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Ernst Fuchs wird 75

Er fühlt sich als Außenseiter der österreichischen Kunstszene und ist doch eine ihrer schillerndsten Erscheinungen.

Sein obligates Käppchen – geschneidert aus einem Stoff, dessen Muster er selbst entworfen hat – gehört ebenso zu den Markenzeichen des erfolgreichen Multitalents wie sein Vollbart. Der Lebenskünstler verkörpert in gewissem Sinn selbst das Gesamtkunstwerk, für das er so leidenschaftlich eintritt. Am Sonntag (13.2.) feiert Ernst Fuchs, Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, seinen 75. Geburtstag.

Fuchs wurde 1930 in Wien als einziges Kind eines jüdischen Altwarenhändlers und einer katholischen Näherin geboren. Mit 15 begann das Wunderkind sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh. Inspiriert von der altmeisterlichen Malerei, dem Jugendstil und den Surrealisten schuf er von religiösen und mythologischen Motiven dominierte Traumlandschaften und Visionen.

1948 gründete Fuchs mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer und Güterslohs Sohn Wolfgang Hutter sowie dem knapp 15 Jahre älteren Rudolf Hausner die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Im selben Jahr reiste er erstmals nach Paris, wohin er 1950 für zwölf Jahre übersiedelte. In dieser Zeit unternahm Fuchs zahlreiche Reisen nach Italien, Spanien, England und die USA und lernte Künstler wie Salvador Dali, Giorgio de Chirico und Jean Cocteau kennen. Er etablierte sich als herausragender Grafiker und entdeckte den Zyklus als Form.

Auf der Suche nach archetypischen Urbildern – dem „verschollenen Stil“ – experimentierte er auch mit verschiedenen Drogen. 1957 zog er sich für Monate in das Kloster „Dormitio“ bei Jerusalem zurück und begann eine monumentale „Abendmahl“-Darstellung, an der er jahrzehntelang arbeiten sollte. 1966 veröffentlichte er das Buch „Architectura Caelestis. Die Bilder des verschollenen Stils“, eine der wichtigsten programmatischen Schriften aus dem Kreis der Phantasten, worin er gegen die „Pest des Rationalismus und des Konstruktivismus“ anschreibt. Ziel sei „all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben“.

In den 70er Jahren begann Fuchs auch im Bereich Innenarchitektur und Design, sowie für Film und Bühne (Opern- und Ballettausstattungen) zu arbeiten. 1972 kaufte er eine von Otto Wagner entworfene Villa in Wien-Hütteldorf, die er restaurierte und aufwändig umgestaltete. 1988 wurde die Villa als Privatmuseum und Sammlung Ernst Fuchs eröffnet, heute ist sie auch Sitz der Ernst Fuchs-Privatstiftung. Seit damals lebt der 16-fache Vater, der in dritter Ehe mit der Malerin Eva Christina verheiratet ist, in Monte Carlo und wohnt, wenn er zu Besuch in Wien weilt, im Hotel.

Auf weit über 100 Einzelausstellungen in aller Welt – die bisher größte tourte 2001 von der Moskauer Tretjakow-Galerie aus u.a. ins Wiener Palais Harrach – hat es der geschäftstüchtige „Malerfürst“ mittlerweile gebracht. Neben seinen Gemälden, Skulpturen, Grafiken, Gedichten, Liedern und Buchillustrationen hat sich der Künstler in den vergangenen Jahren auch mit zahlreichen Architektur- und Skulpturprojekten für den öffentlichen Raum beschäftigt. Diesen Sommer soll in der Klagenfurter Stadtpfarrkirche St. Egid sein größtes sakrales Werk, ein Apokalypse-Zyklus, fertig werden.

2000 wurde Fuchs der wichtige französische Orden eines „Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“ verliehen, im Vorjahr das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse. Unter dem Titel „Phantastisches Leben – Erinnerungen“ hat Fuchs bereits 2001 seine Memoiren veröffentlicht.

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