Energiekostenvergleich startet an Tankstellen in Deutschland

Elektroauto beim Aufladen an einer E-Tankstelle
Elektroauto beim Aufladen an einer E-Tankstelle ©APA/THEMENBILD
Ab Oktober soll in Deutschland ein Energiekostenvergleich an größeren Tankstellen Autofahrer informieren, wie viel sie mit einem alternativen Antrieb für 100 km Fahrt zahlen müssten. Im heimischen Klimaministerium stößt die Initiative auf Interesse. Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) will sich das deutsche Modell genau anschauen.

"Eine bessere Kennzeichnung der Energiekosten für Autofahrer:innen, wie sie jetzt in Deutschland umgesetzt werden, ist eine neue und sinnvolle Lösung für einen deutlichen und einfachen Vergleich an der Zapfsäule oder Ladestation", so Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne), in einer Stellungnahme zur APA. "Wir wollen immer von guten Ideen lernen und für möglichst viel Transparenz sorgen, deshalb schauen wir uns natürlich an, ob und wie wir das auch in Österreich umsetzen können". Denn es helfe beim Umstieg auf klimafreundliche E-Autos, wenn die Kundinnen und Kunden ganz einfach sehen könnten, dass sie für 100 Kilometer Fahrt in der E-Mobilität weniger zahlten.

In Deutschland sollen dreizehn Zahlen auf einem gelborangenen Aushang den Autofahrern bereits ab Oktober zeigen, was sie mit einem alternativen Antrieb hätten sparen können. Größere Tankstellen müssen dort ihren Kunden einen sogenannten Energiekostenvergleich präsentieren. Darauf: Die Kosten für 100 Kilometer mit sieben verschiedenen Energieträgern - von Strom über Wasserstoff bis Superbenzin - und für zwei Fahrzeuggrößen. Nur für Wasserstoff bei kleineren Fahrzeugen fehlt mangels Daten ein Wert.

Die Ausschilderung setzt eine europäische Richtlinie um. Ihr Zweck ist "künftige Kaufentscheidungen der Verbraucher bei der Personenkraftfahrzeugwahl zu unterstützen", wie es im Gesetzestext heißt. Der Gedanke dahinter: Autofahrer sollen einfach vergleichen können, was Energie für 100 Kilometer mit verschiedenen Antriebsformen kostet.

Die EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) gibt es bereits seit 2014, sie ist in Österreich schon umgesetzt. Man könne sie aber "sehr vielfältig interpretieren", sagte der Sprecher der Ministerin. Die deutsche Initiative sei eine Möglichkeit. "Die AFID-Richtlinie regelt auf europäischer Ebene den Ausbau von Infrastruktur für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb und die Transparenz bei der Darstellung von Preisen an Ladestellen - in Österreich wurde die Richtlinie insbesondere mit dem Bundesgesetz zur Festlegung einheitlicher Standards beim Infrastrukturausbau für alternative Kraftstoffe umgesetzt", präzisierte der Sprecher der Ministerin. Heuer sei dieses Gesetz im Zuge des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) novelliert worden, um künftig für die Konsumentinnen und Konsumenten an der Ladesäule mehr Klarheit und Transparenz durch eine Vorabinfo zu Preisen und Verfügbarkeiten zu bieten. Zur Übersicht über Ladepunkte in Österreich betreibe das Klimaschutzministerium die Homepage ladestellen.at. Hier seien - wie gesetzlich vorgesehen - alle öffentlichen Ladestellen einsehbar.

Grundsätzlich erachtet man die Ausschilderung in Deutschland etwa auch beim deutschen Verkehrsklub ADAC als sinnvoll, um Transparenz herzustellen und "auch die Kaufentscheidung ein Stück weit zu beeinflussen". Der deutsche Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die Kennzeichnung ebenfalls: "Der Vergleich macht deutlich, dass die Elektromobilität für viele Autofahrerinnen und -fahrer nicht nur eine klimafreundliche, sondern auch eine finanziell attraktive Alternative ist", heißt es von dort.

Dem jeweils aktuellen Plakat - es soll vierteljährlich aktualisiert werden und kann beim Wirtschaftsministerium heruntergeladen werden - ist beispielsweise zu entnehmen, dass ein Mittel- oder Oberklassewagen mit Superbenzin 11,42 Euro Sprit- beziehungsweise Energiekosten pro 100 Kilometer verursacht. Mit Super E10 wären es 11,00 Euro, mit Diesel 7,48 Euro, mit einem Stromer 4,84 Euro. Erdgas H schlüge mit 6,39 Euro zu Buche, Autogas mit 4,96 Euro und Wasserstoff mit 7,60 Euro.

