AA

Ein Sturm tobt im Milchglas

Schwarzach - Deutsche Bauern verfüttern die Milch so lange ans Vieh, bis der Preis wieder passt. "Sowas kostet große Überwindung", sagt Bernhard Heger vom Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter.

Dennoch haben am Dienstag Tausende deutsche Bauern die frisch gemolkene Milch einfach weggeschüttet. In die Gülle gerührt, ans Vieh verfüttert. Und das wollen sie weiter so halten. So lange, bis sie 43 Cent pro Liter kriegen.

Preis „untragbar“

Derzeit variiert der Erzeugerpreis zwischen 27 Cent im Norden und 35 Cent in Bayern. Und das ist „untragbar“, urteilt Landesrat Erich Schwärzler, indessen Kammerpräsident Josef Moosbrugger auch einen Vorarlberger Lieferstreik nicht ausschließt. Freilich, die 2350 hiesigen Milchbetriebe haben den deutschen Nachbarn einiges voraus. Vor allem kleinere Betriebe haben stark investiert. Die 150 Millionen Liter Milch pro Jahr werden zu 100 Prozent im Land verarbeitet. Kein Bauer ist wie in Deutschland abhängig vom Export nach Asien, den zuletzt der starke Euro beeinträchtigt hat, sodass die Milch wieder auf den heimischen Markt zurück schwappte. Der Vorarlberger Landwirt kriegt immer noch 40 Cent je Liter.

Zerbrechliche Struktur

Doch die Struktur ist empfindlich. Fast 70 Prozent der hiesigen Bauern liefern weniger als 50.000 Liter pro Jahr. „Ein dänischer Durchschnittslandwirt bringt es auf 650.000 Liter jährlich“, bekräftigt Milchwirtschaftsreferent Othmar Bereuter von der Landwirtschaftskammer. „Preisdumping halten wir nicht durch.“ Präsident Moosbrugger schiebt eine Rechnung nach: „Ein Vorarlberger Bauer verdient heute an einem Kilo Schweinefleisch 43 Cent weniger als vor 15 Jahren, am Liter Milch um zwei Cent weniger.“ Gleichzeitig seien die Energie- und Futterkosten aber gestiegen.

Bauern zahlen drauf

„Wenn die Milch in einem Jahr um 11 Cent teurer wurde, hat das den Konsumenten mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 80 Liter pro Jahr 8,8 Euro gekostet. Die Milchpreisreduktion von vier bis sechs Cent, die wir schon haben, kostet jeden Bauern 3600 Euro im Jahr. Fazit: „Wenn der Milchpreis nicht bald wieder anzieht“, werden auch Vorarlberger Bauern ihre Milch lieber ans Vieh verfüttern. „Milch ist ein Grundnahrungsmittel. Sie ist etwas wert.“ Sie lasse sich nicht mit einem x-beliebigen anderen Getränk vergleichen. Hängt also alles an den Diskontketten. LR Schwärzler streut den Lebensmittelriesen Spar, Adeg und Sutterlüty Rosen. Mit denen habe man eine Gesprächsebene. Lidl und Hofer hätten statt dessen auf Einladungen gar nicht reagiert. Den derzeitigen Erzeugerpreis in Vorarlberg nennt Schwärzler „das absolut unterste Limit“.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Ein Sturm tobt im Milchglas
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen