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Einziges Mittel, "das wir derzeit haben"

"Es wird in Zukunft wahrscheinlich mehr Medikamente gegen eine Influenza-Pandemie geben. Aber derzeit ist Tamiflu das einzige Mittel, das wir haben. Und es wirkt gegen alle Influenza-Viren.

Es ist nur irgendwie eine Ironie, dass die Welt erst jetzt aufwacht und draufkommt, dass es eine Influenza-Pandemie geben könnte. Eines Tages wird sie da sein. Und wenn wir nicht vorbereitet sind, kann es 100 Millionen Tote geben.“ Dies erklärte der ursprünglich aus Vorarlberg stammende Tamiflu-„Erfinder“ Dr. Norbert W. Bischofberger am Freitag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen in einem Interview mit der APA.

Bischofberger, von der Ausbildung her Chemiker, arbeitet seit mehr als 20 Jahren in den USA. Bei Gilead Sciences entwickelten er und sein Team das erste in Kapselform schluckbare Arzneimittel zur ursächlichen Behandlung der Influenza, einen Wirkstoff, der das Virusenzym Neuraminidase hemmt. Der Wissenschafter und Forschungs-Vizechef des US-Unternehmens, das sich auf die Entwicklung von antiviralen Medikamenten gegen HIV, Hepatitis C etc. spezialisiert hat: “1992 wurden erste Daten über einen solchen Wirkstoff mit guter Wirkung präsentiert. Daraus wurde das inhalierbare Influenza-Medikament Relenza. Wir begannen mit den Arbeiten 1993 und entwickelten auf der Basis des (3D-)Strukturmodells den Wirkstoff von Tamiflu. 1996 gab es die klinischen Studien, 1999 wurde das Medikament in den USA zugelassen.“

Warum man auf Medikamente in Kapselform setzte? „Das andere Mittel muss man inhalieren. Aber gerade Leute, die eine Influenza-Infektion mit Atemwegsbeschwerden haben, tun sich da schwer. Außerdem gerät der Wirkstoff nur in die Lunge. Die ’Spanische Grippe’ tötete aber die Menschen im Jahr 1918 binnen zwölf Stunden – nicht durch ihren Effekt auf die Lunge, sondern durch die Infektion von Gehirn und anderen Organen. Das haben wir aus den Biopsien von Leichen damals Gestorbener gelernt“, sagte der Experte.

Bischofberger ist fest überzeugt, dass mit Tamiflu einer eventuellen Influenza-Pandemie wirksam begegnet werden kann: „Wir haben Daten aus dem Labor, dass das Medikament gegen alle Influenza-Viren wirkt. Wir haben Frettchen mit H5N1 infiziert und konnten sie mit Tamiflu zu 100 Prozent schützen. Ohne Tamiflu starben sie zu 100 Prozent. Für eine Pandemie benötigt man das Medikament zu Hause oder der Staat sorgt dafür, dass es sofort verteilt wird.“

Kritisch ist die Reaktionszeit. Der Wissenschafter: „Wie bei allen antiviralen Medikamenten muss man Tamiflu möglichst sofort nach der Infektion, längstens binnen 48 Stunden, einnehmen. An der ersten Welle der Viren im Körper stirbt man nämlich nicht, sondern erst an Folgeerscheinungen. Und da kann das Medikament nicht mehr wirken.“

Resistenzen seien kaum zu befürchten. Bischofberger: „Die Resistenzrate ist sehr gering. Aber man darf natürlich nicht – wie einmal aus China berichtet – Tamiflu an die Enten verfüttern. Das ist auch ökonomisch unsinnig, weil es billiger ist, eine gesunde Ente zu kaufen. Es gibt nur anekdotische Berichte von Fehlschlägen der Therapie von Menschen mit H5N1-Vogelgrippe. Einer davon wurde mit einer falschen Dosis behandelt, der andere am Tag sechs nach dem Auftreten der Symptome. Wir haben aber Daten aus zahlreichen Studien, dass Tamiflu die Mortalität bei ’normaler’ Influenza senkt, zum Beispiel in Pflegeheimen.“

Nicht immer aber sei – so Bischofberger – die Reaktion der Politik auf solche Bio-Bedrohungen rational: „Die USA stecken Milliarden Dollar in die Entwicklung von Anthrax-Impfstoffen (gegen Bioterrorismus-Attacken, Anm.). Dabei ist die Chance, dass man an Anthrax stirbt, faktisch Null. Außerdem gibt es dagegen ein billiges Antibiotikum, Ciprofloxacin. Eine Influenza-Pandemie aber wird auf jeden Fall kommen. Die letzte war 1968.“ Da gab es noch keines der Influenza-Medikamente.

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