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Erstaufführung ohne Adrenalinstöße

Am Samstag fand die österreichische Erstaufführung des Stücks „Bungee Jumping“ des Esten Jaan Tätte am Landestheater in Bregenz statt.

„Bungee Jumping – oder die Geschichte vom Goldenen Fisch“ des Schauspielers, Sängers und Dramatikers Tätte ist bereits in fünf Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet worden. Den Erwartungen des Publikums wurde es nur bedingt gerecht.

Die Stimmungswechsel lassen den Zuseher lange zaudern, worum es sich eigentlich handelt: Krimi, Märchen, Sozialsatire? Oder gar eine Fabel? Die Wendungen der Geschichte hat Tätte geschickt konstruiert und holen nach jedem Durchhänger das sonst eher matte Treiben auf der Bühne auf eine neue Stufe, von der aus man sich den Überblick erhofft. Doch weder die eingeflochtene Komik, noch die Reaktionen der drei Protagonisten erweisen sich als tragfähig und am Ende glaubwürdig.

Roland und Laura verschlägt es als Anhalter in einer kalten Nacht zu dem skurrilen Einzelgänger Osvald – irgendwo abseits in einem Wald. Hänsel und Gretl sehen sich dem Bösen ausgesetzt: Osvald will nur Laura Unterschlupf vor der Kälte gewähren, Roland soll gefälligst verschwinden. Roland ist hier allerdings nicht der schlaue Hänsel, dem es gelingt, „Hexe“ Osvald zu überlisten. Denn auch er ist schwach und Laura, die er heiraten will, fällt ihm in den Rücken. Die Verlockung: Eine Milliarde Dollar für Roland, drei Milliarden für Laura. Das Vermögen stamme von einem Fisch, dem Osvald die Freiheit schenkte.

In Wirklichkeit ist alles viel profaner. Ein Gangster hatte die Schachteln mit dem Geld in der Hütte Osvalds deponiert. Als der Ganove zurückkommt und die heiße Ware abholt, zerplatzen alle Träume und Sehnsüchte. Die Gier und die Korrumpierung wurden längst zuvor auf die Schnelle entlarvt. Als Roland und Laura kurzfristig Zweifel über das unmoralische Angebot befallen, klagt Osvald: „Es ist so langweilig, mit armen Leuten zu reden!“ Das trifft auch das Stück, denn letztendlich kaum ein Klischees ausgelassen, aus denen auch Hollywood einen zeitgeistigen oberflächlichen Romanzen-Cocktail mixen würde.

Der zündende Funke blieb bei der österreichischen Erstaufführung aus, der ins Publikum übergesprungen wäre. Das applaudierte kurz und hofft vielleicht wie Osvald oder Laura weiter auf ein Märchen, das am Ende wahr wird.


(S E R V I C E – Landestheater Vorarlberg: „Bungee Jumping – oder die Geschichte vom Goldenen Fisch“ von Jaan Tätte. Regie: Lothar Maninger, Bühne und Kostüme: Patrick Bannwart. Weitere Aufführungen in Bregenz: 7., 15. und 16. Mai sowie 11.und 15. Juni, Karten und Info: 05574/4287, http://www.theater-bregenz.at)

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