Erste Group legt Fokus zunehmend auf ESG-Strategie

Erste Group nach drei Quartalen gut auf Kurs
Erste Group nach drei Quartalen gut auf Kurs ©APA/THEMENBILD
Nach dem Krisenjahr 2020 verlief das Geschäftsjahr 2021 für die Erste Group bisher wieder sehr erfreulich. Finanzchef Stefan Dörfler sprach am Dienstag bei einer Pressekonferenz von einer "exzellenten Entwicklung" der Risikokosten und des Nettogewinns nach neun Monaten. In Folge widmete sich der Vorstand neben den Ergebnissen vor allem den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit. Bereits im Mai kündigte Bankchef Bernd Spalt an, den ESG-Fokus stärker ausbauen zu wollen.

Vor allem die Integration von ESG (ESG = Environmental Social Governance, Anm.) in die Risikostrategie gewinnt zunehmend an Bedeutung für die Bank. Von Banken werde mittlerweile erwartet, dass Klimarisiken Eingang in die Risikomessung finden, sagte Risikovorständin Alexandra Habeler-Drabek, die auch auf die Schwierigkeiten dieser Aufgabe hinwies. Denn diese Klimarisiken - das können physische Risiken, aber auch Transformationsrisiken sein - müssten auf lange Zeiträume bis zu 30 Jahren hinweg geschätzt werden. Dafür brauche man vor allem die richtigen Daten.

"Ganz zentral sind dabei Daten, Daten, Daten", so Habeler-Drabek. Diese müsse man sammeln, allerdings müsse man auch erst lernen, welche Daten benötigt werden um Klimarisiken schätzen zu können. Hier stehe noch eine lange Reise bevor, eine erste Hilfestellung könnten aber die im kommenden Jahr beginnenden Klimastresstests bringen.

Bankchef Bernd Spalt betonte zudem die Wichtigkeit der Messbarkeit. "Ich erzähle hier keine Anekdoten, sondern es geht darum, dass man messbare Parameter festlegt", so Spalt am Dienstag. Auch eine einheitliche Terminologie sei wichtig, damit gleiches mit gleichem gemessen werde. Vor diesem Hintergrund sei die Zusammenarbeit mit vielen Institutionen "der Weg, den wir beschreiten wollen", so Spalt.

Ende Oktober ist die Bank daher der UN-Initiative Net-Zero Banking Alliance (NZBA) beigetreten. Diese verfolgt das Ziel, bis 2050 ihr Kredit- und Anlagenportfolio auf Netto Null Emissionen auszurichten. Die Mitglieder - aktuell sind es 80 Banken aus 36 Ländern, deren summierte Bankbilanz etwa 40 Prozent der weitweiten Bankaktiva entspricht - verpflichten sich dazu, Zwischenziele zur Emissionsreduktion festzulegen und über ihre Fortschritte anhand von Richtlinien zu berichten.

Beginnend mit dem Nachhaltigkeitsreport 2022 werde auch die Erste Group künftig regelmäßig Kennzahlen zu Emissionen und Emissionsintensität ihres Portfolios veröffentlichen, so Spalt. Im Laufe des heurigen Jahres hat die Bank bereits eine Kohlerrichtlinie für den Ausstieg aus der Kohlefinanzierung bis 2030 vorgelegt und trat dem Green Consumption Pledge sowie dem Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) bei. 2023 soll überdies der Bankbetrieb der Erste Group klimaneutral sein.

Aber nicht nur für die Risikokalkulation, auch im Hinblick auf den Geschäftserfolg müsse der Klimawandel mitgedacht werden. "Es gibt gar kein Wachstumspotenzial mehr, wenn man diese neue Welt nicht mitdenkt", sagte Spalt am Dienstag. Sorgen um die eigene künftige Rendite mache sich die Bank nicht.

Zum Thema Unternehmensübernahmen wollte Spalt heute nicht allzu konkret werden. In Ländern, in denen die Zinsen aktuell noch niedrig sind, könne es im kommenden Jahr Konsolidierungspotenzial geben, so der Bankchef. Sollten sich Wachstumschancen durch Zukäufe ergeben, werde man aber nur zu angemessenen Preisen zuschlagen. "Nur was preismäßig vernünftig ist, werden wir zahlen", so Spalt.

Das heurige Jahr verlief bisher sehr positiv für die Bank. Nach neun Monaten stand ein Gewinn von 1,45 Mrd. Euro unter dem Strich, das ist mehr als doppelt so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum (637 Mio. Euro). Zu verdanken war das den stark gesunkenen Risikokosten, steigenden Erträgen und der guten makroökonomischen Entwicklung in der CEE-Region. Im dritten Quartal alleine schrieb die Bank einen Nettogewinn von 533,4 Mio. Euro, nach 343,3 Millionen Euro im dritten Quartal des Vorjahres.

Auch für den Rest des Geschäftsjahres sind die Vorstände optimistisch und rechnen mit einem stärkeren Kreditwachstum, einem höheren Provisionsüberschuss, niedrigeren Risikokosten und schließlich auch mit einem höheren Nettogewinn. Im Auge behalten müsse man jedoch die Entwicklung der Inflation, so Dörfler. Da einige CEE-Länder aber bereits begonnen hätten, der Teuerung mit Zinserhöhungen gegenzusteuern, sei man optimistisch, dass die Ertragssituation in der Konzerngruppe insgesamt aufrechterhalten werden könne.

(APA)

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