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Erste Worte von Kerstin F:: "Ein neues Leben..."

"Ein neues Leben..." Das waren die ersten Worte der 19-Jährigen nach Entfernung der Kanüle, über die sie künstlich beatmet worden war.

Das Zusammentreffen mit ihrer Familie eine Woche später war ein “berührender Moment”, sagte der ärztliche Direktor des Landesklinikums Amstetten-Mauer, Berthold Kepplinger. Die überraschende Besserung des Gesundheitszustandes der Patientin sei eine große Erleichterung für alle Beteiligten gewesen.

Jetzt gehe es mit Hilfe von Therapeuten um die Stabilisierung des physischen Zustandes, der Immunstatus müsse ausgeglichen werden. Die übrigen Familienmitglieder seien bereits nachgeimpft worden.

Ein multiprofessionelles Team kümmert sich weiter um die Betreuung der Familie, deren zwei Teile (jene Kinder, die im Verlies aufwuchsen und jene, die der Verdächtige als “Findelkinder” bei sich aufnahm, Anm.) sich durch “unterschiedliches Lebenstempo” auszeichnen, erläuterte Kepplinger: Den einen, die bisher ein “normales” Leben führten, gehe alles zu langsam, den anderen zu schnell, den einen sei fad, den anderen “reichen kleine Neuigkeiten”. Die bisher eingesperrten Kinder bestaunen eine vorbeiziehende Wolke, die die anderen gar nicht wahrnehmen. Vereinzelte Spaziergänge würden unter ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen unternommen.

Alle seien glücklich, es sei für alle “ein Wunder”, sagte Opfer-Anwalt Christoph Herbst. Niemand habe mit dieser raschen positiven Entwicklung gerechnet, das Zusammenfinden der Familie sei ein großes Anliegen auch der 19-Jährigen.

Es sei “ganz wesentlich” für den Genesungsprozess gewesen, dass von den täglichen Spitalbesuchen der Mutter nichts an die Öffentlichkeit dran. Für die Familie wurde eine eigene Wohnung eingerichtet, um eine normale Lebensatmosphäre zu schaffen. Allerdings könne die Familie nach wie vor nicht ins Freie. Die Natur zu genießen wäre vor allem für die bisher eingesperrten Kinder wichtig, appellierte der Anwalt an die Medien, die Privatsphäre zu respektieren und den Lebensraum der Familie – durch Versuche, an Fotos auf dem Gelände zu kommen – nicht erneut einzuschränken.

Herbst berichtete von unzähligen E-Mails und Briefen aus aller Welt, von Neuseeland über China bis USA, an die 42-jährige Mutter. Die Familie wolle sie alle so bald wie möglich beantworten.

Auf Journalistenfragen erklärten die Ärzte, dass sich die Kinder normal weiter entwickeln. Drei Lehrkräfte geben Unterricht, der älteste Sohn entwickle sich überraschend gut. Die 19-Jährige wird physiotherapeutisch behandelt, u.a. stehen Kräftigungsübungen am Programm. Sie könne lesen und schreiben und sei “sehr gut” in der Kommunikation. Sie habe auch schon Wünsche geäußert: Sie will eine Schifffahrt machen und ein Robbie Williams-Konzert besuchen.

Ob der Verdächtige – Großvater bzw. Vater – ein Thema sei? “Natürlich”, sagte Kepplinger. Die Ambivalenz sei sehr groß, vor allem bei den Mädchen. Aus therapeutischer Sicht sei eine Befragung der Familienmitglieder als Zeugen noch nicht möglich, stellte Herbst fest. Der Zeitpunkt werde von der Staatsanwaltschaft St. Pölten in Absprache mit den Therapeuten festgelegt werden. Einen geschlossenen Auftritt der Familie in der Öffentlichkeit lehne die 42-Jährige im Moment ab.

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