AA

Ein neuer Liederzyklus für die Musikgeschichte

Soiree mit Komponist/Pianist Jürg Hanselmann und Tenor Karl Jerolitsch
Soiree mit Komponist/Pianist Jürg Hanselmann und Tenor Karl Jerolitsch ©Volksblatt/Shourot
Die beiden prominenten Liechtensteiner Musiker Jürg Hanselmann (Pianist und Komponist) und Karl Jerolitsch (Tenor) luden am Sonntag zu einer Soiree im SAL, die im ersten Teil Ludwig van Beethoven gewidmet war; nach der Pause standen Werke von Jürg Hanselmann auf dem Programm. Die Liedersoiree hatte das Motto „An die ferne Geliebte" (TAK-Veranstaltung).

 

Schaan. (sch)  Der heute in Balzers lebende Pianist und Komponist Jürg Hanselmann ist als erstklassiger Rheinberger-Fachmann gewiss der Nationalkomponist Liechtensteins. Er ist mehrfacher Preisträger, sein OEuvre umfasst Klavier-und Kammermusik, Chor-und Orchesterwerke, zahlreiche CD-Einspielungen usw. Als vielseitiger Pianist ist Hanselmann in Europa und auch in den USA bekannt. Am Sonntag präsentierte der Komponist am Flügel zusammen mit Karl Jerolitsch seinen wohl sensationellen neuen  „Hesse-Liederkreis“, einen Liederzyklus von 12 vertonten Gedichten des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers Hermann Hesse (1877-1962), den er mit Einzelgedichten des Autors in organischer Struktur mit „innerem Programm“ geschaffen hat – in engster künstlerischer Partnerschaft mit dem weltweit hochgeschätzten Tenor Karl Jerolitsch;  die CD-Einspielung des Zyklus erfolgte 2011, das erste öffentliche Konzert am Sonntag gilt als Welturaufführung.

 

Thematische Klammer

Da die Texte Hesses in expressiver Sprachkraft von brüchigem Liebesglück, schwärmerischer Sehnsucht nach der Geliebten, welche die Liebe nicht erwidert, von Enttäuschung und  schließlich sanfter Resignation künden, hatte Hanselmann an den Beginn des Programms zwei berühmte ähnliche Lieder Beethovens gestellt: „Resignation“ und das bezaubernde „Ich liebe Dich“, von Karl Jerolitsch innig gesungen. Es folgte zur weiteren romantischen Einstimmung die von Hanselmann mit delikatem Anschlag gespielte berühmte „Mondscheinsonate“ in cis-Moll, op. 27, Nr. 2, von Beethoven, der diese Sonate seiner angebeteten, heimlichen „Unsterblichen Geliebten“ Gräfin Giulietta gewidmet hat. Und der von bittersüßem Liebesglück durchpulste Liederkreis „An die ferne Geliebte“, op. 98, von Beethoven hatte in Karl Jerolitsch einen meisterhaften Interpreten. Sein  in makelloser Fülle leuchtender Tenor mit himmelstürmenden Höhen und seine von großer Klarheit geprägte Wortdeutlichkeit, gepaart mit reifer gesanglicher Auslotung der Liebestexte von Alois Jeitteles, beeindruckten schon vor den Hesse-Liedern, die dann geistig und thematisch daran anschlossen, in hohem Maße.

 

Hesse – Lieder

Die Konzeption des „Hesse – Liederkreises“ erinnert mehrfach an den unglücklich liebenden Müllerburschen bzw. Wanderer in Franz Schuberts großen Liederzyklen. Karl Jerolitsch sang die zwölf Kunstlieder mit berückender Gesangskultur, einer hochrangigen Phrasierungskunst gerade auch bei der sensiblen Textbehandlung. Jürg Hanselmann vertonte die stark emotionellen Hesse -Texte mit kongenialer tonaler Klangrede, die dem Sänger, aber auch  dem Komponisten am Flügel viel abverlangte. Ein paar Beispiele: 2. „So schön bist du !“: romantisches Melos mit tenoralem Schwärmen. 5. „Nicht heut“ : stürmisches Aufbegehren gegen eine „schlimme Nacht“ der Enttäuschung. 10. „Oktober“: Freude an der bunten Natur, die einen leichten Tod stirbt im Gegensatz zum leidenden Liebenden. Herrlich die Molltöne in dieser Stimmung. 11. Das berühmte „Im Nebel“ machten beide Künstler zum  wunderbaren Abgesang in Resignation und Einsamkeit… Dieser Hesse-Zyklus, „hörgefällig“ trotz „neuer Musik“,  ist zweifellos ein bedeutender Gewinn für die Musikgeschichte der Gegenwart. Langer, herzlicher Beifall des Publikums!

Jürg Hanselmann spielte vor dem Hesse-Liederkreis  drei klangvolle Miniaturen aus seinem Jugendalbum 2011  (UA) und am Schluss des Konzerts als Zugabe auch noch seine Vertonung eines Gedichts des anwesenden jungen Autors Sebastien Fanzun.

 

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Feldkirch
  • Ein neuer Liederzyklus für die Musikgeschichte
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen