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Erster türkischer Nobelpreisträger

Der Literatur-Nobelpreis geht an Orhan Pamuk, "der auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt neue Sinnbilder für Streit und Verfechtung der Kulturen hat". Hintergrund | Porträt | Türkische Reaktionen

Die mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung wird traditionellerweise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), in Stockholm verliehen.

Pamuk habe in seinem Leben den Wandel vom traditionellen osmanischen Familienleben zu einem eher westlich orientierten Lebensstil erfahren, erklärte das Nobelkomitee. Mit dem 54-Jährigen, der als erster Türke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird, erhält eine Symbolfigur des freien Denkens den begehrtesten Literaturpreis der Welt. In Pamuks Büchern geht es häufig um die Zerrissenheit der Türkei zwischen Ost und West und zwischen Islam und Säkularismus. Weil er in einem Schweizer Magazin vom türkischen Völkermord an den Armeniern sprach, musste er in Istanbul wegen des Vorwurfs der „Beleidigung des Türkentums“ vor Gericht. Der Prozess wurde wenig später eingestellt, doch Pamuk ist nach wie vor eine Hassfigur für die türkischen Nationalisten.

Pamuk, der zur Zeit in New York ist, überraschte der Anruf der Akademie in den frühen Morgenstunden. Im Gespräch mit Adam Smith, dem Verantwortlichen für die Website der Akademie, nannte er die Zuerkennung eine „große Ehre“, der Nobelpreis sei sehr wertvoll für die Türkei, anderseits mache er die Situation „besonders sensibel und politisch, der Preis könnte sogar dazu tendieren, eine Last für das Land zu sein.“

Wie jedes Jahr gibt es auch heuer zahlreiche Reaktionen, die bisher größtenteils positiv ausfielen. Die österreichische Autorin Barbara Frischmuth, die selbst Türkisch studiert hat, nannte im Gespräch mit der APA die Wahl „großartig, denn Pamuk ist einer der besten Erzähler, die ich kenne.“ Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler bezeichnete die Vergabe gegenüber der APA als „ausgezeichnete Wahl, sie ist künstlerisch einleuchtend und politisch mutig“.

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn begrüßte die Vergabe als „gute Nachricht für die Weltliteratur, aber auch als gute Nachricht für künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit im Besonderen“. Selbst die türkische Regierung, die in den vergangenen Jahren nicht immer stolz war auf den bekanntesten Schriftsteller des Landes, stimmte in den Chor ein: „Die ganze Türkei hat diesen Preis erhalten“, sagte Mustafa Isen vom Kulturministerium in Ankara. „Ich gratuliere ihm.“ Der Dichter Refik Durbas sprach von einem „Sieg der türkischen Literatur“. Sein Kollege Ahmet Telli zeigte sich zuversichtlich, dass Pamuks Preis die Chance eröffnen werde, das Türkische zu einer Sprache der Weltliteratur zu machen.

Der am 7. Juni 1952 in Istanbul geborene Schriftsteller studierte Architektur und Journalismus, bevor er mit 24 Jahren unter dem Einfluss des modernen europäischen Romans mit dem Schreiben begann. Seinen eigenen Stil, wie er vor allem in seinen historischen Romanen zum Ausdruck kommt, fand Pamuk mit dem Rückgriff auf die an Bildern reiche islamisch-orientalische Erzähltradition. Seine Werke, von denen „Die weiße Festung“ (1985), „Rot ist mein Name“ (1998) und „Schnee“ (2002) die bekanntesten sind, wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

Pamuk erhält die Auszeichnung wie die anderen Nobelpreisträger am 10. Dezember aus der Hand des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf. Bereits am 18. November erscheint ein neues Buch mit dem Titel „Istanbul“ (432 Seiten mit 200 Abbildungen) im Hanser Verlag.

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