Aufgabe sein kann.“ Diese Haltung würde sowohl dem Sterbenden als auch den Angehörigen Stress und Angst nehmen und erspare viel Leid, so die anerkannte Medizinethikerin. “Übertherapie ist das Resultat ungebremster, technischer Medizin ohne klare Indikationsstellung und führt zum Krankheitsbild der chronisch kritischen Erkrankung.“

Kommunikation und Entscheidungen angesichts schwerer Erkrankungen

Als „Wanderung durch Leben, Liebe und Tod“ bezeichnet Dr. Raoul Pinter, Radioonkologie LKH Feldkirch, die „Kommunikation mit Schwerstkranken, Sterbenden und deren An- und Zugehörigen. Hier sind wir auf eine gute Wahrnehmung mit all unseren Sinnen angewiesen.

In Doppelkonferenz referierten im Anschluss der Neurologe OA Dr. Dieter Langenscheidt vom LKH Rankweil und der erfahrene und langjährige Krankenhaus-Seelsorger Dr. Peter Rädler über die Rolle der Angehörigen bei Entscheidungen bei neurologischen Erkrankungen mit Prognosen, dass eine Heilung nicht möglich und mit dem Tod zu rechnen ist.

Pflege als Wegweiser: An-gehörig, wohin gehöre ich?

Angehörige von schwersterkrankten Menschen finden sich in der Palliativversorgung in einer Doppelrolle wieder. Sie sind zum einen Partner der Betroffenen und zumeist zeitgleich Partner in einem Betreuungssystem. Über die Grenzen dieser Doppelrolle und eine oftmalige Ohnmacht als Verlust der Orientierung berichtete DGKO Stefanie Zimmermann von der Palliativstation am LKH Hohenems. Sie bot Hilfestellungen dafür, betroffenen Angehörigen wegweisende und haltende Orientierung zu geben. Psychotherapeut Dr. Michael Wenz vom Alzheimer Therapiezentrum der Schön Klinik Bad Aibling – dem führenden Rehabilitationszentrum für Demenzkranke in Deutschland – stellte ein Behandlungskonzept für Betroffene und deren Angehörige im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme vor. Demenzkranke und Betroffene werden gemeinsam aufgenommen, um die Familie auf das weitere Leben mit der Demenzerkrankung optimal vorzubereiten. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Theaterprojekt von Christine Reitmeier & Liza Riemann mit dem Titel „Ich erinnere mich genau“, eine Lebensgeschichte mit einer Demenzerkrankten.

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