Ein „Krämer“ präsentierte musische Spitzenware

Sebastian Krämer als Chansonnier und Plauderer mit spitzer Zunge.
Sebastian Krämer als Chansonnier und Plauderer mit spitzer Zunge. ©VOL.AT/Emir T. Uysal
Der deutsche Chansonnier und Kabarettist Sebastian Krämer gastierte wieder im Theater am Saumarkt.
Sebastian Krämer im TaS

 

Feldkirch. (sch) Sebastian Krämer – es war sein derzeit einziger Auftritt in Österreich, und seine Fans wussten dies zu schätzen und nahmen zum Teil einige Kilometer Anreise in Kauf, um die subtile Kleinkunst des vielfach ausgezeichneten deutschen Chansonniers und Kabarettisten genießen zu können. Der Künstler wurde 1975 in Ostwestfalen geboren und lebt und wirkt seit 1996 in Berlin. Als genialer Pianist und Sänger mit angenehmem Timbre, vor allem aber als verblüffender Jongleur mit Worten, Phrasen, Pointen, die generell als schillernde Bonbons, jedoch oft mit gallig-kritischem Kern verabreicht werden, fasziniert der wie ein harmloser großer Junge aussehende Sebastian Krämer das Publikum.

 

Neue CD

Viele Krämer-Fans erinnern sich wohl noch an seine CD „Akademie der Sehnsucht“, die etwa auch den zum Schlager gewordenen Hit „Aber er bringt dich zum Lachen“ enthält. Krämers neuestes Opus trägt den holprigen Titel „Tüpfelhyänen – Die Entmacbtung des Üblichen. Ein literarisches Konzert“. Der Abend fängt ganz harmlos an – mit dem Erstaunen des kleinen Mannes, dass man in einem Nagelstudio Fingernägel im Leopardenlook verpasst bekommen kann. Das ist der kabarettistische Starschuss für Krämers roter Faden seines Abends – Entdecke den Reichtum deiner Möglichkeiten, bekämpfe alle Erscheinungsformen der Fanatsielosigkeit („Auch Ängste haben die Funktion, Fantasie zu beflügeln“) und Fremdbestimmung etc. Krämer war zweifellos auch Soziologe und fröhlicher Philosoph etwa bei der Fabel vom Legostein, den der Staubsauger herzlos verschluckt; oder beim Schwarzfahrer-Song (mit verquerer-Karl-Valentin-Logik) oder beim sehr poetischen Lied „Flohmarkt im Regen“. Bevorzugte Krämer prinzipiell die feine Klinge, so konnte er doch auch deftig austeilen: „Kabarettisten lassen sich für ihren ,Schwachsinn´ entlohnen, Politiker aber leider auch. Das ist ungerecht.“ Und die nicht eben sympathischen Tüpfelhyänen boten Krämer die Chiffre für manch versteckte, heitere Bosheit … Aber: „Sie müssen nicht alles verstehen, liebes Publikum!“ Sebastian, der „Krämer“ mit literarisch-musikalischer Spitzenware, entließ seine „Kunden“ mit schmunzelnder Zufriedenheit! Der junge Hornist Karsten Zimmermann untermalte mit seinem Instrument immer wieder elegant Sebastians Klavierkünste am schwarzen TAS-Flügel.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Feldkirch
  • Ein „Krämer“ präsentierte musische Spitzenware
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen