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Erdbebenspuren aus 14.000 Jahren am Grund von Kärntner Seen

Am Grund des Wörthersees finden sich Spuren früherer Erdbeben
Am Grund des Wörthersees finden sich Spuren früherer Erdbeben ©APA/THEMENBILD
44 Erdbeben der vergangenen 14.000 Jahre haben ihre Spuren am Grund des Wörthersees hinterlassen. Das haben Geologen der Universität Innsbruck anhand von Proben vom Seeuntergrund herausgefunden. Richtig große Erdbeben wie jenes von 1348, als ein Teil des Villacher Hausbergs Dobratsch abbrach, das Gailtal verschloss und die Gail zu einem See aufstaute, sind demnach sehr selten. Ein ähnlich starkes Beben hatte es zuvor vor 11.500 Jahren, zum Ende der letzten Eiszeit gegeben.

Von einem Boot und einer schwimmenden Plattform aus wurden in den vergangenen Jahren rund 180 Bohrkerne in bis zu 13 Meter langen Plexiglasrohren aus einigen Kärntner Seen entnommen und untersucht. Denn auf dem Grund der Seen sind die Spuren der Erdbeben in Form von Sedimenten und Erdrutschen konserviert. Die letzte Eiszeit, welche die Landschaft geformt hat, hatte ihren Höhepunkt vor 20.000 Jahren. Seit etwa 18.000 Jahren, seit sich die Gletscher zurückgezogen haben, gibt es die Kärntner Seen.

Beim großen Beben im Jahr 1348 mit einer Magnitude von 6,9 bis 7 nach Richter wird diskutiert, ob es sein Epizentrum in Österreich oder in Italien hatte, erklärte der Geologe und Projektteilnehmer Christoph Daxer im APA-Gespräch zu den in den Fachblättern "Scientific Reports" und "Quaternary Science Reviews" vorgestellten Ergebnissen. "Wir müssen auf jeden Fall in Betracht ziehen, dass es in Österreich war, auch wenn so starke Beben recht selten stattfinden."

Am Wörthersee hatte es eine Intensität von 8,5 nach der Europäischen Makroseismischen Skala (eine andere Bewertung als die Richter-Skala, Anm.). Die Forschungsergebnisse zeigen, dass das Erdbeben von 1348 die stärksten Erschütterungen im Kärntner Raum seit dem Ende der letzten Kaltzeit verursachte. Erdbeben mit potenziellen Gebäudeschäden sind hier selten, können jedoch zeitlich gehäuft auftreten.

Anhand der Forschungsergebnisse wurde auch die Gefährdungsbeurteilung, die Grundlage für die Raumplanung ist, überprüft. Wie sich zeigte, spiegelt die aktuelle Gefahrenbeurteilung die langfristige Erdbebengefährdung zumindest im Raum Wörthersee gut wider. "Laut unseren Daten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Erschütterung der Intensitätsstufe 7 oder höher auf der Europäischen Makroseismischen Skala - hier ist zumindest mit Rissen in den Wänden zu rechnen - in den kommenden fünfzig Jahren bei fünf bis sechs Prozent", sagte Geologe Jasper Moernaut. Laut den Daten war die Häufigkeit der Erdbeben lokal aber nicht konstant, ergänzte Daxer: "Es gab längere Phasen mit wenigen Erdbeben, die dann von vielen Starkbeben in kurzer Abfolge unterbrochen wurden. Momentan scheinen wir uns in einer Phase erhöhter Erdbebentätigkeit zu befinden, was bei der Berechnung der Erdbebengefährdung berücksichtigt werden muss."

Noch aufbereitet werden die Daten, die die Geologen aus dem Klopeiner See gewonnen haben. Dieser ist recht sedimentarm, da er kaum Zuflüsse hat, erklärte Daxer. Die Ablagerungen der vergangenen 12.000 Jahre sind nur etwa zwei Meter dick und mit einem Bohrkern von 13 Metern kommt man dort 17.000 Jahre in die Vergangenheit - deutlich weiter als etwa im Wörthersee oder Millstätter See. In dieser frühen Periode vor 17.000 bis 12.000 Jahren konnte er die Spuren von fünf Erdbeben ausmachen. Wie stark diese waren, lässt sich allerdings nicht genau sagen.

(S E R V I C E - Publikationen zu dem Forschungsprojekt: und )

(APA)

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