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Ein Tag im Zeichen von Tschernobyl

"Der Super-Gau  - 25 Jahre Reaktorunglück von Tschernobyl" war der Titel des Thementages.
"Der Super-Gau - 25 Jahre Reaktorunglück von Tschernobyl" war der Titel des Thementages. ©Laurence Feider
Thementag Tschernobyl

Der 2. Thementag-Zeitgeschichte des BG Lustenau widmete sich dem Reaktorunglück.

Lustenau. 25 Jahre ist es her, dass es im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl zur nuklearen Katastrophe kam. Bis heute ist die Region unbewohnbar, Menschen und Natur kämpfen weiterhin mit den Spätfolgen. Diesem traurigen Jubiläum widmete das Gymnasium Lustenau seinen zweiten zeitgeschichtlichen Thementag. Unter dem Titel “Der Super-Gau – 25 Jahre Reaktorunglück von Tschernobyl” standen Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops zum Schicksal der Opfer und den globalen Folgen der Atomunfälle von Tschernobyl und Fukushima auf dem Programm.

Nach einer kurzen Einführung von Professor Christof Bohle, eröffnete Elfi Meusburger, Obfrau der Initiative “Kinder von Tschernobyl” den Vortragsreigen. Seit 1992 engagiert sich die Lustenauerin ehrenamtlich für strahlengeschädigte Kinder in Weißrußland, organisierte zuerst Ferienwochen in Vorarlberg, zunehmend auch Erholungsaufenthalte in weißrussischen Sanatorien im unverstrahlten Norden und unterstützt bedürftige Familien mit Kindern die infolge der Tschernobyl-Katastrophe erkrankt sind durch die Vermittlung von Patenschaften in Vorarlberg. Den Lustenauer Gymnasiasten erzählte Elfi Meusburger von den Anfängen und Beweggründen für ihr unermüdliches Engagement, von den gesundheitlichen, psychischen, sozialen und materiellen Problemen der Menschen in Weißrußland und ihren Zukunftsperspektiven. Sie erzählte auch wie sie die jetzige Katastrophe in Japan sie an den Rand der Resignation brachte. “Die Katastrophe von Fukushima hat mich tief getroffen, wie in Tschernobyl werden Informationen zurückgehalten und Menschen zu spät und zu spärlich aus den verstrahlten Gebieten evakuiert”, so Meusburger. Was sie jedoch immer wieder zum Weitermachen motiviert sind die menschlichen Begegnungen, die gelebte Solidarität mit den Opfern und der gemeinsame Kampf gegen die Mutlosigkeit.

“Vom Widerstand zum Trendsetting” lautete der nächste Vortrag indem Hildegard Breiner, Grande Dame der Anti-Atomkraft-Bewegung in Vorarlberg, die Schüler zum “kleinen persönlichen Atomausstieg” aufforderte. “Auf euch kommt es an, von euch hängt es ab, wie die Welt übermorgen ausschaut” ermutigte Breiner die Jugendlichen offen zu bleiben, persönliche Konsequenzen zu ziehen, Schritte zu setzen und auch anderen Menschen die Auswege durch alternative, erneuerbare Energiequellen näher zu bringen. “Dezentralisierung” und “Zugzwang” waren einige der Schlagwörter die fielen, bevor sich Hildegard Breiner den spannenden Fragen der interessierten Schüler stellte.

Als dritter Redner fungierte Kurt Hämmerle vom Energieinstitut Vorarlberg. Sein Vortrag “Energieautonomie Vorarlberg 2050” informierte über die Zukunft der Energiepolitik, über Einsparmöglichkeiten und alternative Energieformen. Hämmerle präsentierte interessante Zahlen und Fakten, so wie zahlreiche Grafiken zu Themen wie Biomasse, Photovoltaik, Wasserkraft, “Peak Oil” und dem globalen Klimawandel und seinen Auswirkungen. Im Anschluß an die höchst informativen Vorträge, hatten die Oberstufenschüler die Möglichkeit ihr Wissen in diversen Workshops mit Fachexperten zu vertiefen. Manche Gruppen gingen hinaus um die Lustenauer Bevölkerung zur Atomkraft-Thematik zu befragen, andere besichtigten das Lustenauer Biomassekraftwerk und eine Gruppe widmete sich dem Thema Elektromobilität bei einer Exkursion zu den VKW in Bregenz. Am Nachmittag trafen sich alle wieder in der Aula zur Ergebnispräsentation und zum Erfahrungsaustausch.

VN-Umfrage: Wie hat dir der Tschernobyl-Tag gefallen?

Isabelle Eisele, 16 Jahre.
Mich hat beeindruckt, wie unermüdlich sich Menschen in verschiedenen Bereichen engagieren, besonders berührt hat mich der sehr persönliche Vortrag von Frau Meusburger. Etwas enttäuscht war ich, dass Frau Breiner nicht konkreter über erneuerbare Energiequellen und deren Nutzung informiert hat. Grundsätzlich bin ich gegen Atomkraft, denke, dass es aber noch keine hundertprozentigen Alternativen gibt.

Marita Schett, 15 Jahre.
So ein zeitgeschichtlicher Thementag macht uns Schülern bewußt, was passiert ist, bevor wir auf der Welt waren und das ist für unser Allgemeinverständnis wichtig. Wichtig ist auch sich mit Alternativen zur Atomkraft auseinanderzusetzen und selber kleine Schritte wie Licht ausschalten, elektronische Geräte bewußt nutzen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen, zu setzen.

Carola Mähr, 16 Jahre.
Wir Jugendliche können die Zukunft verändern, daher ist es wichtig mit uns Klartext zu reden und nichts zu verharmlosen. Wir leben in einer hoch technologisierten Welt, sollten aber lernen sparsam mit den vorhandenen Energieressourcen umzugehen. Ich denke, derzeit brauchen wir noch die Atomkraft, da keine Alternative so viel Strom in so kurzer Zeit produziert.

Dennis Vetter, 16 Jahre.
Grundsätzlich finde ich die Thementage an unserer Schule toll. Heute hat mich die Einseitigkeit der Vorträge ein bißchen gestört, mich hätten auch die Argumente der Atomkraft-Befürworter interessiert. Prinzipiell bin ich aber auch gegen Atomkraft und empfinde viel Mitgefühl mit den Kindern in den verstrahlten Gebieten. Selber bemühe ich mich um einen schonenden Energieverbrauch.

 

Mühlefeldstrasse 20,Lustenau, Austria

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