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Ein Licht in den finsteren Tagen des Lebens

Jürgen Mathis leitet seit zwei Jahren die Seelsorge im Krankenhaus Dornbirn.
Jürgen Mathis leitet seit zwei Jahren die Seelsorge im Krankenhaus Dornbirn. ©edithhaemmerle
Jürgen Mathis leitet seit zwei Jahren die Seelsorge im Krankenhaus Dornbirn.   Dornbirn. Seit zwei Jahren macht er täglich seinen Rundgang im Krankenhaus. Er geht von Zimmer zu Zimmer. In manch einem bleibt er länger.
Krankenhausseelsorge

Jürgen Mathis hat vor zwei Jahren die Leitung der Krankenhausseelsorge übernommen. Schwester Erna Jochum und er versuchen im Team zu helfen, wo Krankheit und Leid schwer zu ertragen sind. Menschen, für die durch eine schwierige Diagnose das Leben von heute auf morgen aus den Fugen geraten ist, können durch ein Gespräch wieder Auftanken. Hoffnung schöpfen, wenn es rund herum dunkel geworden ist.

Zweiter Beruf

Nach der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger machte Mathis die Anfänge als Pfleger im Krankenhaus Feldkirch. In seinem Innersten spürte er den Wunsch nach Veränderung. Ein leises Rufen zum Priesterberuf ließ ihn ein Theologiestudium beginnen, das er in Innsbruck abgeschlossen hat. Danach verbrachte er fünf Jahre in Wien. Unterrichtete dort Philosophie und Theologie in einer Einrichtung der kath. Gemeinschaft Emmanuel, deren Mitglied er und seine Frau sind. „Doch oft kommt es anders als man denkt“, lacht Mathis und erzählt, dass er in Wien die Frau fürs Leben kennenlernte. Er heiratete in der Bundeshauptstadt und kehrte mit ihr nach Vorarlberg zurück. Neben dem Unterricht als Religionslehrer stellte er sich in den ersten Jahren in den Pfarreien Hatlerdorf und Rohrbach als Pastoralassistent in den Dienst der Kirche. Inzwischen hat der vierfache Familienvater beides unter einen Hut gebracht. Seinen Beruf als Krankenpfleger und den als Theologen. Seit August ist er wieder in die Krankenpflege auf der orthopädischen Abteilung zurückgekehrt. Als Theologe nimmt er seine Berufung zum Glauben und Wirken in der Kirche als Seelsorger wahr.

Bereicherung

Über seinen Beruf als Seelsorger sagt er: „Es ist eine Bereicherung für mein eigenes Leben.“ Er versucht, den Menschen Halt und Trost im Glauben zu schenken. Andererseits werde er selbst reich beschenkt. „Wenn ich sehe, mit welch großer Geduld manche Menschen ihre Krankheit ertragen. Oder mit welchem Mut sie einem Schicksalsschlag nach einer schwierigen Diagnose begegnen, dem kann ich nur Respekt zollen. In Not und Leid vertrauen die Betroffenen ihre Ängste gerne jemandem an. Im Grunde ist es eine Suche nach Gott“, weiß der Seelsorger aus Erfahrung. “Und bei vielen ist spürbar, wie gerade der Glaube an Gott sie durch viele Schwierigkeiten trägt. Oft fragen mich Menschen, wie denn jemand, der keinen Halt im Glauben hat, das alles schaffen kann?” Auch die Ärzte und das Pflegepersonal sind in Härtefällen bemüht, vermehrt Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Der Wunsch nach einem Seelsorgegespräch kann auch über das Pflege- oder Ärzteteam geäußert werden.

Kapelle

Ein großer, modern gestalteter Raum im obersten Stockwerk wirkt einladend zur Andacht. Zum Verweilen in Stille. Beim Betreten der Krankenhauskapelle fällt der Blick auf das Flackern kleiner Kerzen, die von Patienten angezündet werden. Im hellen Schein spiegelt sich der Wunsch auf baldige Genesung wider. Im sakralen Raum, der eine behagliche Wärme ausströmt, wird das Wort der Hoffnung angeboten. Eine aufgeschlagene Bibel, direkt neben dem Eingang, lädt ein, einen Vers aus der Frohen Botschaft zu lesen. Im Körbchen daneben kann man ein Kärtchen mit einem Wort der Hoffnung entnehmen. Gottes Wort wirkt wie Medizin, das durch eine zerrissene Situation trägt. „Gott lässt keinen Menschen fallen“, gibt der Seelsorger Trost. Jeder Patient hat das Recht, die Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Unabhängig von seiner Glaubensüberzeugung und Lebenssituation. „Oft sind es gerade Muslime, die dankbar für ein Gespräch sind. Es ist schön zu sehen, wenn sich gestandene Männer herzlich und gefühlvoll zu einem ehrlichen Gespräch öffnen können“, erinnert sich Mathis an Begebenheiten.

Der Glaube trägt

Direkte Ablehnung hat er in seinem Seelsorgeberuf bisher sehr selten erfahren. „Es ist spürbar, dass der Glaube für die Menschen auch in der heutigen modernen Zeit wichtig ist.“ Wenn jemand durch den Tod einen Menschen verliert, fühlt sich das Team der Seelsorge besonders berufen, Trost zu spenden. „Dass der Tod nicht das Ende, sondern den Anfang in eine neue Welt darstellt“, sind Worte, die Mathis aus eigener Überzeugung spricht, mit denen er den Betroffenen einen ehrlichen Trost vermitteln kann. Für seinen eigenen Glauben und seine Arbeit sind Zeiten, die er in Stille mit Gott verbringt, wesentlich und nicht wegzudenken.

Die Frage, ob bei Patienten, die über Weihnachten bleiben müssen, die Nachfrage nach einem Gespräch häufiger ist, verneint der Seelsorger. Es sei ganz unterschiedlich. Im Gegenteil, für ältere Menschen, die allein leben, könne ein Krankenhausaufenthalt über Weihnachten sogar gut sein. Dadurch haben sie Kontakt, sie werden versorgt und finden das Gespräch, das ihnen sonst oft fehlt. Im Normalfall sei es aber bestimmt für jeden Patienten wünschenswert, das Krankenhaus vor Weihnachten verlassen zu dürfen“, sagt Mathis abschließend und wünscht sich für jeden ein frohes Fest im Kreise der Familie.

Zur Person:

Mag. Jürgen Mathis

Geb.: 1970

Wohnort: Hohenems

Familie: verh. mit Sandra, vier Kinder

Ausbildung: Großhandelskaufmann, Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Theologiestudium

Beruf: Seelsorger, Krankenpfleger

Hobbys: Lesen

Lebensmotto: „In Wirklichkeit ist der Mensch ein armes Wesen und nur Gott kann  das Leben reich machen.“

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