Ein Hörbranzer Feuerwehrfahrzeug für Moldawien

Ein Hörbranzer Feuerwehrfahrzeug für Moldawien
Ein Hörbranzer Feuerwehrfahrzeug für Moldawien ©MLS
Lukas und Markus Schupp von der Ortsfeuerwehr Hörbranz berichten über eine ungewöhnliche Fahrzeugüberstellung
Ein Hörbranzer Feuerwehrfahrzeug für Moldawien

Seit 2013 werden Feuerwehrfahrzeuge, welche in Vorarlberg ausgemustert werden müssen, vom Verein „Structure Projects Network. We help.“ in die Republik Moldau überstellt. Gründer des Vereins ist der Altbürgermeister von Rankweil, Hans Kohler. In Moldawien ist das Feuerwehrwesen durch Berufsfeuerwehren in den Städten geprägt. In den ländlichen Regionen gibt es keine oder nur sehr dürftig ausgestattete Feuerwehren. Die Anfahrtswege aus den Städten sind lang und so fällt das wenige Hab und Gut den Flammen zum Opfer. Daher ist eines der Ziele des Vereins auch der Aufbau von freiwilligen Feuerwehren.

Im Jahr 2019 mussten wir unser Löschfahrzeug mit Bergeausrüstung (LFB) ausmustern. In dankenswerter Weise hatte die Gemeindevertretung unserer Marktgemeinde Hörbranz beschlossen, das Fahrzeug dem Verein für die Moldawienhilfe zur Verfügung zu stellen. Stellt eine Gemeinde ein Fahrzeug zur Verfügung, können zwei Mitglieder der jeweiligen Feuerwehr das Fahrzeug überstellen. Im Frühjahr 2020 haben die Vorbereitungen für die Fahrzeugüberstellung begonnen. Einsatzbekleidung wurde zusammengestellt, die Beladung komplettiert und die organisatorischen Vorbereitungen für die Reise getroffen. Doch dann musste auf Grund der geltenden Reisebeschränkungen die Überstellung für 2020 abgesagt werden. Im heurigen Frühjahr war der nächste Anlauf und es hat geklappt.

Eine lange Reise

Nach den letzten Vorbereitungen fand am 14. Oktober in Rankweil eine kleine Abschiedsfeier im Beisein von Bürgermeister Andreas Kresser und Kommandant Hubert Schreilechner statt. Am 15. Oktober um 04:30 Uhr rückte unser LFB das letzte Mal aus unserem Geräteaus in der Heribrandstraße aus. Die erste Etappe führte den Konvoi mit 12 Fahrzeugen nach Eisenstadt im Burgenland. Am zweiten Tag fuhren wir quer durch Ungarn nach Hosman in Rumänien. Dort trafen wir dann Pater Georg Sporschill, der mit uns am Sonntag eine Messe feierte und dann beim gemeinsamen Frühschoppen aus seinem Leben erzählte. Wir besichtigten auch Projekte des Vereins „ELIJAH“, welcher von Pater Georg mitgegründet wurde. Der Verein kümmert sich um Roma-Kinder und ihre Familien im rumänischen Siebenbürgen.

Es ist eine andere Welt. Dinge, die für uns selbstverständlich zum täglichen Leben gehören, gibt es hier einfach nicht. Auch soziale Strukturen fehlen zu einem Großteil. Genau hier setzen die Mitarbeiterinnen von ELIJAH an. Eine gebürtige Hörbranzerin, Frau Angela King, ist Gründungsmitglied und kümmert sich vor Ort um die Roma-Familien. Die dritte Etappe führte uns am Montag nach Moldawien in die Gemeinde Svetlîi. Nach 2.373 km sind alle Fahrzeuge ohne Panne sicher angekommen.

 Eine neue freiwillige Feuerwehr

Svetlîi ist eine Gemeinde mit 2.000 Einwohnern im Süden Moldawiens und ist von riesigen landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Die Bevölkerung muss sich zum größten Teil selbst versorgen. Bisher bestand die Feuerwehr aus 4 hauptamtlichen Personen, welchen keine Einsatzbekleidung zur Verfügung stand und die mit einem Fahrzeug Baujahr 1977 ihre Einsätze bewältigten.

An unserem ersten Tag in Svetlîi wurden wir mit einer kleinen traditionellen Willkommensfeier herzlich empfangen. Anschließend begannen wir, die hauptamtlichen und die neu rekrutierten freiwilligen Kameraden einzukleiden. Sie hatten ein Strahlen in den Augen und da haben wir das erste Mal gespürt, wir tun hier das Richtige.

Am zweiten Tag starteten wir die feuerwehrtechnische Einschulung der beiden Fahrzeuge, Hörbranz LFB und das Tanklöschfahrzeug von Bregenz-Vorkloster. Auf dem Gemeindegebiet von Svetlîi befindet sich ein kleiner See, an welchem wir die Kameraden im Umgang mit der Löschausrüstung eingeschult haben. Im Anschluss wurde eine Übergabefeier im Beisein des Bürgermeisters von Svetlîi und dem Organisationsteam abgehalten. Bürgermeister Paul hat sich in seiner Ansprache ganz herzlich bei der Marktgemeinde und der gesamten Bevölkerung von Hörbranz für die Unterstützung für seine Gemeinde bedankt.

Personenrettung, Leiterdienst, Greifzug und hydraulisches Rettungsgerät wurden am dritten Tag geschult. Mit großem Einsatz haben sich unsere neuen Kameraden mit den Geräten auseinandergesetzt und waren schnell in der Lage, die Geräte selbstständig und sicher zu bedienen.

Abschließend durften wir mit allen Mitgliedern der Feuerwehr Svetlîi und Vertretern der lokalen Politik ein Grillfest abhalten – denn zur Feuerwehr gehört auch das Zusammenkommen und die Kameradschaft.

Für uns als Mitglieder der Ortsfeuerwehr Hörbranz, die wir selber mit diesem Fahrzeug oft in den Einsatz gefahren sind, ist es schön zu sehen, dass unser LFB nun in gute Hände gekommen ist und in Svetlîi zum Wohl der Bevölkerung seinen Dienst tun wird. Sehr emotional war der Moment, als am Tag unserer Abreise Bürgermeister Paul uns voller Freude vom ersten erfolgreichen Einsatz in der Nacht mit den neuen Fahrzeugen erzählt hat. Die Rückreise erfolgte per Flugzeug nach Memmingen, wo wir von einer Abordnung unserer Wehr mit Musik herzlich empfangen wurden.

Lukas und Markus Schupp – Ortsfeuerwehr Hörbranz

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