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"Es ist gut, hin und wieder stur zu sein!"

Angelika Schwarzmann gilt als Maßstab für gelebte Integration.
Angelika Schwarzmann gilt als Maßstab für gelebte Integration. ©MiK
Alberschwende. Bürgermeisterin, Ehefrau und Mutter: Angelika Schwarzmann, die aufgrund ihrer sozialen Haltung gegenüber Flüchtlingen auch aus der eigenen Gemeinde Gegenwind verspürt, im Wann & Wo-Sonntags-Talk.

Wann & Wo: Wie wird der heutige Muttertag bei Schwarzmanns gefeiert?

Angelika Schwarzmann: Gefeiert ist ein bisschen übertrieben (lacht). Wir nehmen uns einfach Zeit füreinander, kochen zusammen und tun das, was wir gerne machen im Kreis der Familie.

Wann & Wo: Wird der Vatertag – ganz im Sinne der Gleichberechtigung – auch gefeiert?

Angelika Schwarzmann: Er wird auch bedacht. Ähnlich wie beim Muttertag nehmen wir uns auch hierzu Zeit. Er hat aber traditionell – wenn ich an die Kindheit denke – eine andere Bedeutung.

Wann & Wo: Ein Blick auf die Bundespräsidenten-Wahl: Wie stehen Sie der Situation vor der Stichwahl gegenüber?

Angelika Schwarzmann: Ich hätte mir ehrlich gesagt eine Frau gewünscht, zumindest in der Stichwahl.

Wann & Wo: Auch wegen Irmgard Griss als Person?

Angelika Schwarzmann: Ich glaube, Irmgard Griss wäre eine überaus kompetente Kandidatin ge­­wesen. Es wäre auch ein Zeichen gewesen. Den Ausgang in dieser Form hätte ich nicht erwartet.

Wann & Wo: Ist es für Sie persönlich – gerade im Hinblick auf die Flüchtlingsthematik – ein Rückschlag?

Angelika Schwarzmann: Natürlich. Die politische Entwicklung – auf Bundesebene – macht mir große Sorgen.

Wann & Wo: Ursprünglich stammen Sie aus Reuthe. Sind Ihnen die Alberschwender mit Skepsis begegnet?

Angelika Schwarzmann: Die Aufnahme in Alberschwende war sehr herzlich. Das Wort „Zugezogene“ höre ich immer wieder, das war bei der Wahl aber kein Thema.

Wann & Wo: Alberschwende gilt als Vorzeigebild was Integration betrifft. Sie haben ein „Manifest der Menschlichkeit“ verfasst. Was bedeutet dieser Begriff für Sie?

Angelika Schwarzmann: Es heißt für mich, das Gegenüber zu akzeptieren und Möglichkeiten finden, auf die Bedürfnisse des anderen Menschen einzugehen. Menschlichkeit hat oberste Priorität in allem Handeln. Das ist meiner Meinung nach auch der Auftrag der Politik.

Wann & Wo: Machen das alle österreichischen Politiker?

Angelika Schwarzmann: Viele setzen sich das zum Ziel. Natürlich spielt die politische Ebene eine Rolle. In einer Kommune geht das besser, als in einer höheren Position, weil ich meinen Mitmenschen direkter begegne.

Wann & Wo: Nicht alle Alberschwender stehen so hinter den Flüchtlingen, wie sie das tun. Wie stehen Sie Kritikern gegenüber?

Angelika Schwarzmann: Ich verurteile niemanden, der sagt, er hat keine Ressourcen sich hier einzubringen. Einige haben vielleicht auch Angst. Mir ist aber wichtig, einander nicht zu behindern, auch wenn man anderer Meinung ist.

Wann & Wo: Haben Sie gerade in dieser Hinsicht mit Anfeindungen, vielleicht sogar Hass, zu tun?

Angelika Schwarzmann: Gerade in Alberschwende hat sich die Situation etwas beruhigt. In der heiklen Phase, in der wir agiert haben, gab es durchaus hasserfüllte Meldungen – die muss man einfach ertragen.

Wann & Wo: War auch Angst im Spiel?

Angelika Schwarzmann: Ich bin jemand, der sich lange nicht fürchtet. Solche Kommentare zu lesen, belastet und bedrückt mich natürlich. Ich habe mir einfach angewöhnt, nicht alle Postings zulesen. Das ist die eine Seite. Dann gibt es aber auch noch ganz viele positive Rückmeldungen, die natürlich unglaublich stärken.

»“Ich bin jemand, der sich nicht so schnell fürchtet.” Angelika Schwarzmann«

Wann & Wo: Erst kürzlich wurde Ihnen der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage überreicht. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Angelika Schwarzmann: Anfänglich habe ich mir überlegt, ob ich den Preis überhaupt annehmen soll.

Wann & Wo: Warum?

