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Einbrecher plauderten aus der Schule

Wien - Einbrecher haben für eine vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) im Auftrag des Innenministeriums durchgeführte Täterstudie aus der Schule geplaudert.

Daraus können die Bürger und damit potenzielle Opfer jede Menge lernen, und auch für die Polizei ist etwas Nachhilfe drinnen. „Es konnte eindeutig und klar festgestellt werden, dass es den Tätern in Österreich sehr leicht gemacht wird“, brachte Innenminister Günther Platter (V) eines der Ergebnisse der Studie bei deren Präsentation am Donnerstag in Wien auf den Punkt.

„Wenn der Zylinder passt, geh’ ich in jede Wohnung rein“, erklärte einer von 20 in Form von Tiefeninterviews in Strafvollzugsanstalten befragten Einbrecher. Mangelnde Türsicherungen, offene oder gekippte Fenster, die offensichtliche längere Abwesenheit der Hausbewohner und Ignoranz der Nachbarn machen es Einbrechern leicht, ihrem illegalen Tun nachzugehen. „Einbruchsdiebstähle – das ist keine Hochtechnologie, sondern simples Handwerk“, stellte KfV-Direktor Othmar Thann klar. In diesem Sinn ist es durch Prävention möglich, einen Teil der Einbruchsdiebstähle in Wohnungen bzw. Wohnhäuser zu verhindern. Platter plädierte denn auch dafür, die Eigenverantwortung anzusprechen.

In einer weiteren Studie hat das Bundeskriminalamt (BK) von 2004 bis 2006 verübte Einbruchsdiebstähle in Wohnungen, Wohnhäuser, Geschäfte und Firmen analysiert und unter anderem als regionale Schwerpunkte neben Wien die größeren Landeshauptstädte ausgemacht. Die meisten Täter sind Österreicher, die führen in allen vier Kategorien praktisch unangefochten die „Top-10-Liste“ an. Allein in der Sparte Wohnungseinbruch waren ihnen Georgier knapp auf den Fersen.

Überhaupt stellten die Analysten Spezialisierungen innerhalb der Top-10-Liste fest: Neben Georgiern bevorzugen auch Rumänen Wohnungseinbrüche. Ungarn, Serben und Kroaten suchen sich lieber Wohnhäuser. Ungarn wurden darüber hinaus bei Firmeneinbrüchen als Täter eruiert, als Beute sind in erster Linie Buntmetalle gefragt.

Österreicher sind vorwiegend als Einzeltäter oder maximal zu fünft unterwegs, ausländische Täter gehen in der Regel organisiert vor. Extremes Beispiel dafür, das von Erich Zwettler vom BK genannt wurde: Einer moldawische Gruppe, des gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls überführt, schickte erst Späher aus, ehe andere in einem Baumarkt Einbruchswerkzeug stahlen und wieder andere ein Auto knackten, damit die eigentlichen Einbrecher zum Tatort und wieder wegfahren konnten. <

Laut Platter – er nannte als Ziel der Studien den „gläsernen Täter“ – wurden im vergangenen Jahr 6.531 Österreicher und 5.791 Fremde als Verdächtige nach Einbruchsdiebstählen aller Art (inklusive z.B. Zeitungskassen) ausgeforscht. 2005 waren es 6.933 bzw. 5.713. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden in den Kategorien Wohnungs- und Wohnhauseinbruch 180 Österreicher und 376 Ausländer als Verdächtige ermittelt. Im ersten Halbjahr 2007 wurden rund 50.000 Einbrüche (aller Art) verübt, 80 Prozent blieben zumindest vorläufig ungeklärt.

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