"Eine lernende Organisation"

Reges Interesse herrschte am Freitag Abend beim "VN"-Stammtisch im Landeskrankenhaus Feldkirch zur Situation des Gesundheitswesens in Vorarlberg.

„Es gibt ganz sicher keine bewusste Fehlinformation. Auch das Gesundheitswesen ist eine lernende Institution“, betonte Spitalsdirektor Gerald Fleisch im Rahmen eines gut besuchten „VN“-Stammtisches im Schwerpunktspital Feldkirch. „Auch wir haben aus diesen Fällen gelernt“, fügte er im Rückblick auf jüngste Turbulenzen im Gesundheitwesen hinzu. Am Beschwerde- und Konfliktmanagement werde unter Einbeziehung von Fachleuten ständig gefeilt.

Für Statthalter Hans Peter Bischof ist die Mündigkeit von Patienten in den letzten Jahren wesentlich gestiegen. Er beschwor das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen. Dass in Sachen Kommunikation so manches im Argen liegt, ließ der Gesundheitsreferent deutlich durchblicken. „Vom verstorbenen Tourengeher aus Höchst habe ich erst am Dienstag erfahren, obwohl der Mann am Samstag einem Herzfinfarkt erlag“, erinnerte Bischof.

Profitruppe im Einsatz

Deshalb sei man derzeit mit einer „Profitruppe“ von Experten damit beschäftigt, wichtige Fragen der Kommunikation neu zu definieren. Denn, so Bischof: “ Gerade Angehörige müssen anders und rascher informiert werden.“ Für ihn gebe es im Hinblick auf Anlassfälle “ keine Zeit des Abwartens im Gesundheitswesen“ , betonte der Statthalter. “ Man muss auf jedes Moment reagieren. Der Prozess muss ständig vorangehen.“

Offenheit ist gefragt

Auch die massive Kritik an der Spitalsbetriebsgesellschaft mit Direktor Luis Patsch an der Spitze kam zur Sprache. Chefarzt und Primar Heinz Drexel: “ Es gab den Versuch, Ärzte und Personal auseinander zu dividieren – das ist schlecht.“ Im Hinblick auf eine Verbesserung der Kommunikation und des Beschwerdemanagements meinte der Leiter der Kardiologie der Uniklinik Innsbruck, Univ.-Prof. Otmar Pachinger: “ Ich war immer einer Anhänger der Offenheit.“ Das Gesundheitssystem in Österreich bezeichnete Pachinger als gut, ständiger Reformen bedürfe es aber dennoch.

Chefarzt Drexel ließ keinen Zweifel daran, dass die Mediziner alles unternehmen, um Herzinfarktpatienten vor dem Tod bewahren zu könnn. Dennoch gab Drexel zu bedenken: “ Obwohl wir bis zuletzt versuchen, jeden Patienten zu retten, müssen wir uns als Profis auch Grenzen setzen und einmal sagen: da können wir nichts mehr tun.“

Statements der Experten am Podium

“Wir werden das Beschwerdemanagement überdenken. Ich hatte bisher mit 1200 Patientenfällen zu tun. Die meisten wollen aber nicht in die Öffentlichkeit, die wollen eine Lösung.” (MAG. ALEXANDER WOLF, PATIENTENANWALT)

“Es besteht ein klares West-Ost-Gefälle. Die medizinische Versorgung ist hier wahrscheinlich die Beste in ganz Österreich. Die Akutversorgung ist in Niederösterreich teilweise viel schlechter.” (PROF. OTMAR PACHINGER, UNIKLINIK INNSBRUCK)

“Ich garantiere, dass im Herbst die 24-Stunden-Versorgung im Katheterlabor umgesetzt wird. Optimal wäre, es schon im September zu erreichen. Aber der Herbst findet nicht nur im September statt.” (DR. HANS-PETER BISCHOF, LANDESSTATTHALTER)

“Ich bestehe als Chefarzt darauf, dass wir hervorragende Qualität leisten. Wenn das nicht geht, beginne ich mit dem 24-Stunden-Betrieb nicht heute, sondern lieber übermorgen.” (PROF. HEINZ DREXEL, CHEFARZT LKH FELDKIRCH)

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