Angelika Schwarzmann: Ich war mir nicht sicher, ob ich den ganzen Trubel – und die damit einhergehenden Kommentare – noch einmal miterleben will. Ich wusste aber, das ist nicht mein Verdienst, sondern der von ganz, ganz vielen Menschen, die mitgeholfen haben. Der Preis ist eine schöne Bestätigung für das, was wir machen. Es wurde deutlich: Die Menschlichkeit hat gesiegt. Bei der Verleihung wurde mir auch klar: Der Name „Bock“ passt wie die Faust aufs Auge. Als Kind war ich sehr bockig. Meine Geschwister haben mich dann „Skilift-Bock“ genannt (lacht). Ich habe mir gedacht, vielleicht hat es ja etwas Gutes an sich, wenn man hin und wieder stur ist.

Wann & Wo: Woher kommt eigentlich die soziale Einstellung – auch gegenüber Flüchtlingen?

Angelika Schwarzmann: Ich vermute, das liegt in den Genen. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, habe sieben Geschwister. Noch immer habe ich Kriegs-Geschichten von meinem Vater im Ohr. Besonders gut kann ich mich erinnern, wie er gesagt hat, es wussten viele, was im 2. Weltkrieg vor sich geht, man war aber lange still, niemand hat etwas gesagt. Das hat sich irgendwie in mir manifestiert. Wenn mir die Menschen gegenüber sitzen und ihre Geschichten erzählen, kann ich gar nicht anders handeln.

Wann & Wo: Wie war es für Sie, in einer Großfamilie aufzuwachsen?

Angelika Schwarzmann: Zwischen so vielen Geschwistern muss man sich natürlich immer ein bisschen beweisen. Das ist meiner Meinung nach aber eine gute Schule. So schön meine Kindheit auch war: Mein Wunsch war es, irgendwann aus diesem trauten Familienleben auszubrechen und auf eigenen Beinen zu stehen.

Wann & Wo: Bürgermeisterin ist ein 24/7-Job. Kann man da überhaupt noch abschalten?

Angelika Schwarzmann: Sehr selten. Wenn ich aus meinen eigenen vier Wänden raus bin, weiß ich, jetzt bin ich die Person des öffentlichen Lebens. Das Zuhause hat etwas sehr Behütetes an sich.

»“Ich finde es unangebracht, dass sich plötzlich jeder bemüßigt fühlt, einer Mutter zu sagen, wie sie es zu machen hat. Es stellt niemand die Frage: Wie bewältigt ein Familienvater das.” Angelika Schwarzmann«

Wann & Wo: Leidet die Familie darunter?

Angelika Schwarzmann: Meine Kinder sind schon erwachsen, ich habe also keine Betreuungspflichten mehr. Darüber bin ich sehr froh. Die Partnerschaft zu organisieren ist natürlich auch eine Herausforderung. Da ist eben ein gutes Management gefragt. Und natürlich viel Verständnis seitens der Familie. Das stärkt und trägt mich. Wenn ich diesen Kampf auch noch führen müsste, wäre ich nicht Bürgermeisterin geworden.

Wann & Wo: Sind Sie mehr Mutter und Partnerin oder mehr Bürgermeisterin?

Angelika Schwarzmann: Derzeit mehr Bürgermeisterin.

Wann & Wo: Stichwort Carmen Willi: Mehrere Egger Bürger hielten sie aufgrund der Tatsache, dass sie Mutter von drei kleinen Kindern ist, als Bürgermeisterin für ungeeignet. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Angelika Schwarzmann: Ich hätte es ihr durchaus zugetraut, Familienleben und Bürgermeisteramt zu schaukeln. Ich finde es unangebracht, dass sich plötzlich jeder bemüßigt fühlt, einer Mutterzu sagen, wie sie zu handeln hat. Es stellt niemand die Frage: Wie bewältigt ein Familienvater das. Nach dem Motto: Frauen muss man sagen, was sie zu tun haben.

Wann & Wo: Hat man als Bürgermeisterin Schwierigkeiten, die man als Bürgermeister nicht hätte?

Angelika Schwarzmann: Gewisse Sachen werden in Frage gestellt – vor allem was das Familienleben betrefft. Man hat viele Herausforderungen zu bewältigen, an denen kann man aber nur wachsen.

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schwarz ©W&W-Sonntags-Talk mit Angelika Schwarzmann. Die Gemeindechefin von Alberschwende wurde im April der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage überreicht. Foto: MiK

Zur Person

Name: Angelika Schwarzmann
Jahrgang: 1959
Beruf: Bürgermeisterin der Gemeinde Alberschwende seit 2013
Familie: Verheiratet, vier Kinder

Ute-Bock-Preis

Angelika Schwarzmann wurde im April der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage überreicht. Sie hat die Rückführung syrischer Flüchtlinge aus Alberschwende nach Ungarn verhindert.

In der Gemeindestube

W&W traf die Bürgermeisterin von Alberschwende in der Gemeindestube. Zur Zeit ist Schwarzmann – wie sie selbst sagt – mehr Bürgermeisterin als Mutter und Ehefrau.

Wordrap

Asyl: schöne Herausforderung
Flucht: Begegnung
Integration: sich einbringen
Bundespräsidentenwahl: zur Wahl gehen
Alberschwende: Gemeinde mit Weitblick
Herman Gmeiner: Ehrenbürger, der viel geleistet hat
Familie: wichtiger Rückzugsort
Bregenzerwald: Heimat

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