Ermittlungen gegen Bischof: Holocaust-Leugnung

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Nach Medienberichten über die angebliche päpstliche Aufhebung der Exkommunikation der vier unerlaubt geweihten traditionalistischen Bischöfe sind gegen einen der Betroffenen, den Briten Richard Williamson, Ermittlungen wegen Holocaust-Leugnung eingeleitet worden.

Zugleich warnte der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni Papst Benedikt XVI. vor den gravierenden Auswirkungen, welche die Beendigung des Schismas und die Wiederaufnahme der Lefebvristen in die Kirche auf das jüdisch-katholische Verhältnis haben würden. Di Segni sprach gegenüber der Turiner Zeitung “La Stampa” (Freitag) von einer “tiefen Wunde”.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” hatte berichtet, dass Williamson bei einem Besuch im Priesterseminar der Bruderschaft St. Pius X. in Zaitzkofen bei Regensburg die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern des NS-Regimes in Zweifel gezogen habe. “Ich denke, dass 200.000 bis 300.000 Juden in den Konzentrationslagern gestorben sind, aber nicht ein einziger von ihnen in Gaskammern”, sagte Williamson demnach in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender SVT. Es werde nun überprüft, ob der Beitrag in Zaitzkofen aufgenommen wurde, erklärte der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft am Freitag.

Der 1991 verstorbene Lefebvre, ehemaliger Erzbischof von Dakar (Senegal) und Tulle (Frankreich), war 1976 von Papst Paul VI. suspendiert und 1988 von Johannes Paul II. exkommuniziert worden, nachdem er eigenmächtig vier Bischöfe, darunter Williamson, geweiht hatte. Seine Traditionalisten-Bruderschaft St. Pius X., deren Zentrale sich in Econe im Schweizer Kanton Wallis befindet, hat mehr als 200.000 Anhänger in rund 40 Staaten, darunter auch in Österreich, wo sie den BZÖ-Nationalratsabgeordneten Ewald Stadler zu ihren Anhängern zählt, der seinerzeit als (von der FPÖ gestellter) Volksanwalt mit der Kirchenbeitragsfrage die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt hatte. Ein Teil der Traditionalisten sagte sich von Lefebvre los; für ihre seelsorgliche Betreuung wurde vom Vatikan die Bruderschaft St. Petrus ins Leben gerufen.

In Frankreich ist ein Teil der Lefebvre-Anhänger im Fahrwasser rechtsextremer und antisemitischer Kräfte um den Führer der “Nationalen Front” (FN), Jean-Marie Le Pen. In Wien war 2002 ein Mitglied der Pius-Priesterbruderschaft beim Fackelzug der Burschenschafter zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege eingesprungen, nachdem die österreichische Militärdiözese bei der umstrittenen Kundgebung die Mitwirkung verweigert hatte.

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