Enthusiasmus für den handgenähten Schuh

Luag, was ma wera künnt: Schuhmacher. Zwei Akademiker haben sich der alten Tradition des Schuhmacherhandwerks verschrieben.
Im Atelier der Schuhmanufaktur

Dornbirn. Schuhe tragen uns durch den Tag, sie begleiten uns die meiste Zeit des Lebens. Ein rahmengenähter Schuh passt sich dem Fuß an, sorgt für eine gute und gesunde Körperhaltung, verschafft uns Entspannung und Wohlbefinden. Ein Sprichwort sagt schon: „Schuhe sind die Visitenkarte eines Trägers.“ Genauso sieht es auch Schuhmachermeisterin Christine Dünser von der Schuhmanufaktur in Dornbirn. In der Luft liegt ein Duft von Leder. Plötzlich kommt ein äußerst sympathischer junger Mann um die Ecke. Es ist Martin-Carl Kinzner. Er ist Master in Biologie und jetzt im 3. Lehrjahr bei Christine. „Leder und Schuhe haben mich immer schon interessiert. Ich habe im Internet darüber recherchiert und mir entsprechende Bücher gekauft. Auch habe ich schon bei einem Reparaturschuhmacher praktiziert. Dieser Traditionsberuf fesselte mich“, erzählt der 28-jährige Südtiroler. Das ging so weit, dass er seinen Beruf als Biologe an den Nagel hängte und eine Lehrstelle suchte. In Dornbirn wurde er fündig. Hier lernt Martin-Carl die Anfertigung von Maßschuhen. „Für das Maßnehmen muss man etwas Zeit mitbringen,“ erklärt der Biologe. „Denn hier wird der Grundstock für einen passgenauen Schuh gelegt“. Für die Anfertigung des persönlichen Leistens wird erst einmal mit Hilfe der Trittspur der Abdruck der Füße genommen. 

 „Zuerst wird ein Probeschuh gefertigt. Erst wenn der Tragekomfort einwandfrei passt, entsteht das endgültige Modell“, fügt seine Lehrherrin hinzu. „Wer auf gutem Schuh leben möchte, braucht ein wenig Zeit und Muse, damit man seinen perfekten und persönlichen Leisten erhält.”

 Ist dieser jedoch einmal hergestellt, wird dieser immer griffbereit im Lager aufbewahrt.

Echte Handwerkskunst und hochwertige Materialen

Im Schuhatelier wird fast alles von Hand gefertigt. „Mir gefällt die Arbeit mit dem hochwertigen Material Leder. Wir verwenden ausschließlich erstklassiges Leder aus artgerechter Tierhaltung. Die Nähmaschine und die Schneidemaschine sind unsere einzigen Maschinen. Jede Naht ist von Hand gearbeitet, die Holznägel werden gesetzt“ strahlt Martin-Carl, der in seinem Beruf aufgeht. Liebevoll wird der fertige Schuh mit einem weichen Tuch poliert. Die Berufsschule besucht der Lehrling in Hall in Tirol. „Ich bin der einzige Lehrling aus Vorarlberg, der diesen Beruf lernt. Gerade in der Maßschuhanfertigung braucht es ein großes Wissen in Anatomie. Alles was ich in der Schule lerne, kann ich hier im Atelier anwenden. Doch auch Christine hat ein abgeschlossenes Studium. In Florenz studierte sie Schuhdesign und praktizierte bei Salvatore Ferragamo. Seit 2012 ist die 33-jährige selbstständige Designerin. Es ist ein Beruf, der handwerkliches Geschick, Kreativität und jede Menge Fachwissen braucht, denn . . . zwei gleiche Füße gibt es nicht.

Lehrbetrieb

Dünser Christine Schuhmanufaktur Eisengasse 11, Dornbirn Tel. 0664 2267738 E-Mail: christine@christineduenser-manufaktur.com

Was macht den Beruf aus?

Christine Dünser, Schuhmachermeisterin

Mir gefällt die Arbeit mit dem Rohstoff Leder – besonders mit pflanzlich gegerbtem Bodenleder. Ich weiß, woher der Rohstoff kommt, dass er 14 Monate in der Gerbgrube liegt und nur vegetabile Gerbstoffe verwendet werden. Das Schönste für mich ist, einen passgenauen Schuh in Handarbeit zu fertigen. Dieses Wissen möchte ich meinem Lehrling weitergeben.

Martin-Carl Kinzner, 3. Lehrjahr

Da Leder ein Naturprodukt ist, macht es jeden Tag Freude, damit zu arbeiten. Ich darf Probeschuhe und diverse Zuarbeiten machen. Und natürlich das Finish. Bin für den Glanz, Pflege und Politur verantwortlich. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einem Stück Leder ein fertiger, edler Schuh entsteht.

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