Ein lebenswertes Zukunftsbild in einem intakten Ökosystem zeigen

Anna Maierhofer, illwerke vkw/turn to zero, erläutert im Interview, wie das geht.

Das „turn to zero“-Projekt ist die Weiterentwicklung des Klimaneutralitätsbündnisses. Knapp 200 Vorarl­berger Unternehmen sind schon dabei. Nur in gemeinsamer, ganzheitlicher Anstrengung in einer Kreislaufwirtschaft möglichst nach dem Cradle to Cradle-Prinzip ist die Energie-, Ressourcen- und Agrarwende zu schaffen.

Was ist das schlussendliche Ziel von „turn to zero“ und welche sind die Maßnahmen bzw. Aktivitäten zur Umsetzung des Ziels?

Mit turn to zero haben wir nun auf die aktuellen Entwicklungen sowie die Bedürfnisse der Unternehmen reagiert. Wir durften mit dem Klimaneutralitätsbündnis 2025 viele Erfahrungen sammeln und haben die stetige Etablierung des Themas Klimaschutz bei Unternehmen direkt miterlebt. Dazu hat vor Corona auch sehr stark die „Fridays for Future“-Bewegung beigetragen. Man hat direkt gespürt, wie das Bewusstsein sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Unternehmen gestiegen ist. Dadurch haben wir entschieden, dass wir für die nun immer individuelleren Wünsche und Anforderungen ein breiteres Angebot bieten möchten, womit wir auf diese Bedürfnisse besser eingehen können. Zusätzlich haben wir den Fokus auf die Reduktion der Emissionen noch einmal verstärkt. Einerseits bieten wir als Energieversorger dazu bestes Know-how sowie innovative Produkte und Dienstleistungen an. Andererseits ist es der zentrale Punkt im globalen Klimawandel. Ohne Emissionen zu vermeiden und zu verringern, werden wir es nicht schaffen.

Müssen für Klimaneutralität, Energieautonomie und ein intaktes Ökosystem in Vorarlberg nicht alle Firmen mit ins Boot, um die notwendigen Betriebstransformationen durchzuführen? Wie kann dieses Bewusstsein auch in alle privaten Haushalte transportiert werden – damit wirklich ganz Vorarlberg im Verständnis an einem Strang zieht?

Als Steirerin empfand ich Vorarlberg schon immer als sehr innovativ, offen für neue Themen und sehr fortschrittlich. So auch im Umwelt- und Klimaschutz. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen und Möglichkeiten für Unternehmen und Privatpersonen, sich im Klima- und Umweltschutz zu engagieren. Aber die Frage war ja, wie schaffen wir es, dass alle an einem Strang ziehen. Ich denke, hier ist es sinnvoll, diese vielen einzelnen Initiativen zu bündeln. Und genau dazu ist gerade eine große Strategie für Vorarlberg im Gange. Ziel ist, gemeinsam mit vereinten Kräften so schnell als möglich eine Klimaneutralität für Vorarlberg zu erreichen. Hier werden wir mit turn to zero ebenfalls ein Teil davon sein und einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Bis Herbst 2022 wird dazu eine ausführlicher Maßnahmenplan ausgearbeitet. Eines darf ich schon vorweg nehmen: Vorarlberg bestätigt mit dieser Strategie erneut seine Vorbildfunktion und Rolle als Pionier.

Wie kommt der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wasser, Sonne, Wind, Geothermie und Biogas in Vorarl­berg voran – welche Projekte und Konzepte werden heuer noch umgesetzt bzw. auf Schiene gebracht?

Im Bereich Photovoltaik haben wir es derzeit mit einer Rekordnachfrage zu tun. Im Jahr 2021 wurden 30 MW Leistung installiert und damit dreimal mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Bei der Wasserkraft können drei Projekte herausge­hoben werden: In Au wird in wenigen Wochen das Kleinwasserkraftwerk ­Argenbach fertiggestellt. Es soll künftig die Strommenge für über 5000 durchschnittliche Haushalte produzieren. Ein paar Kilometer weiter erfolgte im April der Spatenstich für das Kleinwasserkraftwerk Dürrenbach. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2023 geplant. Mit dem Lü­nerseewerk II plant die illwerke vkw das größte Pumpspeicherkraftwerk Österreichs. Die Entwicklung der Projektidee hat begonnen, mit dem Ziel, in den kommenden Jahren die Baureife zu erreichen. 2037/38 soll das Kraftwerk in Betrieb genommen werden.

Wie sieht dein persönlicher Wunsch und der Anspruch an dich selbst – auch als ttz-Beauftragte –, an die Unter­nehmen und alle an einer guten/autonomen/gesunden Zukunft Interessierten aus? Und was ist bis wann machbar? Wie muss z. B. Rheintalcity 2040 aussehen bzw. funktionieren, um klimaneutral in einem intakten Öko­system zu sein – mit hoher Lebensqualität für alle?

Gerade in Vorarlberg gibt es, wie oben erwähnt, bereits viele Initiativen, Experten, innovative Unternehmen, …  Mein Anliegen bei diesem Thema ist jenes, dass wir ein neues, lebenswertes und positives Zukunftsbild aufzeigen sollten. Wir werden es nicht schaffen, genau so weiterzuleben wie bisher und für alles, was „schlecht“ ist, einfach eine nachhaltigere Lösung finden. Zum Beispiel bei der Mobilität. Neben umweltfreundlichen Antrieben wird es ganz neue Mobilitätskonzepte benötigen. Oder auch im Lebensmittelbereich gibt es bereits den Trend hin zu regionalen und saisonalen Produkte. Auch das kann in einer überaus spannenden Entdeckungsreise enden. Für diese neuen Wege und Möglichkeiten wünsche ich mir Offenheit und Vorfreude.

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