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"EM ist eine unvergessliche Erfahrung“

Götzis - Das Jahr 2008 wird Tormann Ramazan Özcan aus Götzis wohl in ewiger Erinnerung bleiben. Interview 

Mit Hoffenheim schaffte er den Aufstieg in die Deutsche Bundesliga, zudem rutschte der Torhüter im letzten Augenblick für den verletzten Helge Payer in den ÖFB-EM-Kader. Den „VN“ erzählt der 23-Jährige von der EM und seiner Zukunft bei Hoffenheim.

VN: Die EURO 2008 ist für Österreich vorbei. Was für Eindrücke nehmen Sie mit?

Özcan: Eigentlich nur positive. Angefangen vom Teamquartier bis hin zur Mannschaft und dem gesamten Betreuerstab. Alles war unheimlich professionell. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und menschlich viel dazugelernt. Es war aber auch eine emotionale Erfahrung. Die Fahrten mit unserem Bus hinterließen unbeschreibliche Gefühle in mir. Tausende Fans jubelten uns – egal wo wir auftauchten – zu. Sogar Polizisten umarmten uns. Man hat gesehen, dass ganz Österreich hinter uns stand. Ich hoffe, dass dieser Fußball-Boom auch nach der EM anhält.

VN: Gönnen Sie uns einen kleinen Einblick ins Teamquartier der österreichischen Nationalmannschaft. Wie war die Stimmung?

Özcan: Die Bedingungen hätten nicht besser sein können. Das gesamte Gelände um das Hotel war abgeriegelt. Sogar wir Spieler brauchten eine eigene Akkreditierung. Jeder Spieler hatte sein eigenes Zimmer, es wurde einem praktisch jeder Wunsch erfüllt. Die Spieler respektierten sich und es gab keinerlei Streitereien. Es verlief, trotz des Konkurrenzkampfes auf dem Platz, alles friedlich.

VN: Sie waren dritter Tormann, wussten, dass Sie nicht zum Einsatz kommen. Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

Özcan: Es hat mich nicht gestört. Mein Ziel war es, einen guten Eindruck zu hinterlassen, um so meine Einberufung zu rechtfertigen. Viel wichtiger war für mich, das Umfeld kennen zu lernen und Erfahrung zu sammeln. Ich bin stolz, dass ich durch meine Leistungen bei Hoffenheim überhaupt auf mich aufmerksam gemacht habe.

VN: Nochmals zurück zum entscheidenden Vorrundenspiel gegen Deutschland. Wie haben Sie das Duell gesehen?

Özcan: Ich glaube, bis zum Strafraum waren wir ebenbürtig. Im Sturm hat uns aber der unbedingte Wille und die Qualität gefehlt, um ein Tor zu erzielen. Rene Aufhauser, den ich aus meiner Zeit bei Salzburg gut kenne, habe ich nach dem Spiel gratuliert, denn er hat Michael Ballack bis zu seiner Auswechslung in den Schatten gestellt. Der große Unterschied war aber, dass unsere Gegner praktisch in allen Spielen aus zwei Chancen ein Tor erzielten.

VN: Teamchef Josef Hickersberger soll ÖFB-Trainer bleiben. Glauben Sie, dass er der Richtige für die Zukunft ist?

Özcan: Der Teamchef hat mich positiv überrascht. Er ist in vielen Situationen ruhig geblieben und hat sich sehr professionell und fair verhalten. Viele Menschen meinen, dass er nicht motivieren kann. Er hat uns aber auf die Spiele sehr gut eingestellt. Die Spieler res­pektieren den Teamchef, seine Arbeitsweise kommt gut an. Wir hatten in den drei Spielen genug Chancen, zu gewinnen, die Tore müssen aber immer noch die Spieler und nicht der Trainer schießen. Ob Hickersberger der Richtige für die Zukunft ist, möchte ich nicht kommentieren.

VN: Und wer wird Europameister?

Özcan: Ich hoffe natürlich, dass die Türkei weiterkommt. Holland wird für mich im Finale stehen. Als Gegner im Endspiel kommen mehrere Teams in Frage.

VN: Nun zu einem anderen Thema. Sie waren beim Aufstieg mit Hoffenheim in die Bundesliga die Nummer eins im Tor. Glauben Sie, dass Sie das auch in der neuen Saison sein werden?

Özcan: Es wurde kein neuer Torhüter verpflichtet, daher gehe ich davon aus, dass ich die Nummer eins bleibe. Ich freue mich schon riesig auf die Bundesliga. Teamchef-Assistent Andreas Herzog hat mir gesagt, dass ich nun jedes Wochenende vor so vielen Zuschauern wie bei der Europameisterschaft spielen werde.

VN: Jetzt geht es mit Ihrer Freundin in den Urlaub. Wie lange hat Ihnen ihr Verein Hoffenheim bzw. Trainer Rangnick frei­gegeben?

Özcan: Ich habe mit meinem Trainer telefoniert und eineinhalb Wochen mehr Urlaub als meine Kollegen erhalten. Mitte nächster Woche werde ich mit meiner Freundin zwei Wochen Ferien machen. Wohin die Reise geht, weiß ich noch nicht.

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