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"Entlastung war eine Lüge"

Verkehrsreferent Manfred Rein will eine zukunftsfähige Verkehrslösung für den Großraum Feldkirch. Im "VN"-Interview wehrt er sich gegen den Vorwurf, der Totengräber des Letzetunnels zu sein. Grafik Letzetunnel "alt"

VN: Für Ihren Vorgänger als Straßenbaurefent, den freiheitlichen Landesobmann Dieter Egger, sind Sie der Totengräber des Letzetunnels. Haben Sie diese Absicht?

Rein: Der Letzetunnel ist lebendiger denn je. Er bekommt aber eine andere Bedeutung. Bei der Planung der jetzigen Amtsvariante wurden zum Beispiel die Stadtteile Tisis und Tosters nicht berücksichtigt. Der Letzetunnel „neu“ wird nicht einfacher, aber zukunftsfähig.

VN: Was hat sich denn seit Beginn der Planungen 1992 tatsächlich verändert?

Rein: Ich bin verpflichtet, neue Faktoren zu berücksichtigen: Feldkirch ist Sanierungsgebiet gemäß Immissionsschutzgesetz „Luft“, die Bundesstraßen wurden den Ländern übertragen, das Verkehrsprotokoll der Alpenkonvention wurde ratifiziert, und das Gesetz für Umweltverträglichkeitsprüfungen wurde verschärft. Der Planungsraum ist also auf das gesamte Gemeindegebiet von Feldkirch erweitert worden.

VN: Das gewichtigste Argument für den raschen Bau des Letzetunnels ist die Entlastung der Bärenkreuzung. Sind Sie ein Verzögerer?

Rein: Ganz und gar nicht. Die genannten Hausaufgaben hätten meine Vorgänger machen müssen. Ich werde der gesetzlichen Pflicht, zum Beispiel der Alternativenprüfung nachkommen.

VN: Welche Alternativen bieten sich denn wirklich an?

Rein: Die bestehende Variante wird optimiert, Möglichkeiten hinsichtlich Raumwirkung werden ausgearbeitet und gemeinsam mit der Stadt Feldkirch geprüft. Die Entlastungswirkung für die Innenstadt wird neu angeschaut. Es bleibt sicherlich beim Tunnel, aber mit Anbindungen.

VN: Warum wird die Entlastungswirkung für Feldkirch nochmals angeschaut?

Rein: Dass die Amtsvariante die große Entlastung bringt, war und ist verlogen. Wir wissen inzwischen, dass die Stickoxidbelastung durch dieselbetriebene Fahrzeuge an der Bärenkreuzung durch den Letzetunnel nur um rund ein Viertel zurückgehen würde. Das ist eindeutig zuwenig.

VN: Sie fallen mit der jetzt behaupteten Lüge Ihren schwarzen Parteifreunden kräftig in den Rücken. Rein: Wir müssen ehrlich sein. Die Südumfahrung Feldkirch wäre in der vorliegenden Variante eindeutig eine Transitschleuse. Ohne Einbindung des Großraums wird die Luft in Feldkirch nicht entscheidend besser. Hauptverursacher der Luftbelastung ist der Ziel- und Quellverkehr. Außerdem müssen wir verstärkt auf die Kosten achten.

VN: Stichwort Kosten: Wollen Sie aus dem Fall Achraintunnel lernen?

Rein: Ja, die wirklichen Kosten, die voraussichtlich über 40 Prozent liegen, fressen das Geld weg, welches das Land aufbringen muss. Auch hier gab es eine Straßenplanung nach altem Muster: Man zieht einen Strich durch die Landschaft und kehrt die Raumwirkung unter den Teppich.


SPÖ: Transitschleuse Letzetunnel

„Die Befürchtungen der SPÖ in Sachen Letzetunnel werden nun eindrücklich von Verkehrslandesrat Rein bestätigt. Der geplante Letzetunnel hat kaum Entlastungswirkungen und stellt zudem eindeutig eine Transitschleuse dar“, lobt SPÖ-Clubvorsitzende LAbg. Dr. Elke Sader die überraschende Offenheit von Verkehrslandesrat Rein.

Damit sei aber auch klar, so Sader, dass die Feldkircher Bevölkerung nun bereits seit Jahrzehnten am Nasenring falscher Versprechungen herumgeführt wurde. Von schwarzer Seite von Landeshauptmann Sausgruber und Bürgermeister Berchtold und von blauer Seite vom damaligen Straßenbaulandesrat und jetzigen Infrastrukturminister Gorbach. Sie seien es immer gewesen, so die SPÖ-Clubvorsitzende weiter, die dem Letzetunnel gar wundersame Wirkung zugedacht haben.

Für Sader ist jedenfalls klar, dass die vorliegende Planung ausschließlich für den Papierschredder geeignet ist und da auch möglichst bald landen sollte. Abschließend hält sie fest: „Ich frage mich, welche Variante eines Tunnels Feldkirch entlasten sollte. Schlussendlich wird es darauf hinauslaufen, dass es keine Variante gibt, die die notwendige Entlastung mit sich bringt und die keine Transitschleuse darstellt. Den verantwortlichen Verkehrspolitikern wird also nichts anderes übrig bleiben als endlich über Alternativen zum Tunnelbau nachzudenken. Denn ansonsten wird Feldkirch zur Transitstadt verkommen.“ (Quelle: Sozialdemokratischer Landtagsclub)

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