Erfahrungen für Zukunft nutzen

Ernst Fehr erklärt, wie man mit Verhaltensökonomie die Pandemie bekämpfen kann.

Der aus Hörbranz stammende Ernst Fehr ist einer der führenden internationalen Vertreter der Verhaltensökonomie, Mitbegründer der Neuroökonomie und einer der meist zitierten Ökonomen der Welt. Der gebürtige Vorarlberger wurde deshalb in Folge sechsmal zum wichtigsten Ökonomen im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet, er wird auch immer wieder als potenzieller Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis genannt. Er ist Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich und Verwaltungsrat von FehrAdvice & Partners.

Fehr erklärte im Gespräch mit VN-Chefredakteur Gerold Riedmann welche Rolle die Eigenverantwortung der Menschen spielt, und zwar im gesellschaftlichen Umfeld. „Es gibt Leute, die handeln eigenverantwortlich, wenn sie glauben, dass auch die anderen eigenveranwortlich sind.“ Viele Leute seien dazu bereit, wenn sie wissen, dass auch andere diese Regeln einhalten. Das sei auch in der Bekämfpung der Pandemie ein wesentlicher Punkt, so der Universitätsprofessor.

Eigenverantwortung durch Regeln

Er bringt ein aktuelles Beispiel, wie das funktioniert hat. In Dänemark erhielten die Bürger eine Einladung zum Impfen mit allen notwendigen Daten. Sie waren automatisch angemeldet. Nur wer sich nicht impfen lassen wollte, musste aktiv werden, sich abmelden. Die Impfrate war, wie man weiß, deutlich höher, als im deutschsprachigen Raum. Dieses Verhalten hätte man nutzen können, um mehr Menschen vom Impfen zu überzeugen.

Nichtpolitische Organisation

Fehr sieht aber auch einen Trumpf darin, dass anerkannte, nichtpolitische Organisationen oder Menschen die Impfkampagne führen. Ein Beispiel dafür sei Portugal, wo ein Armeegeneral für die Kampagne verantwortlich zeichnete. „Das Militär hat dort ein sehr hohes Ansehen, weil es dem Land die Demokratie gebracht hat“. Er rät dazu, die Erfahrungen aus der Pandemie für die Zukunft zu nutzen und entsprechende Strukturen zu schaffen.´Die Bekämpfung der Pandemie ist, so Fehr, der erste wichtige „Erfolgsfaktor für Wachstum und Innovation in einer postpandemischen Zeit“, wie das Thema seines ersten Auftritts beim Vorarlberger Wirtschaftsforums lautete. Die Verhaltensökonomie als Wissenschaft, Ende der 80er Jahre noch ein Thema der „jungen wilden Wissenschaftler“, sei heute Mainstream und erlaube bessere Lösungen für die Menschen. Allerdings, so der Hörbranzer Wissenschaftler, gebe es in der Gesellschaft und in der Wirtschaft noch deutlich Luft nach oben, was die Anwendung der Erkenntnisse betreffe.

Zur Person

Ernst Fehr

Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung
Geboren 21. Juni 1956 in Hard
Ausbildung Studium der Volkswirtschaftlehre an der Universität Wien 1975 bis 1980 Forschungsassistent am Lehrstuhl von Alexander Van der Bellen 1980 und 1982 tätig; Assistenzprofessur an der Technischen Universität Wien (Lehrstuhl von Helmut Frisch) an, die er bis 1991 innehatte. Zwischen 1988 und 1989 bekleidete Fehr zudem eine Forschungsstelle an der London School of Economics. Laufbahn Assistenzprofessur an der Technischen Universität Wien, Forschungsstelle an der London School of Economics, Direktor des Ludwig Boltzmann Institute for Research in Economic Growth, seit 1994 ordentlicher Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich, 2011 bis 2015 Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich, Gründer und Verwaltungsrat Mitglied des Verwaltungsrats von FehrAdvice & Partners, Initiator und Präsident des Stiftungsrats der Excellence Foundation Zurich for Economic and Social Research Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. seit Jahren als wichtigster Ökonom im deutschsprachigen Raum, Ehrenmitglied der American Economic Association

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