Für jede Antriebsart in jeder der beiden Fahrzeugkategorien werden die drei meistverkauften Fahrzeuge und deren offizieller Verbrauch nach dem aktuellen Fahrzyklus WLTP herangezogen. So erhält man einen Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer. Zusammen mit dem Preis für den jeweiligen Energieträger ergeben sich dann Kosten pro 100 Kilometer. Beim Preis verwendet das Ministerium den Durchschnittswert des zweiten Quartals. Diese Zahlen sind auf dem Plakat aber nicht angegeben.

Auch wenn die Werte auf den Cent genau ausgerechnet und angegeben werden, können es aus mehreren Gründen nur grobe Vergleichswerte sein. Zum einen fährt der Verbraucher, der das Plakat beim Tanken liest wahrscheinlich ein anderes Auto mit einem anderen Verbrauch. Auch sein Fahrstil macht hier einen großen Unterschied.

Zudem werden für die Berechnung nach Auskunft des deutschen Wirtschaftsministeriums derzeit die Durchschnittspreise des zweiten Quartals verwendet. Seither ist beispielsweise Diesel um rund 9 Cent pro Liter teurer geworden, wie sich aus Zahlen des ADAC ergibt.

Und schließlich ist es - wie der Name schon sagt - nur ein Vergleich der Energiekosten. Andere Kosten rund ums Auto wie Anschaffung, Reparaturen, Versicherung und Steuer bleiben naturgemäß unberücksichtigt - obwohl sie die Energiekosten in der Regel deutlich übersteigen.

Besonders anfällig für Verzerrungen ist die Berechnung ausgerechnet bei Elektroautos, die laut Vergleich am günstigsten fahren. "Es fehlt die Information, dass bei E-Autos der durchschnittliche Haushaltsstrompreis zugrundegelegt ist", kritisiert der deutsche Mineralölwirtschaftsverband MWV. "Öffentliches und vor allem schnelles Laden ist meist teurer, und das reduziert den Preisunterschied zum Benziner erheblich."

Laut Energiewirtschaftsverband BDEW liegt ein typischer Haushaltsstromtarif etwas über 30 Cent pro Kilowattstunde. An öffentlichen Ladesäulen seien es aber eher 39 bis 45 Cent und an Schnellladesäulen sogar 49 bis 79 Cent. Dahinter stecken unter anderem Kosten für die Infrastruktur, Betrieb, Wartung, Flächennutzung und die Zahlungsabwicklung. Doch auch diese Preise müssten berücksichtigt werden, damit die Angaben auf dem Plakat "mit den persönlichen Erfahrungen in Einklang gebracht werden können", fordert der deutsche Verband.

Das Wirtschaftsministerium rechtfertigt die Nutzung des Haushaltsstromtarifs unter anderem damit, dass mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zuhause stattfänden. Mittelfristig sollen aber auch die Kosten für das Laden unterwegs mit in die Berechnung einfließen.

Tankstellen mit sieben Mehrfachzapfsäulen und mehr müssen es aufhängen oder auf einem Bildschirm präsentieren. Laut Schätzung des deutschen Tankstellenverbands ZTG betrifft das allerdings nur etwa 1.500 der 14.500 Tankstellen in Deutschland. Das sei "das einzig Gute" an der neuen Regelung, sagte ZTG-Geschäftsführer Jürgen Ziegner, der das Plakat für "so überflüssig wie einen Kropf" hält. "Es nutzt mir ja wenig, wenn ich unterwegs bin und tanken muss, und dann erfahre, wie viel ich zuhause für den Strom gezahlt hätte", kritisierte er.

"Aktuell ist es Aufgabe der Behörde - konkret des Klimaschutzministeriums - die Variablen auf Basis der EU-Richtlinie und EU-Durchführungsverordnung für die Umsetzung des Preisvergleichs alternativer Kraftstoffe in Österreich zu erlassen, an denen sich unsere Mitgliedsunternehmen orientieren können", erklärte die Geschäftsführerin des Fachverbands der Mineralölindustrie (FVMI), Hedwig Doloszeski, gegenüber der APA. Das betreffe unter anderem Details wie die Festlegung, welche Tankstellen betroffen seien, oder die Ermittlung der Durchschnittspreise durch eine Behörde.

(APA/dpa)

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